Realitätsflucht

Désirée Hailzl, 20.02.17

Die Ausstellung „Elsewhere is Nowhere“ beleuchtet das Thema der Flucht nicht anhand von politischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Aspekten, sondern von persönlichen Fragestellungen zum Begriff des „Flüchtens.“ Sie richtet sich gewollt nicht an das „stereotype, mediale Image von Flucht“, sondern versucht „die Aufmerksamkeit auf die meist unsichtbaren, aber allgegenwärtigen Bereiche zu lenken.“

„Flüchten“ heißt, sich einer Gefahr zu entziehen, sich in Sicherheit zu bringen oder Unterschlupf zu finden. Aber von diesen Herleitungen sollte man beim Besuch der Ausstellung in der Kunsthalle Exnergasse schnell Abstand nehmen. Während in Sebastian Stumpfs Videoinstallation der Protagonist tatsächlich noch vor jemandem auf der Flucht ist und in Tiefgaragen Unterschlupf findet, verflüchtigen sich in Nicolás Rupcichs Video „EDF“ die Berge und Gletscher Patagoniens. Eine schwarze Fläche zieht sich durch das Bild und verkleinert die Landschaften nach und nach, bis sie sich langsam auflösen. Laut Ausstellungsbegleittext handelt es sich hier um eine „Realitätsflucht“, wobei das Virtuelle für den „Eingriff des Menschen in die Natur steht“. Losgelöst von dieser Sichtweise ist die Arbeit sehr poetisch und visuell anspruchsvoll.

Auch das Video von Tsui Kuang-Yu, in dem er sich mit einer auf den Rücken geschnallten, selbstgebauten Seifenblasenmaschine auf den Weg durch die Stadt macht, um Abgase in Seifenblasen zu verwandeln, kann mehrfach interpretiert werden. So muss die Säuberungsmaschine, die durch das Anzapfen von Auspuffen betrieben wird, nicht zwangsweise unsere Realität zur Umwelt ausloten, sondern kann ebenso für die wachsende Umweltverschmutzung oder die Hoffnung auf eine bessere Welt stehen.

Der Frage der Abhängigkeit des Individuums vom gesellschaftlichen System geht Ya-Wen Fu in ihrer Multimedia-Installation und Performance „Space-in-Between“ nach, in der sie sich, an ein Konstrukt aus Acrylglasringen, Stahlfedern und Seilen angehängt, im Raum bewegt.

Der Thematik der persönlichen, geografischen und medialen Grenzen widmen sich zu guter Letzt noch die Arbeiten von Christina Werner, Sven Bergelt und Aluan Wang. Insgesamt präsentiert die von Ya-Wen Fu und Sven Begelt kuratierte Ausstellung sieben profunde Positionen, die zahlreichen Überbegriffen zuordenbar wären.


Tipps

 

Kunsthalle Exnergasse
1090 Wien, Währinger Straße 59, 2. Stiege, erster Stock
Tel: +43 (0)1 401 21-41 oder +43 (0)1 401 21-42
Fax: +43 (0)1 401 21-67
email: kunsthalle.exnergasse@wuk.at
http://www.kunsthalle.wuk.at
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 13:00 - 18:00, Samstag 11:00 - 14:00 Uhr




endline

 

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

Werbung 300
Linie 300

Kunsthalle Exnergasse
Elsewhere is Nowhere

19.01.2017 bis 04.03.2017

Linie 300
versenden  Artikel versenden
versenden  Artikel teilen Facebook, Twitter, Google+
versenden  Artikel drucken
Linie 300

Werbung 300