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Berliner Galeriensterben?

Raimar Stange, 22.08.16

Da schreibt jüngst das „Handelsblatt“ besorgt: „Wieder haben vier Galerien in Berlin aufgegeben“. Und die übereifrige Autorin stellt dann fest: „Der Nimbus von Berlin als Kunst-Mekka bröckelt“. Damit nicht genug, das Lamento mündet gar in der weder logischen noch belastbaren aber umso dramatischeren Behauptung: „Sammler und Kuratoren bleiben aus und danach findet kaum noch ein Besucher den Weg in die Galerie“. Von einem Galeriensterben berichten zwar auch andere Medien, wie z. B. Monopol, – aber: Nach Zahlen von www.artberlin.de hat Berlin derzeit etwa 600 Galerien, geben da vier oder fünf Galerien auf, dann sind das nicht einmal 1%! Andere Zahlen sind zwar deutlich geringer, sie gehen von etwa 250 Galerien (was ist eine Galerie, was bloßer Kunsthandel, was nur ein Offspace …) in Berlin aus, aber selbst dann machen die besagten „Aufgeber“ nur etwa gut 2% aus. Dazu kommt, dass monatlich neue Galerien an den Start gehen, im September etwa wird Russi Klenner mit Arbeiten von Achim Riethmann in Kreuzberg eröffnen. Das „Institut für Strategieentwicklung“(IFSE) der Universität Witten/Herdege stellt dann auch für Berlins Kunstszene fest: „sowohl die Anzahl der Galerien steigt wie der gesamte Umsatz“. Das Lamento des „Handelsblatt“ entbehrt also mehr oder weniger jeder sachlichen Grundlage, ist nichts anderes als gezielte Stimmungsmache. Genau darüber sollte man nachdenken: Warum nur soll hier so etwas wie Misserfolg herbeigelogen werden? Denkt man aber einmal nicht in einer rein ökonomischen Handelslogik, dann könnte ein tatsächliches Galeriensterben ja auch als Chance begriffen werden, denn dass das derzeitige Kunstbetriebssystem an einer Überkommerzialisierung leidet, kann heute kaum noch ernsthaft bestritten werden. So hat z. B. Chris Dercon seinen Wechsel von der Tate London hin zur Berliner Volksbühne, vom Kunstmuseum hin zu Theater also, u. a. damit begründet, dass angesichts der heuer real-existierenden Kommodifizierung von Kunst, diese „nur noch vom Theater aus zu retten sei“. Ich würde dem hinzufügen: Oder durch ein Gesundschrumpfen der kommerziellen Seite des Betriebes.

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GF/Dr.
Frederik Lehner | 30.08.2016 08:17 | antworten
...da ist schon einiges Wahres dran, aber die Kommerzialisierung der bildenden Kunst ist ein Problem der Medien und der Museen, die nur auf Quote und Verkaufsrekorde schielen, statt auf Inhalte und Vermittlung. Aber eine Galerie, die nicht auf Kommerzialisierung setzt, hat die Basis des Geschäfts nicht verstanden und wenn diese Galerien pleite gehen, dann wird sicher nicht die Kommerzialisierung eingedämmt. .

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