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Einige Ausstellungen in Mittelitalien

Ascoli Piceno: Francesco nell'arte
Die Pinakothek der südlichsten Provinzhauptstadt in den Marken besitzt einen berühmten Tizian. Das Spätwerk des altgedienten Venezianers kündigt sich in der um 1560 entstandenen Tafel mächtig an, die Antlitze von Landschaft und Figur werden auf die spezielle Art frei flottierend, dass man irgendwann von Impressionismus reden wird. Diesmal allerdings ist das Thema des Bildes Anlass zur Diskussion. Es zeigt jenen legendären Moment, in dem Franz von Assisi die Wundmale empfängt, die ihn noch christusgleicher machen. Flugs ist eine Ausstellung um dieses Thema arrangiert, man zeigt Carracci und Caravaggio und, eher um den Namen in den Ausstellungstitel zu befördern, Cimabue. Der Wettbewerb ist die Essenz der Künste, und genau diesem setzt man sein Kleinod aus. Tizian gewinnt nicht. Der Preis geht an eine sehr schöne Version von Tizians venezianischem Nachfahren Giambattista Piazzetta.
www.ascolimusei.it


Giambattista Piazzetta, Der hl. Franziskus in Ekstase

Osimo: Le stanze segrete die Vittorio Sgarbi
Ca. 100 Kilometer weiter nördlich, bei Ancona, gibt es das Bergstädtchen Osimo. In dessen Palazzo Campana zeigen sie ausgewählte Stücke aus der Privatsammlung Vittorio Sgarbis. Der ist ein Italiener ganz eigenen Rechts, Multitalent, Impresario, Kunsterklärer im Fernsehen, Parlamentarier für ein Dutzend Parteien und Bürgermeister in Sizilien, bis er wegen mafioser Umtriebe abgelöst wurde. Diese Karriere hat seinem Kunstbestand sicher nicht geschadet. Doch der Mann hat auch Geschmack. Die geheimen Zimmer, als die die Schau sich ausgibt, zeigen vielerlei aus Renaissance und Barock, und es sind Vorzeigestücke für das Schräge, Verquere, Präteniöse, aus dem die Klassik immer auch bestand. Das beste der Raum der schönen Frauen, die ihre Rollen allesamt auf sehr einschlägige Weise verfehlen. Die Kleopatra ist zu dick, die Büßerin Magdalena geradezu pornografisch, und die Allegorie der Zeit viel zu jung. Alle sind sie natürlich zu nackt, man kennt das ja von der RAI. Italianità jedenfalls in Perfektion. Die Schau ist entsprechend Sgarbis Mama gewidmet.
www.lestanzesegretedivittoriosgarbi.it

Forlì: Piero – Indagini su un mito
Im emilianischen Forlì, wieder 100 Kilometer Richtung Norden, gibt es das ehrgeizigste Projekt. I Museo di San Domenico will man den Mythos Piero della Francesca erkunden, und das geht am besten über sein Nachleben. Hunderte von Kleinmeistern des 19. und früheren 20. Jahrhunderts hat man sich erliehen. Einen einzigen einigermaßen seriösen Piero gibt es auch, die Schutzmantelmadonna aus San Sepolcro, der Geburtsstadt des Meisters (die Ausleihe ist einigermaßen mysteriös, denn dort haben sie gerade selber eine Piero-Präsentation; sie rankt sich um die Schaurestaurierung des in situ befindlichen Freskos der Auferstehung und macht im Titel „Indagini sulla resurrezione“ die gleiche Anspielung auf ein Buch von Carlo Ginzburg aus den frühen Achtzigern: „Idagini su Piero“). Die Ausstellung ist wie so oft eine Demonstration des Menschenunmöglichen, an gute Exponate zu kommen. Eine Ausnahme von der eher kruden Qualität gibt es: Der Vatikan hat sich von einem Giovanni Bellini getrennt. Es ist jener obere Teil des monumentalen Altars mit einer Marienkrönung, der im Museo civico von Pesaro daheim ist. Dort klafft eine empfindliche Lücke, die der leere Rahmen umso augenfälliger macht. Pesaro liegt auf halbem Weg zwischen Osimo und Forlì. Man kann den Altar jetzt also kumulativ vollständig sehen. Mit Piero hat das nichts zu tun.
www.mostrefondazioneforli.it


Giovanni Bellini, Krönung Mariä (Pesaro-Altar)

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