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viennacontemporary: Zwischenstand

Zum zweiten Mal findet die viennacontemporary im Kursalon Wien statt. Das in den Jahren 1865-1867 im Renaissance-Stil erbaute Gebäude war eigentlich als Erholungsort im Stadtpark, als Kaffeehaus und zur Ausgabe von Trinkkuren (Wasser!) gedacht, wurde aber bald zu einem Tanz und Konzertlokal. Die Nutzung als Austragungsort einer internationalen Kunstmesse birgt einige Probleme (das artmagazine berichtete bereits 2022), wovon das drängendste allerdings dieses Jahr etwas gemildert werden konnte: Durch die Errichtung eines Zelts vor der Terrasse zum Stadtpark, konnte die Enge der Räume erweitert und den Galerien mehr Platz für ihre Präsentationen eingeräumt werden. Damit konnten der Veranstalter die Zahl der teilnehmenden Galerien mit 61 beibehalten. Die ZONE1 ist vom Keller in den ersten Stock übersiedelt und macht dort einen wesentlich besseren Eindruck.

Der Auszug aus der Marx Halle und die durch den Überfall Russlands auf die Ukraine notwendig gewordene Trennung vom russischen Financier Dmitry Aksenov hatte der viennacontemporary stark zugesetzt. Durch den Umzug in den Kursalon war auch die verkaufbare Standfläche drastisch reduziert worden. Die finanziellen Probleme hat die Messe nun durch nachgezahlte Corona-Förderungen wettmachen können. Zusätzlich wurde eine neue Gesellschaft mit vier heimischen Shareholdern gegründet, die auch die Verankerung der viennacontemporary in der österreichischen Kunstszene betonen soll.

Diese Verankerung funktioniert durchaus, was an der fast geschlossenen Teilnahme der Wiener Top-Galerien ablesen lässt. Der in der Vergangenheit stärker betonte Schwerpunkt auf Kunst aus dem CEE-Raum entspricht mit 20 angereisten Galerien ebenfalls dem Anteil von rund einem Drittel von den früheren Ausgaben der Kunstmesse. Die restlichen 14 Galerien aus der westlichen Hemisphäre komplettieren den positiven Eindruck den die „Boutique-Messe“ dieses Jahr macht. Doch eine kleine, vorwiegend an die regionale Sammlerschaft gerichtete Veranstaltung, entspricht auf lange Sicht nicht den Bedürfnissen der international vernetzten lokalen Galerienszene, auch wenn die viennacontemporary sich erfolgreich um internationales (VIP)-Publikum bemüht. Wien braucht eine internationale Kunstmesse von relevanter Größe, um nicht den Anschluss an den weltweiten Kunstmarkt zu verlieren.

Das ist auch der Messeleitung bewusst. Geschäftsführer Markus Huber verkündete im Rahmen der Pressekonferenz daher den geplanten Neustart der viennacontemporary im Jahr 2024. Sie kehrt an den Ort ihres Beginns auf die Messe Wien beim Wiener Prater zurück. In der Halle D stehen ab dem Jahr 2024 über 8.000 Quadratmeter Bruttofläche zur Verfügung. Einhundert Teilnehmer soll die Kunstmesse dann mindestens zählen. Dieser Wechsel wird von der heimischen Galerienszene begrüßt und auch der Verband österreichischer Galerien moderner Kunst unterstützt diese Weiterentwicklung.

Vor diesem Hintergrund mutet die diesjährige Ausgabe wie die Präsentation eines Zwischenstands an. Die viennacontemporary hat sich wieder auf den Weg gemacht. Ob dieser der richtige sein wird, hängt nicht nur vom vorhandenen Bemühen der Messeorganisation, sondern wohl auch davon ab, wie sich der nationale und internationale Kunstmarkt entwickeln wird. Die viennacontemporary 2023 im Kursalon Wien dauert noch bis einschließlich Sonntag, den 10. September. Sehenswert ist sie allemal.

Mehr Texte von Werner Remm

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viennacontemporary
07 - 10.09.2023

Kursalon Wien
1010 Wien, Johannesgasse 33
https://www.viennacontemporary.at
Öffnungszeiten: 13-19 h


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