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Something Common: Große Halle für das kleine Format

Unter dem Titel „Something common“ eröffnete der Galerist Patrick Ebensperger gemeinsam mit dem Sammler Alexander Rhomberg eine neue Ausstellungshalle in der Samergasse in Salzburg. Bis 9. März sind hier sechs internationale Künstler*innen zu sehen: Bonnie Camplin, Lea Draeger, Tim Etchells, Benjamin Heisenberg, Hajnal Nemeth und Mark Van Yetter.

Schon seit zehn Jahren betreibt Patrick Ebensperger erfolgreich Ausstellungsräume im ehemaligen Krematorium in Wedding in Berlin. Er verfügte darüber hinaus über einen Ausstellungsraum in Graz und war über eineinhalb Jahre mit rund 80qm Ausstellungsfläche in der Kaigasse in Salzburg vertreten.

Die nun adaptierte ehemalige Elektrohalle im Industriegebiet von Salzburg bietet genug Fläche und Raum um große Formate, Installationen, Filme und Plastiken zu zeigen.
Ebensperger entscheidet sich in der Eröffnungspräsentation aber für kleinere Formen und stille Arbeiten.

In den Blick geraten dabei die Werke von Bonnie Camplin, einer britischen Künstlerin des Jahrgangs 1970. Camplin war 2015 für den Turner Preis nominiert und zeichnet Figuratives, surrealistisches Gewölk mittels Kugelschreiber, Buntstift manchmal auch mit Farbe auf Papier. Es sind rätselhafte Zwischenwelten des nonverbalen Bereichs die Camplin thematisiert. Lose Gedankenfetzen die beim Träumen und Aufwachen schon wieder aus dem Bewusstsein weichen sind die Themen der Künstlerin. Auf Schaumplatten, die wie Lampenschirme aussehen sind Kugelschreiber-Dickichte aufgetragen. Die Dichte der Linienführung erinnert in ihrer Zusammenballung an die „Gewitterzeichnungen“ ihrer schottischen Kollegin Tacita Dean.

Aufmerksam wird der Besucher auch auf die Arbeiten von Benjamin Heisenberg, 1974 geborener Enkel des Physikers Werner Heisenberg. Heisenberg, der sowohl Bildhauerei als auch Spielfilmegie studierte, ist in Österreich vornehmlich als Filmregisseur bekannt. Er verfilmte 2010 die Geschichte des österreichischen Bankräubers Johann Kastenberger mit Andreas Lust in der Hauptrolle. Das szenische und filmische Denken von Heisenberg ist auch in einer kleinen Serie von Zeichnungen von 2017 zu sehen, in denen Heisenberg ein Kapuzenmännchen zu bekannten deutschen Stehsätzen „schauspielern“ lässt.

Ein weiterer Aspekt seiner Arbeit sind politische Fragestellungen, die in den großformatigen Digitalcollagen thematisiert werden. Da werden mit Wachsmalstiften und Kugelschreiber Zitate in aufgezogene Digitalprints geschrieben, die sich mit Rassismus, Kolonialismus, künstlerischer Inspiration und Globalisierung auseinandersetzen. Spürbar ist hier das politische Erbe des Großvaters Werner, der unter den Nationalsozialisten über die Kernspaltung forschte und somit die Möglichkeiten für eine NS-Atombombe auslotete. Von Benjamin Heisenberg ist auch ein Loop der Rede eines autistischen Kindes zu hören und zu sehen: „Hastewas Bistewas“. Ein Kommentar der sehr eindringlich von unserem perpetuierenden Kapitalismus und den daraus entstehenden Verwirrungen spricht. Von Heisenberg als bildendem Künstler wird man sicherlich noch hören.

Zuletzt sei hier auf die Arbeiten des Amerikaners Mark Van Yetter verwiesen. Der 1978 in Pennsylvania Geborene zeigt hier eine Serie von Tuschezeichnungen und Lavierungen, die zwischen 2005 bis 2018 entstanden sind. Es sind Personen mit Waffen, in sexuellen Handlungen und mit alltäglichen Gesten zu sehen, die hier lapidar gezeigt werden. Mit wenigen Strichen schafft Van Yetter eine dichte Atmosphäre der Darstellung. Es sind poetische „Short Stories“, die hier nach der Galeriemethode des 19. Jahrhunderts Bild an Bild gehängt werden und einen berührenden Gesamteindruck von Van Yettens Kunst geben.

Die Eröffnungsausstellung ist Ebensperger/Rhomberg in der ehemaligen Elektrohalle inhaltlich gelungen. In die großzügigen Räumlichkeiten und ihre Möglichkeiten müssen Galerist und Sammler vielleicht noch hineinwachsen.

Something Common
27.01 - 09.03.2019

Ebensperger Rhomberg
5020 Salzburg, Samergasse 28b
Tel: +49 30 46065821
Email: office@ebensperger.net
http://galerieebensperger.net/
Öffnungszeiten: Fr, Sa 12-18 h


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