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Marcus Geiger - Einbau Kunstverein: In Statu Nascendi

An der Fassade des Hauses Joseph Haydn-Gasse 1 in Eisenstadt prangt ein großformatiges Transparent das allerdings nur eine Farbe zeigt: supermatt rosa. Sie bildet sozusagen die Projektionsfläche, auf der in Zukunft Künstlernamen und Ausstellungstitel des neu gegründeten „Kunstvereins Eisenstadt“ zu sehen sein werden. Offenbar wurde supermatt rosa dazu auserkoren, die Basis der heutzutage so wichtigen „Corporate Identity“ der Ausstellungsinstitution zu bilden. Es ist alles noch recht roh, grob zusammen gezimmert, aber es ist alles da, was es braucht. Im Stiegenhaus neben dem Eingang hängt eine minimalistische Neonwerbung von der Decke. Im Ausstellungsraum selbst findet sich ein munter zusammen gewürfeltes Sammelsurium von allerlei Gerätschaften, die ein Kunstverein zum Ausstellungsbetrieb benötigt. Ein Besprechungstisch dessen Zentrum allerdings ein großes Loch ziert, ein Tisch dessen dünne Arbeitsplatte sich durch eine außergewöhnliche Labilität auszeichnet. Diverse Stehtische die im Rahmen der Eröffnung ihre Funktionalität beweisen konnten. Selbst die Trennwand zum Büro besteht lediglich aus einem Lattengerüst und kann bloß als optische Abtrennung bezeichnet werden. Auf dem Boden verweist eine dünne Matratze auf mögliche Nachtschichten des Personals, während der Leuchttisch daneben nicht zum Betrachten von Dias zu gebrauchen ist, sondern sein Neonlicht mehrfarbig auf den Fußboden konzentriert.


Es sind Möglichkeitsformen der Funktionalität einer Institution, die der vom Vorstand des neuen Kunstvereins (Peter Menasse, Vitus Weh, Kurt Kladler, Doris Guth, Gerda Aigner-Silvestrini) zur Eröffnungsausstellung eingeladene Künstler Marcus Geiger mit seinem „Einbau Kunstverein“ skizziert. Geiger, der in der Öffentlichkeit mit seinem roten Anstrich der Wiener Secession 1998 reüssierte, arbeitet meist mit einfachen, rohen Materialien wie Holz und Filz, oder gefundenen Objekten, deren Zweck er transformiert, wie die ebenfalls in der Ausstellung aufgestellten „Kübellampen“, verschraubte Plastikeimer mit Neonlicht.


So beliebig hingeworfen die einzelnen Objektmontagen erscheinen mögen, so präzise gibt Marcus Geiger die Thematik für die neue Kunstinstitution vor: Sie muss sich radikal mit dem Kunstbegriff und der Deutungshoheit ihres Tuns auseinandersetzen. Entweder es ist alles Kunst, was in ihren Räumlichkeiten geschieht und gezeigt wird – oder eben nichts.


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Zeitgleich zur Ausstellung im Kunstverein Eisenstadt hat Marcus Geiger im Schloss Esterhazy eine große Installation für das Festival Herbstgold realisiert.
https://www.herbstgold.co/kunstinstallation
Für den Kunstverein Eisenstadt hat er eine Edition mit 6 Unikat-Lampen in Kunststoffhülle gestaltet.

Marcus Geiger - Einbau Kunstverein
09.09 - 04.11.2018

Kunstverein Eisenstadt
7000 Eisenstadt, Joseph Haydn-Gasse 1
Öffnungszeiten: Fr 14-19. Sa 11-15, So 14-17 h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Danke
Beate Schreiter | 10.09.2018 11:21 | antworten
Endlich tut sich was kulturell wirklich Interessantes in Eisenstadt

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