Werbung
,

Agnes Fuchs - Robustesse et perfection: Technik als Vehikel

In der ersten von Franz Thalmair für den Kunstraum Lakeside kuratierten Ausstellung nähert sich der neue Leiter an das von ihm postulierte Grundthema der Wissensproduktion mit einer Werkschau der Künstlerin Agnes Fuchs an. „Robustesse et perfection“ betitelt Fuchs ihre Ausstellung, mit der die Beständigkeit und Präzision technischer Geräte aus einer analogen Zeit in einem postdigitalen Zeitalter an Relevanz gewinnt und Fragen nach unterschiedlichen Bildpolitiken und Medienwelten aufgegriffen werden. Der Titel der Ausstellung entstammt einer Anzeige für eine Radiomesse im Pariser Grand Palais 1936, bei der die Firma Pathé ihre neuesten Modelle präsentierte. Diese befand sich auf der Rückseite des Magazins „L’Illustration“ und liegt versteckt auf einem Tisch inmitten anderer Archivalien-ähnlichen Schriften, Bildern und Illustrationen aus einer mittlerweile verblichenen Technik- und Designgeschichte des vorigen Jahrhunderts.        


Fuchs gestaltet ihre Ausstellung als eine Art Schauraum, bei der die eigentlichen Raumwände ihrer Display-Funktion enthoben werden und sich dafür im Raum flexible Wände nach dem Konzept von Josef Dabernig befinden und trennend bzw. verändernd wirken. Collagen am Boden lehnen schräg an die Wand, während an einem Stangensystem vier Malereien in zwei Ebenen angebracht sind, die ein Kontextfeld technischer Formensprachen im Diagrammstil reaktivieren und postdigitale Bildpraktiken anhand des Mediums per se symbolisieren. Ein sich am Boden befindlicher analoger Sansui Reverberation Verstärker aus Japan mit zwei kugelförmigen Boxen aus den1960er Jahren verstärkt den Pavillon-artigen Charakter der Ausstellung, die in ihrem Display an so manche Expo-Momente erinnert. Soundreverberationen unterschiedlichen Ausmaßes verstärken die Installation im Raum. Der Expo-Charakter wird auch in der Arbeit „Panoramic Display (of Measuring Receiver)“ verdeutlicht, bei der vor einer der mobilen weißen Stellwände auf einem aus Rundeisen gebogenen Sockel die Display-Unit eines Messempfängers über der Leerstelle situiert wird und dabei im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Gewicht schwerelos erscheint.


Die Unaufhaltbarkeit der Technik, die in Kürze nicht nur den Menschen, sondern auch sich selbst überholen und kontrollieren wird, zeigt sich bereits in einer Collage mit einer Ankündigung aus dem Jahr 1967: „Des ordinateurs naissent sous la férule d'autres ordinateurs“ – Computer entstehen „unter der Fuchtel“ anderer Computer. Trotz dem vordergründigen Fokus auf eine analoge Sichtweise der Dinge kündigte sich der Beginn einer digitalen Welt bereits sehr früh an, wodurch Fuchs nicht nur auf Vor- und Nachbilder, sondern auf eine Gleichzeitigkeit von technischen und visuellen Verfahren setzt.  

Agnes Fuchs - Robustesse et perfection
16.03 - 27.04.2018

Kunstraum Lakeside
9020 Klagenfurt, Lakeside B01
Tel: +43-463-22 88 22 11, Fax: +43-463-22 88 22 10
http://www.lakeside-kunstraum.at

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2018 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige