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Oliver Ressler - How to Occupy a Shipwreck: Dem Klima entgegen

Mit seiner aktuellen Ausstellung „How to Occupy a Shipwreck“ in der Garage des Kunst Haus Wien thematisiert OIiver Ressler die kapitalistischen Strukturen im Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten und stellt dabei die Frage, ob sich ein global bedingter Schiffbruch in anthropozänen Zeiten eines menschlich induzierten Klimawandels noch vermeiden lässt. Zu sehen sind vier Filme aus der fortlaufenden Serie „Everything’s coming together while everything’s falling apart”, die aktivistisches Potential als Möglichkeit einer gegenhegemonialen Einflussnahme aufgreifen. Lebensgroße Figuren gekleidet im Stil von AktivistInnen ergänzen dabei die bildliche Ebene im Raum.


Der zentrale und längste Film der Ausstellung bildet den Versuch einer Auseinandersetzung mit der ZAD, einst „zone d’aménagement différé“ bzw. Zone eines sich verzögernden Bauprojekts in der Nähe von Nantes, die von den dort agierenden KlimaschützerInnen in eine „zone à défendre“ umbenannt wurde, einer zu verteidigenden Zone, in der bis vor kurzem noch der seit den 1960er Jahren angedachte, aber heftig umstrittene Bau des Flughafen Notre-Dame-des-Landes beginnen hätte sollen, ein Projektvorhaben, das Präsident Emmanuel Macron im Januar dieses Jahres schließlich für nichtig erklärte. Die jahrelangen Proteste zeigten, wie ein gemeinsames Auftreten unterschiedlicher Gruppierungen für ein und denselben Zweck öffentliche Sichtbarkeit erlangte und einen lokal verankerten Beitrag im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung leistete. So traten etwa im Jahr 2012 an die 40.000 AktivistInnen 1.500 überforderten PolizistInnen gegenüber, die daraufhin das Gebiet nicht mehr betraten und es zu einer autonomen Zone werden ließen. Ressler recherchierte dort im Sommer 2017 und führte mit einigen der lokal ansässigen ProtagonistInnen Interviews für diesen Film, der daraufhin im steirischen Herbst bei < rotor > seine Premiere hatte.


Die drei weiteren, kürzer gehaltenen Filme aus diesem Zyklus widmen sich Protestaktionen im Hafen von Amsterdam, dem zweitgrößten Kohlehafen von Europa, in dem die größte Menge an Kohle aus Kolumbien eintrifft, wo sie unter ökologisch desaströsen Bedingungen abgebaut wird, weiters einer Aktion gegen den Braunkohleabbau in Lausitz bei Berlin, sowie den aktivistischen Handlungen im Rahmen der Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015, während der die Stadt sich jedoch im Ausnahmezustand aufgrund der Anschläge auf den Club Bataclan ein Monat zuvor befand.


In allen Filmen fokussiert Ressler Ausprägungen des „zivilen Ungehorsams“, wie es Henry David Thoreau bereits Mitte des 19. Jahrhunderts treffsicher formulierte. Besonders die kürzeren Filme sind von einer poetischen Narration geprägt, deren Texte in Zusammenarbeit mit dem Theoretiker Matthew Hyland entstanden. Ressler gelingt es dadurch, über das Moment des Dokumentarischen hinauszugehen und auf lyrischer Ebene die Nuancen der Bedeutung eines gemeinsamen menschlichen Agierens gegen die Materialisierung dystopischer Zukunftsvarianten zu ergründen.

Oliver Ressler - How to Occupy a Shipwreck
25.01 - 02.04.2018

Kunst Haus Wien
1030 Wien, Untere Weißgerberstraße 13
Tel: +43 1 712 04 95 0, Fax: +43 1 712 04 94
Email: office@kunsthauswien.com
http://www.kunsthauswien.com
Öffnungszeiten: täglich 10 - 19 h


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