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R. H. Quaytman - An Evening. Chapter 32: Weiblichkeit als Waffe

Die amerikanische Künstlerin Rebecca H. Quaytman zeigt derzeit in der Wiener Secession eine malerische und feministische Paraphrase des Bildes „Die persischen Frauen“ von Otto van Veen aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts.


Das historische Bild ist derzeit in der Ausstellung „Rubens – Kraft der Verwandlung“ (bis 21. Januar 2018) im Kunsthistorischen Museums zu sehen, war doch van Veen ein wichtiger Lehrer von Peter Paul Rubens.


Quaytman erhielt vor einigen Jahren Kenntnis von der Existenz dieses Renaissance-Bildes in der Sammlung des KHM und finanzierte dessen Restaurierung. Im Gegenzug beschäftigte sich die Künstlerin mit dem ungewöhnlichen Motiv der Darstellung.


Zu sehen sind heranreitende Krieger, die am rechten und linken Bildrand von Frauen unterschiedlichen Alters mit angehobenen Röcken und Kleidern empfangen werden. Ihre Geschlechtsmerkmale werden den Soldaten als Protest entgegen gereckt. Nach Plutarch sollen sie die Krieger mit folgendem Satz empfangen haben: "Ihr hofft doch wohl nicht, dorthin zurückzukriechen, woher ihr einst (heraus) gekrochen kamt?"


Die dargestellte Szene bezieht sich auf den Kampf der Perser unter Cyrus gegen die Meder unter König Astyages Führung. Letzterer hatte die Schlacht fast gewonnen und die Perser flohen vom Schlachtfeld in die heimatliche Stadt. Die entschiedenen Frauen stachelten sie mit der für die Soldaten demütigenden Geste an, weiter zu kämpfen.


Quaytman die von der selbstbewussten Geste der Frauen und der Art der Darstellung im 16. Jahrhundert erstaunt war, schuf in der Secession nun eine Art Fries, das auch auf Maltechniken und Länge des Beethovenfrieses Bezug nimmt.


In einem spitzen Winkel von 45 Grad bewegen sich die einzelnen Bildplatten aufeinander zu. Bild für Bild ist an dem Fries montiert. Zu Beginn scheint es eine aufsteigende horizontale Linie zu geben, die sich in den „Platten“ fortsetzt. Am Anfang ist ein mystischer Wald mit durchscheinenden weißen Geist-Wesen zu sehen. Dieses Bild erinnert motivisch an den „deutschen Wald“ von Axel Hütte. Diese bildliche Assoziation hat aber inhaltlich gar nichts mit der Kunst Rebecca H. Quaytmans zu tun. Immer wieder verwendet die Künstlerin linierten oder kleinteiligen schwarzen Pepita-Hintergrund, vor dem sie einzelne Szenen der Renaissance-Darstellung isoliert und befragt.


Es ist ein System der (feministischen) Aneignung eines künstlerischen Themas, das Quaytman hier durchdekliniert. Am Beginn der Ausstellung ist das Originalbild von van Veen zu sehen und der Betrachter kann das gegenwärtige Bildschaffen mit dem historischen Bild in Beziehung setzen.


Elfriede Jelinek schrieb zu dieser feministischen Interpretation einen kurzen Aufsatz – „An und für sich selbst“ – und unterstreicht damit die feministische Analyse dieses Bildtypus.  Die Secession beweist mit dieser Ausstellung Mut in einer extremistischer werdenden Welt, wo Frauenrechte wieder häufiger marginalisiert und tot geschwiegen werden. Weiters ist es die pragmatische Entschiedenheit der Protagonistinnen, die ihnen in der antiken Historie wohl das Leben gerettet hat. So mutig handelnde Frauen bräuchten wir heute mehr denn je.

R. H. Quaytman - An Evening. Chapter 32
17.11.2017 - 28.01.2018

Secession
1010 Wien, Friedrichstrasse 12
Tel: +43 1 587 53 07, Fax: +43 1 587 53 07-34
Email: office@secession.at
http://www.secession.at
Öffnungszeiten: Di-Sa 10-18, So 10-16h


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