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Daniel Knorr - Reduce Speed Now: Das Leben auf der Straße

Die Galerie nächst St. Stephan zeigt Bildkörper und Skulpturen des deutschen Künstlers Daniel Knorr. Die Arbeiten sind alle 2017 entstanden und erinnern an frühere Objekte die bereits 2014 bei Rosemarie Schwarzwälder zu sehen waren.


Daniel Knorr wurde 2017 vor allem durch sein prozessuales Werk auf der Documenta 14 in Athen und in Kassel einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.


In einem Raum der Galerie nächst St Stephan ist eine Fotostrecke von Knorrs Arbeit in Kassel zu sehen. Der Künstler sammelte in den Straßen Athens weggeworfenen Abfall, wie Dosendeckel, alte Stempel, Plastikmüll und Metallteile. In Athen presste er diesen Abfall zwischen Papierseiten und schuf so ein Buch, das er als Kunstbuch verstand und um 80 Euro pro Stück verkaufte. Während dieser situationistische Prozess in Athen schon im April seinen Lauf nahm, verwendete Knorr die Einnahmen aus den Buchverkauf im Juni dazu, den Zwehrenturm des Fridericianums in Kassel mit Rauchmaschinen zu bestücken. Während der gesamten Documenta 14 in Kassel stieg aus dem Turm zwischen 10 und 20 Uhr Rauch auf. Jeder Bürger und Besucher der Stadt musste sich wohl oder übel mit diesem Rauch auseinander setzen, denn er war unübersehbar.


Wie dieser Rauch im Assoziationsfeld des Betrachters gewertet wurde, überließ Knorr bewusst dem Zuschauer. Wichtig ist allerdings zu wissen, dass es in Kassel eine der ersten Bücherverbrennungen im Dritten Reich stattfand, nämlich am 7. November 1938. Es war sozusagen die unheimliche „Generalprobe“ für die kurz darauf folgende Reichspogromnacht.


Der Prozess des alltäglichen Müll-Aufnehmens, der paraphrasiert als Buch in Rauch aufgeht, beschäftigt Knorr auch in den Bildskulpturen die bei Rosemarie Schwarzwälder zu sehen sind. Dabei nimmt Knorr die Oberflächen von vorgefundenen Böden in Kunststoff ab. Diesmal sind es z.B. rund geführte Kopfsteinpflaster, Vertiefungen eines Sandstrandes oder rasterähnliche Muster eines Bodenbelages, die mit Polyurethan ausgegossen werden. Der durchscheinende Werkstoff wird vor lackiertes Stahlblech gehängt und entwickelt dabei eine schwebende Präsenz vor dem entstehenden Farbraum. Der Unterschied zu früheren Arbeiten ist, dass hier das Polyurethan nicht eingefärbt wird, sondern durchscheinend bleibt. Damit hebt sich die Textur des Abdrucks vor der Farbwand besonders hervor.


Knorr zeigt aber auch die irisierenden Verfärbungen von wärmebehandeltem Edelstahl als Skulpturen. Sie lassen den Betrachter etwas irritiert zurück, denn jeder Handwerker, der mit Metall arbeitet, macht die Erfahrung mit den sich verändernden Zuständen des Grundmaterials. Das ist als künstlerische Praxis nicht neu.


Entscheidend ist aber bei dieser Ausstellung von Daniel Knorr die konzeptuelle Idee, das alltägliche Leben auf der Straße künstlerisch abzubilden. Einmal ist es der Müll einer verarmten Gesellschaft, dann ist es der Bodenabdruck des Rinnsteins überhöht im Kontext des White Cube und nicht zuletzt ist es das Verbrennen von Büchern und Menschen wie es im Dritten Reich der Fall war.

Daniel Knorr - Reduce Speed Now
04.11 - 23.12.2017

Galerie nächst St. Stephan
1010 Wien, Grünangerg. 1/2
Tel: +43 1 5121266, Fax: +43 1 5134307
Email: galerie@schwarzwaelder.at
http://www.schwarzwaelder.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa: 11-16h

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