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Korbmöbel - im Alltag und als Design

Sie lassen an Reisen, Freizeit und Entspannung denken, vermitteln das Flair sommerlicher Ostseestrände, exklusiver Hotelterrassen oder nobler Teepartys am Rand von Golf und Tennisplätzen: Korbmöbel. Analog zu den Stilströmungen stellten sie seit dem 19. Jahrhundert die Herrschaft der Tapezierer infrage. Die Entwicklungen und Veränderungen des Korbmöbels im Laufe der Jahrhunderte sind weniger die Geschichte eines bestimmten Möbeltyps, sondern vielmehr eine des Materials. Europäische Blickpunkte wurden ebenso verarbeitet wie Anregungen ferner Länder, etwa Asiatische, die den westlichen Möbelbau beeinflussten. Der angelsächsische Raum und das deutschsprachige Mitteleuropa lieferten dem Korbmöbelbau dabei immer wieder richtungsweisende Impulse. Kaum ein anderes Metier aus dem Bereich gegenständlichen Bildens ist so unabdingbar an die Tätigkeit der menschlichen Hand gebunden wie das des Flechtens. Bei anderen produzierenden Handwerkszweigen setzte der Fortschritt technischer Erfindungen neben das schöpferische Tun der Hand die Möglichkeit der mechanischen und damit multiplizierenden Herstellung. Das Flechten widersetzte sich dem entpersönlichenden Zugriff der Maschine. Über die Jahrtausende hinweg wurde die Ursprünglichkeit bewahrt: weil dieses Material nicht umgewandelt, sondern ganz elementar verarbeitet wird - woran auch geringfügige Eingriffe wie das Spalten der Weidenruten nichts ändern - fehlen ihm alle Voraussetzungen, es der Maschine zu unterwerfen. Auch wenn man viele Exemplare der gleichen Gattung produziert(e), entstanden und entstehen stets Einzelstücke. Ihre Unverwechselbarkeit erhalten Korbmöbel durch die Herstellung selbst, da sich aus der Struktur des Flechtvorgangs ganz organisch und selbstverständlich ein Ornament ergibt. Wie bei keinem anderen Handwerk sind hier Material, Technik, Form und Ornament zu einer a priori gegebenen Einheit zusammengewachsen. Alter Orient & Europa Die ältesten Korbmöbel stammen aus Mesopotamien und dem alten Ägypten. In Europa zeichnete sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein erster Trend zur verstärkten Verarbeitung von Korb im Möbelbau ab. 1666 zerstörte ein Großbrand London fast zur Gänze. Die meisten Bewohner verloren dabei ihre Habe und die Zeit des Wiederaufbaus war von einem massiven Bedarf an neuen Möbeln geprägt. Die schon zuvor modischen, an englische Adelige und Bürgern gelieferten "Cane Chairs", wie die Holzstühle mit Rohrgeflecht bezeichnet wurden, waren auch als Hocker, Liegebetten und Tischplatten und vor allem wegen des günstigen Preises sehr gefragt. Im deutschsprachigen Raum fand das Rohrgeflecht seit etwa 1700 nach englischem und holländischem Vorbild ebenso im Sesselbau Verwendung. Die so genannten "Englischen Stühle", mit hochgezogenen, eingeflochtenen Rückenlehnen, Flechtsitzen und üppigem Schnitzwerk wurden in den ersten drei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts zu einem spezifischen Möbeltyp. In Frankreich kam Rohrgeflecht verstärkt mit dem Régence in Gebrauch. Im Rokoko Mitte des 18. Jahrhunderts war das erklärte Ziel der alle Elemente betreffenden Innenraumkunst, eine gestalterische und farbliche Einheit zu schaffen. Insofern beließ man die geflochtenen Teile an den neu entstandenen Sitzmöbeltypen nicht mehr naturfarben, sondern bemalte sie ebenso wie die farbig gefassten Holzteile. Sitzmöbel mit Rohrgeflecht blieben im Klassizismus, Empire und Regency in Mode, da die Leichtigkeit des Geflechts der jeweils zeitgenössischen Formensprache entgegenkam. Schließlich fand bei den um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Michael Thonet entwickelten Bugholzstühlen Rohrgeflecht erstmals auch für die Sitzflächen von industriell gefertigten Serienmöbeln Verwendung. Vom Stau- zum Möbelmaterial Auf den großen Transportschiffen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts Gewürze und Luxusware nach Europa beförderten, war Rotang als leichtes Staumaterial in Gebrauch, das ein Verrutschen der Ladung zu verhindern hatte. So kam Rotang von Ostasien ins Abendland, ein Material, das der bisherigen Korbwaren und -möbel-Erzeugung wichtige Impulse liefern sollte. Im europäischen Sprachgebrauch bezeichnete man Rotang lange Zeit als "spanisches Rohr", abgeleitet von jenen Häfen, über die diese Pflanze zuerst eingeführt wurde. Vom Hausfleiß zur seriellen Fertigung Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Herstellung von Korbwaren in den ländlichen Regionen - etwa der Habsburgermonarchie - reiner "Hausfleiß" geblieben. Diese Winterbeschäftigung der bäuerlichen Bevölkerung diente dabei der Deckung des Eigenbedarfs und hatte auch keinen organisierten Handel zur Folge. Kleine Mengen wurden auf Jahrmärkten und über Hausierer vertrieben. In Bayern, Frankreich und den Vereinigten Staaten existierte dagegen bereits eine exportorientierte Korbmöbelindustrie. Massenprodukt & Künstlerentwurf Neben den zahlreichen anonymen Massenherstellern ragen jene heraus, die ihre Möbel von renommierten Architekten entwerfen ließen. Allen voran die Wiener Firma Prag-Rudniker, die erstmals 1889/99 bei einer Gewerbeausstellung Korbmöbel präsentierte. Ab etwa 1902 setzte man auf Design, womit man als erster Korbmöbelproduzent der Welt Serienmodelle von Künstlern entwerfen ließ. Zu den Entwerfern gehörte u.a. Hans Vollmer, Wilhelm Schmidt oder Kolo Moser. In Deutschland waren etwa ab der Mitte des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts Henry van de Velde und Richard Riemerschmied auf diesem Sektor führend. Diese Möbel gelten heute alle als Raritäten. Den für das gegenwärtige Korbmöbel rückblickend wohl maßgeblichsten Schritt setzte die nächste Generation, der Mitbegründer des "Rates für Formgebung" und einer der führendsten Architekten Deutschlands der Nachkriegsjahre: Egon Eiermann. Bis dato waren Körbmöbel so konzipiert, dass sie alle über eine Gestellkonstruktion verfügten, die - zwar oft vollständig vom Flechtwerk verdeckt - die Form des Möbels bestimmte. Eiermann strebte einen Typus an, der ohne Hilfskonstruktion, rein aus den Gestaltungsmöglichkeiten des Flechtens heraus entstand. Er griff dabei auf die handwerklichen Erfahrungen der Korbflechter aus Lichtenfels-Michelau zurück. Das Ergebnis war ein quasi einbeiniges Flechtobjekt aus zwei Korbschalen, wobei die innere als Sitzfläche diente. Reinigung von Korbmöbeln Um den Schmutz zu entfernen, verwendet man bei leichter Verschmutzung eine Seifenlauge, bei stärkeren Verunreinigungen am besten eine Ammoniaklösung (100 ml 10%ige Ammoniaklösung auf 8 l Wasser). Die Möbel sind mit einer Scheuerbürste und der jeweiligen Lösung zu bearbeiten. Im Anschluss daran müssen sie wiederum gründlich mit Wasser nachgewaschen werden. Markt? Leider gibt es keinen dezidierten Handelsplatz für Korbmöbel. Meistens sind sie in Jugendstil- bzw. Designauktionen zu finden und ihr Preis richtet sich je nach Rarität. Auktionshäuser www.dorotheum.com www.quittenbaum.com www.christies.com www.sothebys.com Literatur Ottilinger, Eva B.; "Korbmöbel", Residenz Verlag, Salzburg, Wien 1990 "Egon Eiermann - die Möbel", Katalog zur Ausstellung, Badischen Landesmuseums Karlsruhe, 1999

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