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Der Wechselstromdynamiker

Irgendwie sind momentan die technischen Fächer in Mode. Ich mochte sie in der Schule schon nicht, weil es mir immer einfältig vorkam, dass man auf ein bestimmtes Ergebnis kommen musste. Stimmte die Rechnung gab es einen Einser, ging sie nicht auf, stand am Ende eine Fünf. Doch jetzt hat mein alter Freund Rüdiger, der als Galerist nach dreißig Jahren aus dem Gröbsten heraus ist, einen Privatlehrer in Mathematik. Die Frau Ministerin Gehrer gibt im Museumsquartier-Heft ihrer Freude Ausdruck, dass der Math.Space boomt. Die Leute rennen zu Leonardo, auch wenn kein einziges Gemälde, dafür aber irgendwelche Grafik von Luftpumpen und Steinschleudern zu sehen ist. Und Marko Lulic denkt sich als Künstlerbuch eine Hommage an Nikola Tesla aus. Unter diesen Auspizien war es klar, dass ich den Eh-Schon-Wisser heraushängen ließ, als man mir sagte, der dritte Band der Bawag Foundation Edition hätte etwas mit Tesla zu tun. In Wirklichkeit wusste ich überhaupt nichts, nichts von dem 1856 geborenen Provinzler aus dem serbisch-kroatischen Grenzgebiet, der es über den Widerstand seines Vaters, der als orthodoxer Pope wirkte, über Graz und und Prag nach New York brachte, der dort mit einem 1884 als Patent angemeldeten Wechselstromdynamo reüssierte, der, von Westinghouse und Pierpont Morgan finanziert, sich zum Gegenspieler Edisons aufwarf, der Projekte ersann, die sich immer deutlicher in die Ambition um nicht zu sagen Obsession verstiegen, der 1891 Amerikaner wurde und schon in der Micropedia-Version der Encyclopedia Britannica für sein Leben und Streben drei Spalten bekommt, die hiermit in Kürze referiert worden sind. Lulic stellt diesen Tesla vor, und er rankt um seinen Vorfahren, der aus der ganz gleichen Ecke gekommen ist, um die Welt zu erobern, zusätzlich alles mögliche an Pop-Kultur: eine amerikanische Band eben dieses Namens, Laurie Anderson oder fiktive "Tesla Letters" aus der Feder keines geringeren als Markus Wailand. Tesla passt zu Lulics künstlerischer Strategie, die sich sehr dezidiert allem Ex-Jugoslawischen verschrieben hat. Tesla ist offenbar auch Kult. Und er hat darüberhinaus ein bemerkenswertes Leben hinter sich gebracht. Lulic hat mir Tesla nun näher gebracht. Wie sagte schon Donald Judd: "A work needs only to be interesting." Marko Lulic Tesla 21, Wien, 2003 Hrsg. von der BAWAG FOUNDATION 112 Seiten, 260 Abbildungen Text englisch/serbisch Auflage: 1500 ISBN 3-9501578-2-4 EURO 20,00 Bestellung: www.bawag-foundation.at

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