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Der feine Schimmer. Zu Pfau und Perlmutt im Jugendstil: Hommage an eine Glanzzeit

Die Kunsthalle Mannheim hatte es in der Vergangenheit schon einmal geschafft, mit einem Ausstellungstitel den Begriff für eine Kunstströmung zu prägen. „Neue Sachlichkeit“ war 1925 der Titel mit dem Gustav Friedrich Hartlaub „Die Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“, so der Untertitel, zusammenfasste. Mit „Der feine Schimmer“ dürfte diesbezüglich kein Blumentopf zu gewinnen sein, auch mögen Pfau und Perlmutt als gemeinsames Ausstellungsthema vorerst etwas schräg anmuten, selbst wenn man sie zeitlich im Jugendstil verortet. Dennoch es ist eine klug konzipierte wie prächtige Schau daraus geworden. Sowohl der Pfau als Motiv wie auch Perlmutt als Material können sich kulturhistorisch auf eine Jahrhunderte währende Tradition berufen. Der Pfau, zumindest die männliche Vertreter der Spezies, vermitteln mit ihrer langen in blau-, grün- und metallisch glänzend erscheinenden Schleppe einen majestätischen Eindruck. Die bildnerische Umsetzung des Ziervogels, der sein Schwanzgefieder auch noch zu einem großflächigen Rad ausbreiten kann, bot besondere künstlerische Herausforderungen wie Möglichkeiten, die sich bis zum Flächen deckenden Ornament fortsetzten lassen, Pfauenauge im Rapport sozusagen. Der Werkstoff Perlmutt, das Innere des Gehäuses von Muscheln und anderen Mollusken verdankt das farbige Changieren einem optischen Effekt, der dadurch zustande kommt, dass bei der Überlagerung von Lichtstrahlen auf der Oberfläche bestimmte Teile des Lichtspektrums gelöscht werden. Kunsthandwerk sowie Gegenstände des alltäglichen Lebens erfuhren ihre optische Veredlung durch das Material, auf Gläsern wie Keramik erzielte man den irisierenden Effekt hingegen durch chemische Reaktionen mittels Dampf oder spezielle Glasuren. Besonders im Jugendstil liebte man diesen Schimmer, womit wir wieder in Mannheim wären. Als der Bau des Architekten Hermann Billing 1907 eröffnet wurde, ging die erste Schau unter „Raumkunst-Ausstellung“ in die Geschichte ein. Kein Defilee an Kunstwerken, keine strenge Ordnung nach Nationen vielmehr ein Parcours, der zum Flanieren durch thematische Räume einladen sollte. Die Vielfalt des Dargebotenen war enorm und entsprechend der Zeit legten die Wiener einen starken Auftritt hin. Josef Hoffmann gestaltete den Raum, in dem Klimts goldene Adele, das Bildnis Fritza Riedler und die „Drei Lebensalter der Frau“ ihren Auftritt hatten. Schon deshalb ließe sich eine Rekonstruktion der damaligen Ausstellung nicht durchführen, muss auch nicht sein. Es ergibt sich mit der damaligen Konzeption ein veritabler Leitgedanke. Vorgarten, Bibliothek, Modernes Leben, Vantiy Room und Winterreise geben nun Raum für Raum das Motto vor. Daran knüpfen sich die Exponate: Von der kleinen Krawattennadel bis zum Bugatti samt beleuchtbarer Kühlerfigur von Lalique, vom intarsierten Koloman Moser Armlehnsessel aus der Sammlung Ploil bis zum „Pfauenweibchen“, einem Titelentwurf für die Zeitschrift Jugend von Leo Putz, reihen sich in losen aber schlüssigen Zusammenhängen die Objekte zu einem kurzweiligen Arrangement, in dem das ungleiche Pendant Pfau und Perlmutt dann doch einleuchtend ihre Rechtfertigung erlangen und einmal sogar beinahe zueinander finden. In einem Universallexikon der Kochkunst aus dem Jahr 1897 kommen sich das stolze Federvieh und die Molluskel dann doch noch erstaunlich nahe. Mit gleich drei Rezepten für gebratenen Pfau kann das Buch aufwarten: englische Art, französische Art und ausgerechnet „schwäbisch“. Zum gegarten Vogel reicht man hierfür die Bratensauce, feines Kompott oder aber Austernsauce...
Der feine Schimmer. Zu Pfau und Perlmutt im Jugendstil
25.09.2015 - 17.01.2016

Kunsthalle Mannheim
68165 Mannheim, Friedrichsplatz 4
Tel: +49 621 293 6423
Email: besucherservice@kuma.art
https://www.kuma.art/
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Mi 10-20


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