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Bühne

„Die Prozesse des Zitierens, Exzerpierens, der Rahmung und des Auf-die-Bühne-Stellens, die die Strategien der Arbeiten ausmachen, die ich hier diskutiere, machen es notwendig, neu über Repräsentation und ihre Ebenen nachzudenken. Unnötig zu sagen, dass wir hier nicht nach Quellen oder Ursprüngen suchen, sondern nach den Strukturen von Bezeichnung; unterhalb jedes Bildes gibt es immer schon ein anderes Bild.“ Das ist die zentrale Passage des für mich bedeutendsten Stückes Kunstkritik überhaupt. Douglas Crimps „Pictures“ war der Begleittext zur gleichnamigen Ausstellung in der New Yorker Produzentengalerie „Artists Space“, die im Herbst 1977 die Karrieren von Cindy Sherman und Robert Longo, von Sherrie Levine, Jack Goldstein und Troy Brauntuch auf den Weg brachte. „Underneath each picture there is always another picture“, so Crimps Generalthese im Original, bei dem die Präposition „underneath“ viel mehr meint als ein schlichtes Darunter. Installation view of Pictures, Artists Space, 1977, Foto: D. James Dee Im Baseler Museum für Gegenwartskunst geben sie, kuratiert von Sören Grammel, gerade die Ausstellung „Von Bildern. Strategien der Aneignung“. Anhand vieler der Helden von damals lässt sich nachvollziehen, wie recht Crimp hatte mit seinen programmatischen Ausführungen. Vier Verfahren, sagt Crimp, seien für das „Underneath each picture“ verantwortlich: Quotation, Excerptation, Framing und Staging. Natürlich greifen die vier Methoden ineinander, doch der letzte Punkt, das Staging, das Auf-die-Bühne-Stellen verdient gerade für unsere Gegenwart drei Jahrzehnte später eine gesonderte Bemerkung. Ausstellungsansicht „Von Bildern“, Kunstmuseum Basel, 2015, Julian Salinas Ein wichtiges Argument in Crimps Darstellung wird von der Performance geliefert, die eine Art Kulisse spannt für die Auftritte seiner Artisten. Allesamt hatten sich die Künstler der Ausstellung seinerzeit wieder ins Karree des Bildformates gefügt, doch wenn Cindy Sherman sich für ihre Untitled Film Stills“ fotografierte hatte oder Robert Longo Musiker-Posen nachstellte, dann war das Auf-die-Bühne-Bringen mitenthalten. Performance sei, so Crimp, nur noch eine spezielle Erscheinungsform künstlerischer Theatralik, „just one of a number of ways of staging a picture“. Dieses „Staging a picture“ ist vielleicht insgesamt die Antwort der wieder bildhaften, an Pop und Massenkommunikation orientierten Kunst der letzten Jahrzehnte. Die Bilder vervielfältigen sich mehr denn je, schillern, facettieren und falten sich auf, um doch wieder in eins zu fallen, in das Eine zu fallen des vorgeführten Werkes. Doch deutlicher als früher scheinen sie darum zu wissen: Die Bilder, die immer andere Bilder bei sich tragen, sie mitnehmen und sich fortreißen lassen, sie legen dabei nunmehr einen Auftritt hin. Sie stehen auf der Bühne und die Künstler, die sie präsentieren, stehen nicht minder auf der Bühne. Es ist das am Spektakel Orientierte, das Performance-hafte, das Performative, das sie dabei, man könnte sagen: bei Laune hält. Heute mehr denn je. www.kunstmuseumbasel.ch

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