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Berufszweig

„Daniel Richter ist einer der erfolgreichsten Maler der Gegenwart – doch seinen Berufszweig hält er auf Abstand“: So steht es im Vorspann des Interviews, das das Magazin der Süddeutschen Zeitung an diesem Freitag publiziert. Den Rahmen des Gesprächs setzt natürlich die PR-Tauglichkeit des Künstlers, und dass die Unterhaltung mit dem Promi-Interviewer Sven Michaelsen sich eher weniger um Richters Werk als um dessen Vergangenheit und dessen Gegenwart in diversen Halbwelten dreht, ist vorhersehbar. Michaelsen hat auch schon Claudia Schiffer intime Details entlockt. In dieser Sphäre scheint er zuhause. Der Kunstbetrieb gehört für ihn dazu. Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de Nach mancherlei Erinnerungen an Neonazi-Szene und kleine Diebereien steuert das Gespräch auf die Frage zu, die Michaelsen offenbar für die einschlägige hält: „Ist es ein moralischer Konflikt, Teil einer semikriminellen Sphäre zu sein?“ Richter antwortet, wie im Rest des peinlichen Unterredung auch, mit aller ihm zu Gebote stehenden Distanz: „Als jemand, der dem Semikriminellen nicht grundsätzlich negativ gegenübersteht, müsste ich sagen, ich finde diese Praxis gut. Stimmt aber nicht, weil es eine Form von Kriminalität ist, die ich langweilig finde“. Richter geht, mit anderen Worten, auf die Unterstellung ein. Es gibt in der Tat, in den Begriffen des Fragenstellers, „Insiderhandel, Preismanipulation, Kartelle“. Dass darin, wie Michaelsen insinuiert, die Essenz das Kunstbetriebs läge, ist eine Frechheit. Ist, um in der Logik des sensationsgeilen Spielchens zu bleiben, das SZ-Magazin, weil es sich als Publikationsorgan schlechterdings in der Nähe von „Bild“, „Krone“ oder gar „National-Zeitung“ aufhält, seinerseits zumindest halb rechtsradikal? Und ist Daniel Richter, weil er den gesammelten Hinweisen des Interviewers auf Hirst, Koons oder Pinchuk mit deutlicher Gelangweiltheit begegnet und also nichts dementiert, eine Art Zeuge der bodenlosen Anklage? Jedenfalls ist die Veranstaltung eine Self-Fulfilling Prophecy der Art von Untergriffigkeit, für die der Interviewer steht: Wenn sich ein Künstler für ein solches Gespräch hergibt, muss schon was dran sein am Mafiosen des Berufszweigs. Wie kommt nun unsereiner, der sich ebenfalls im Kunstbetrieb aufhält, dazu, sich ins „Semikriminelle“ verfügen zu lassen? Wie kommen seriöse Künstler dazu, sich zu Komplizen von Machenschaften machen zu lassen, die einen, wie der Journalist es nennt, andernorts „ins Gefängnis bringen“ würden? Die meisten, die allermeisten im Kunstbetrieb machen in aller Konzentriertheit und mit allen Skrupeln, die das Metier mit sich bringt, ihre Arbeit. Vielleicht sollte man das – aller Figuren, die in letzter Zeit zur Genüge genannt worden sind, zum Trotz – jetzt herausstellen. Vor allem auch dadurch, dass man das VIP-Schranzentum gewisser Magazine boykottiert.

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