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Loop - Alles auf Anfang: Lustvolle Endloschleifen

Vor mehr als zwanzig Jahren dachte sich Raimund Kummer, Künstler aus Berlin, für die Stadt Regensburg die Geschichte mit dem Tanklastzug aus, der die verwinkelten Gassen des Altstadtrings entlang kreisen sollte, der sich immer und immer wieder an den Erkern und Engpässen vorbei und über Kopfsteinpflaster und Haarnadelkurven hinweg drängen sollte, millimetergenau und dem mittelalterlichen Gemäuer völlig widersinnig, solange jedenfalls, bis der Stau, den er durch seine schiere Unförmigkeit erzwingen würde, genau vor die eigene Kühlerhaube reichte. Der Sattelschlepper und der Verkehrskollaps wären eine gigantische Katze, die sich in den eigenen Schwanz beißen würde. Müßig anzumerken, daß das Projekt nicht genehmigt wurde. Kummers Projekt sieht nichts anderes als eine auf urbane Dimension hin ausgerichtete Endlosschleife vor. \"Loop\" betitelt und auf White-Cube-Format reduziert, ist dieses Prinzip jetzt Thema einer gelungenen, von Klaus Biesenbach, dem Leiter der Kunstwerke Berlin besorgten Präsentation in der Hypo-Kunsthalle. Noch nie in den fünfzehn Jahren ihres Bestehens war das Haus so avanciert, so angefüllt mit allerjüngster Produktion. Wie sich an Kummers Konstruktion leicht ersehen läßt, haben Endlosschleifen etwas höchst Unterhaltsames (Kummer selbst ist übrigens nicht dabei). Und so sind die Videos eines Rodney Graham (der schon auf der 97er Biennale mit seiner Robinsoniade für viel Vergnügen sorgte), von Marijke van Warmerdam (deren rotierende Kamera einem Menschenkreis entlang bereits in der Wiener Secession lustvoll der Kreisbewegung frönte) oder von Aernout Mik (der Demonstranten zeigt und Ordnungskräfte, die sie wegbefördern sollen, aber sich auf heillose Weise mit ihnen mischen) permanent erheiternde Entblößungen des Prinzips Narzißmus. Nedko Solakov läßt zwei Anstreicher Hand an die Wände der Kunsthalle legen: Einer zieht seine Bahnen mit weißer, der andere mit schwarzer Farbe, und über die Dauer der Ausstellung hinweg werden die beiden Malernaturen ihr Werk gegenseitig übertünchen. Man mag einwenden, daß die Kunst momentan womöglich anderes zu tun hat, als derlei Selbstbezüglichkeiten durchzuexerzieren. Immerhin aber sind die Freiübungen in reiner, in forcierter Autonomie, wie \"Loop\" sie zeigt, von perfekter Elastizität.
Loop - Alles auf Anfang
12.09 - 04.11.2001

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
80333 München, Theatinerstrasse 8
Tel: +49 (0)89 22 44 12, Fax: +49 (0)89 29 16 09 81
Email: kontakt@hypo-kunsthalle.de
http://www.hypo-kunsthalle.de
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr


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