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Für die Ferien

Im Wien Museum formuliert Ingeborg Strobl gerade eine wunderbare Hommage an gewisse Orte der Stadt, in der sie seit fast fünfzig Jahren lebt, betitelt „Liebes Wien“. Es sind eher Unscheinbarkeiten, fast Beiläufigkeiten, Plätze wie das Stadthallenbad, Situationen wie die Werkstätte der REMA-Print, Lokale wie das ehemalige Freihaus, denen sie angenehme Aufenthalte verdankt. Nehme ich im folgenden Ingeborg Strobls feine Phänomenologie zum Anlass, meinerseits ein paar Orte zu nennen, mit denen mich, eher im Kleinen als im Großen, eine liebevolle Erinnerung verbindet. Hier also, nicht in Wien, sondern über Europa verstreut, einige Favoriten, gruppiert nach Kriterien, als Einladung an alle sich anderswo Bewegenden. Stelle Auf dem Ponte Vecchio in Florenz. Dem Trubel den Rücken zukehren, sich in die Mitte der Brücke postieren und flussabwärts den Arno blicken. Dort den Ponte Santa Trinità in Augenschein nehmen, nach Entwurf von Michelangelo, von Bartolomeo Ammanati erbaut, die schönste Brücke der Welt. Objekt Der „Stein des guten Glücks“, den sich Goethe nach eigenem Entwurf vor sein Gartenhaus in Weimar setzen ließ. Ein Würfel, darauf eine Kugel, 1775 aufgepflanzt, die Zusammenfassung des Modernismus avant la lettre, nichts als Geometrie und alles beinhaltend, was der Meister später „Symbol“ nennen wird. Sakralbau San Giovanni Crisostomo in Venedig. Am Trampelpfad von Rialto nach Zanipolo, rechts hinein in den kapellenartig kleinen Bau. Dort gibt es drei Altäre, allesamt kurz nach 1500 gesetzt, in der Mitte von Sebastiano del Piombo, rechts von Giovanni Bellini, links von Tullio Lombardo, der Digest der großen Kunst des Venedig der Renaissance. Profanbau In der Picardie, nordwestlich von Amiens, hat sich die Wiener Künstlerin Michaela Spiegel einen Lebenstraum erfüllt und sich ein Schlösschen zugeeignet. Sie nennt es wahlweise Centre Pompadour oder Chateau Lafoute, dort wohnt und arbeitet sie und zeigt ihr Werk in einigen Show Rooms. Vielleicht sollte man einen Besuch anmelden. Museum Wollte ich schon längst loswerden: Das Schmuckmuseum in Pforzheim, situiert in einem perfekten Nachkriegs-Pavillon von Manfred Lehmbruck, das der Natur seiner Exponate gemäß wenig Raum braucht, um Exorbitantes zu zeigen. Wie heißt es bei Michelin: Vaut le voyage. Urbanistik Am Odeonsplatz in München steht die Theatinerkirche mit Fassade aus dem 18. Jahrhundert. Daneben schließt sich das Moy-Palais an, das Leo von Klenze im frühen 19. Jahrhundert erdachte, und exakt der Übergang von den Reliefs und Profilierungen der einen Fassade zur anderen ist eine Sensation en miniature. Klenze wurde von seinem Auftraggeber, dem König Ludwig I, von der Planung der nach Norden führenden Ludwigstraße entbunden, es dauerte alles zu lange. Der Übergang zwischen der Kirche und dem Palais zeigt, dass es sich lohnt, etwas länger zu brauchen. Museumsrestaurant In Newcastle im Norden Englands hat das Baltic seinen Sitz, ein Kunsthaus direkt am Ufer des Tyne, das der Industriebrache ringsum den obligatorischen Schliff verleihen soll. Das hat in der Zwischenzeit ganz gut funktioniert. Vor allem aber lohnt sich ein Besuch im Lokal des Baltic, „Six“ betitelt, nach dem Stockwerk, in dem es sitzt. Wunderbare Küche und wunderbarer Ausblick auf eine Stadt, die nicht unbedingt die großen Points of View zu bieten hat. Reisebuch Wie immer: Wolfgang Hildesheimer. Diesmal: „Zeiten in Cornwall“, ein Trip ins Abgelegene einer Gegend, als sie noch nicht von deutschen Rosamund-Pilcher-Afficionados heimgesucht wurde. Also: Auf keinen Fall Cornwall besuchen; auf jeden Fall das Cornwall-Buch lesen. Schöne Ferien!

Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Ferien
Martina | 28.07.2015 11:02 | antworten
Dank für den intimen Einblick! Die Liste möge kein Vermächtnis sein, sonder sich in Zukunft immer wieder wandeln und aktualisieren. Kurz vor den Ferien auch einmal Dank für die Texte der vergangenen Wochenund Monate. Besonders jener über Yanis Varoufakis, ihm, dem Text, hätte ich ein "Tagesschau Extra" gegönnt. Also gute Erholung und bis bald.

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