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Silber

Beständiges Familiensilber Nicht alles was glänzt ist bekanntlich auch Gold. Silber ist in der Gunst von Sammlern längst gestiegen. Außer der Wertbeständigkeit des Materials überzeugt vor allem der kunsthandwerkliche Aspekt; und ganz nebenbei ist es oftmals günstiger als vergleichbare Neuware. Je nach Geschmack hat man auf dem heimischen Markt die Wahl zwischen Arbeiten des Barock, Biedermeier oder (noch!) erschwinglichem Historismus. Im Gegensatz zu Gold, das den Reichsten vorbehalten blieb, erlangte Silber weitaus größere Verbreitung; schon im späten 18. Jahrhundert verbarg sich hinter dessen Besitz auch eine sichere Wertanlage. Der prunkvolle Zierrat konnte jederzeit gegen ein porzellanenes Pendant eingetauscht oder - um vom Materialwert zu profitieren - eingeschmolzen werden. Punzen kein Kriterium Für die Verarbeitung von Natur aus zu weich, muss Silber - durch Beimengung eines anderen Metalls (zumeist Kupfer) - legiert werden; da es auch in minderer Legierung, also mit hohem Fremdmetallanteil, seine Farbe behält, wurden schon im vorigen Jahrhundert Kontrollen durchgeführt. Ohne den amtlichen Stempel konnte kein einziges Stück offiziell verkauft werden: Beschauzeichen und später Punzen, gaben über den Feingehalt Auskunft; hinzu kam die Markierung des Meisters selbst. Seit jeher, aufgrund der für den Laien oft schier unüberschaubaren Vielzahl von Stempelungen, stellt Silber kein "leichtes" Sammelgebiet dar. Georg Ludwigstorff, Experte des Dorotheums, warnt - "Punzen sind heute kein Kriterium mehr"; die künstlerische und handwerkliche Qualität steht eindeutig im Vordergrund, ist die Punze erhalten - umso besser. Markt Die Sammler verteilen sich auf mehrere Gruppen - u.a. die der Zukäufer, also Laufkundschaft, Fetischisten der Tischkultur oder Spezialisten. Sparbüchsen und versperrbare (Kinder!) Zuckerdosen, als ehemaliges Statussymbol, sind die bevorzugten Terrains. Und hier kann der Preis für ein Stück auch schon mal höher als üblich steigen. Während sich das Preisniveau in Österreich noch im überschaubaren Rahmen präsentiert, driftet der internationale Auktionsmarkt in unendliche Höhen ab; allerdings nur bei qualitativ hochwertiger Ware. Provenienz, Ausführung und Rarität sind hier die Regulatoren. Erst jüngst erzielte Christies dieserart ein Jahrhundertergebnis für ein Einzelstück: die seit Jahrzehnten verschollen geglaubte Suppenterrine in Form einer Schildkröte, von Paul de Lamerie - einem der berühmtesten Silberschmiede Englands - 1750 gefertigt, stieg bei einer Schätzung von umgerechnet 436.000 bis 727.000 Euro auf schier unglaubliche 1,2 Millionen. Für den hauseigenen Experten Anthony Phillips ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis, beweist es für ihn doch die ungebrochene Nachfrage des englischen Marktes an hochwertigen Ausführungen. Insgesamt setzte Christies bei dieser Auktion annähernd 2,8 Millionen Euro um. Von derartigen Umsätzen können hiesige Auktionshäuser - das Dorotheum und "im kinsky" - allerdings nur träumen. Weniger aufgrund finanzschwacher Käufer, denn historischer Ereignisse. Historischer Background Kaum eine andere Kunst war in Österreich derart durch Kriege und wirtschaftliche Krisen belastet, wie die der Gold- und Silberschmiede. Ein Dekret Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts sah zur Aufbesserung der kriegsmaroden Staatskasse groß angelegte Einschmelz-Maßnahmen vor. Schon deshalb zählen vor 1806 entstandene Silberarbeiten heute zu raren und begehrten Sammelstücken. Nur rund drei Prozent blieben - durch Verstecken oder Erkaufen eines Befreiungsstempels - erhalten. Angebot Den ersten Höhepunkt erlebte dieses Kunsthandwerk in Österreich um die Zeit des Wiener Kongress, also dem Biedermeier. Das aufstrebende Bürgertum entwickelte eine besondere Vorliebe für silberne Tafeldekorationen. Durch den stetig steigenden Bedarf florierte in der Donaumetropole alsbald ein kleiner Industriezweig - sowohl durch zugereiste als auch heimischer Meister. Im Gegensatz zum Barock wiesen Silberarbeiten zu dieser Zeit wenig Dekor auf. Klare Formen und Zweckmäßigkeit dominierten und verdeutlichten die Schönheit des Materials. Frühe, bis um 1820 entstandene Arbeiten zählen zum beliebtesten Sammelgut. Für ein Paar Kerzenleuchter sind zwischen 5800 und 8700 Euro zu veranschlagen; Kaffekannen kosten je Stück rund 2900 - noch vor wenigen Jahren, waren sie um die Hälfte zu haben. Arbeiten aus der Zeit von 1835 bis 1860 weisen ein etwas niedrigeres Preisniveau auf. Das so genannte Rosensilber - erkennbar an den barockähnlichen Formen, geschmückt mit opulenten Rosenbuketts - ist weniger rar und damit günstiger. Zu einem der wenig beachtetsten Bereiche zählt Silber des Historismus. Stilistisch überaus reichhaltig, geriet das Handwerk aufgrund starker Konkurrenz seitens industrieller Produktion ins Hintertreffen. Von jenem Frauenkopfsilber - ab 1866 wurde eine Punze mit dem Profil der Göttin Diana verwendet, davor eine Radpunze - erwarten sich Experten zunehmend Preissteigerungen für die nächsten Jahre. Hier empfiehlt sich der Einstieg für Jungsammler: 225-teilige Tafelbestecke für 24 Personen samt Originalkassette sind schon ab 10.000 Euro zu haben, eine passende Tafelsilbergarnitur - bestehend aus 4 großen Saucieren und mehreren Anbietplatten - ist mit 10.000-14.500 Euro veranschlagt. Investitions-Tipp Unabhängig vom Kurs an den Börsen sollte man sich vom kunsthandwerklichen Wert leiten lassen. Wer den Griff nach bleibenden Werten wagen möchte, sich aber nicht gerade heimisch in der Geschichte der Kunst fühlt, sollte sich Experten anvertrauen. Sowohl der renommierte Handel als auch heimische Auktionshäuser bieten hier fachkundige Beratung. Weniger empfehlenswert sind Einkäufe auf Flohmärkten oder im benachbarten Ausland. Die steigende Nachfrage der letzten Jahre blieb nämlich auch bei den Fälschern nicht unbemerkt. Pflege-Tipp Anlaufen: Das Anlaufen von Silber ist ein natürlicher Prozess, der sich nicht verhindern lässt. Die Schnelligkeit ist dabei von der Luftfeuchtigkeit und Schadstoffen in der Atmosphäre abhängig. Gegenstände, die nicht regelmäßig ausgestellt oder gebraucht werden, schützt man, indem man sie in Stoffbeuteln aufbewahrt. Reinigen: Das Silberreinigen ist heute längst nicht mehr so anstrengend wie früher, als es Bediensteten oder dem Butler oblag, Tafelsilber mit Bimsstein, Kalk, Ammoniak zu reinigen oder gar mit dem Daumen bzw. der Handfläche zu polieren ("Butlers Hand"). Heute wird die Pflege von Silber vielfach missverstanden, da etwa Besteck nur dann geputzt werden muss, wenn es NICHT verwendet wird. Bei regelmäßigem Gebrauch entsteht jener samtig-schimmernde, elegant matte Glanz - eben das Gütezeichen echten Silbers. Grundsätzlich sollten heute nur solche Mittel (Tauchbäder, Tücher etc.) verwendet werden, die ausschließlich für Silber gedacht sind (kein Sidol!). Gläserne Rotweinkrüge, Karaffen aus Kristall und Flaschen aus Menagen gibt man am besten in warmes Wasser, in dem man Tabletten zur Gebißreinigung aufgelöst hat ? das ist ein alter Trick. Solche Tabletten reinigen nicht nur Glas oder Kristall, sondern entfernen auch Flecken von den Silbermontagen. Markttipp www.dorotheum.com www.imkinsky.com www.christies.com www.sothebys.com Sonja Reisch, Kunsthandel und Antiquitäten; Stallburggasse 4, 1010 Wien

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