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Hubert Schmalix: Vom Drang nichts zu sagen

„Machte die junge österreichische Malerei international bekannt: Der Grazer Hubert Schmalix, 33, startete in Wien 1977 mit schnellen Erfolgen und arbeitet jetzt an stillen Akten in lichten Farbräumen“, lautete die Bildunterschrift auf der Doppelseite, die dem Künstler 1986 im Wien-Schwerpunkt des Magazins Art gewidmet war. Auch das Titelbild des Heftes ging auf Schmalix zurück, darunter in großen Lettern „Das Kunst-Wunder von Wien“. Und in der Tat, mit der Rasanz, in der alles passierte, wussten die Beteiligten selbst wohl nicht so ganz, wie ihnen geschah. Ehe man sich versah, gehörte die neue Wilde Malerei der 1980er Jahre zum Kanon oder zumindest so ähnlich. Es wurde diskutiert und formuliert, interpretiert und separiert. Und was die Situation in Österreich anbelangt, so gewinnt man nach einer Rundschau in die relevante Kunstberichterstattung von damals den Eindruck, Hubert Schmalix wäre in den Betrachtungen und Vergleichen nicht ohne den Siegfried Anzinger rezipierbar gewesen und umgekehrt. Das ist natürlich Humbug, doch darf man sich nach der Anzinger-Ausstellung im letzten Jahr, dieses Jahr über eine großangelegte Schmalix-Schau im Kunstforum Wien freuen. „Man kann die wilde Malerei nicht ins Endlose fortspinnen: die Revolution ist gelaufen, jetzt muss man wieder Ordnung schaffen“, wird der Künstler im Katalog zitiert. Zwei neue Werkgruppen wurden für die Ausstellung gemalt, einige wenige ausgesuchte Werke, zeugen von dem, was zwischen den frühen Jahren und ihnen entstanden ist. Ordnung wurde in jenen beiden Serien allerdings geschaffen, das muss mitnichten langweilig sein, mischt sich in diese altbewährten Sujets doch stets ein Funken Ironie. Die Landschaften sind klar umrissene Ideale, Archetypen nachgerade, mit Hütte, Wasserfall und Bergmassiv in wunderbar abartiger Farbgebung und bisweilen mit den Maßen von 90x800cm, einem wahnwitzigen Format, eine Rahmung aus kunstvoll geschnitzter Wellpappe tut ihr Übriges. Für die überwiegend großformatige Teppich-Serie greift Schmalix in bereits bewährter Weise auf nackte Frauenkörper zurück. Vor dem Fond farbig kräftig-prächtiger Teppichmuster, räkeln sich die Akte, scheinen zu fallen oder posieren stehend. Mit Pornographie haben diese Nackten weniger zu tun als mit den Topoi der Kunstgeschichte. Klassisch sollten sie aussehen die Werke, so meint der Künstler, „damit das Bild auch wie ein Bild aussieht“. Schmalix ist sich durchaus bewusst, dass ab einer gewissen Größe Leinwände dazu tendieren, dekorativ zu werden. Es dränge ihn richtig dazu nichts zu sagen und als Dekorateur sieht er sich selbst. Die emotionslose Zeichenhaftigkeit, das Negieren von Narration, Tiefe oder Pinselduktus, dieses Kokettieren mit Kitsch und Kunstgeschichte, dieses völlig uneitle Bekenntnis zur Routine: Schmalix ist irgendwie cool wie seine Bilder.
Hubert Schmalix
06.05 - 12.07.2015

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