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Monet

Gerade widmen sie ihm im Städel eine große Schau. Diejenige des Belvedere ist kaum vorbei. Das Kunsthaus Zürich führt ihn bei “Monet, Gauguin, van Gogh” vorne weg, die Ausstellung, die den Japonismus des späteren 19. Jahrhunderts in den Mittelpunkt stellt, war vorher im Folkwang in Essen zu sehen. In der Bundeskunsthalle Bonn wird das selbe Thema Japanbegeisterung ab Oktober verhandelt, es ist wohl eine andere Präsentation, auch wenn wiederum er das Zugpferd stellt; diesmal der Titel: “Von Monet bis Renoir”. Im Bucerius Kunst Forum in Hamburg ist ebenfalls ab Oktober eine neue Präsentation zu bewundern, hier rundet sein Name die Veranstaltung ab: “Von Poussin bis Monet”. Wem das nicht reicht, kann sich die ständige Ausstellung der Albertina geben: “Von Monet bis Picasso”. Kein Zweifel, we're only in it for the Monet. In der verzweifelten Suche nach ihrem ureigenen Alleinstellungsmerkmal für einen Blockbuster benehmen sich die Kuratoren wie Teenies, die allesamt mit einem Kapuzenpullover von Hollister unverrückbarste Individualität vorzeigen. In ihrer Originalität haben die Museen dann die einzigartige Idee: Monet muss her. Und das Erwartbare tritt ein: Das Publikum pflegt die selbe Originalität und rennt hin: Es gibt Monet. Natürlich gibt man sich auch bei Cézanne oder Manet die Klinke in die Hand. Aber trotzdem the sexiest artist ever ist Claude Monet. Was zeichnet seine Bilder aus? Er macht es den Leuten leicht. Das große Skandalon der Moderne – das Julius Meier-Graefe auf den wunderbaren Satz brachte “Das ganze Elend des modernen Künstlers: zu wollen und nicht wissen, was” – wird einwattiert in Selbstverständlichkeiten. In aller Schlichtheit nimmt Monet Motive, Themen und Sujets ins Visier, die die Frage, was sie im und für das Bild bedeuten, nicht aufwerfen. Claude Monet, Am Strand von Trouville, National Gallery London Er bedient sich Situationen der Normalität: Die Interieurs werden vor Ort erfasst und nicht im Atelier nachgestellt; Wohnzimmer, Salon, Veranda, Park sind identifizierbare Orte selbstverständlichen Aufenthalts, ebenso die Boulevards, die Wiesen und Felder. Er bedient sich Situationen der Marginalität: Die städtische Peripherie wird Bildthema, ein Flußufer, ein Fußweg oder auch ein Gartenstück im Hinterhof. Er bedient sich Situationen der Ephemerität: Die Boulevards sind bevölkert von Passanten, soziale Kontakte beschränken sich auf die zufällige Begegnung, und die Personen, so sie porträtiert werden, sind in ihrer Freizeit oder in der Gewöhnlichkeit alltäglicher Verrichtung erfasst. Insgesamt bedient er sich Situationen, in denen Balance herrscht: Balance ist Spannungsreduktion, und diese Ausgeglichenheit kennzeichnet vor allem das Atmosphärische; das Wetter ist heiter wie die Stimmung, der Wind ist ruhig wie die Beschäftigung, und die Sonne ist ebenso präsent wie von allem Gleißnerischen oder Grellen entfernt. Und alles ist so schön bunt. Die kleinen Welten werden zu der einen großen, überschaubar und in satter Genügsamkeit. Monet zeigt diese Welt nicht in ihrer Einfachheit, schließlich ist er ein Moderner, sondern in ihrer Vereinfachtheit. Simplifizierung, nicht Simplizität: Er liefert Komplexitätsreduktion. Seine Bilder sind eine wunderbare, noch dazu vom Kanon autorisierte Alternative zur Fernsehserie. Crisis? What crisis? Im Sinn ihrer öffentlich-rechtlichen Mission auf Ruhigstellung des Publikums machen es die Museen schon richtig.

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