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Wieder: L'Imbuto

Im toskanischen Lucca gibt es, den Gepflogenheiten des Landes durchaus nicht konform, ein Museum für zeitgenössische Kunst. Dieses gut auf den Begriff „Lu.C.C.A. - Lucca Centre of Contemporary Art“ gebrachte Haus zeigt im Moment eine Schau zu den Macchiaioli, den, grob gesagt, italienischen Impressionisten, wie sie sich von Florenz aus in der Gegend verbreiteten. Eine Ausstellung zum 19. Jahrhundert in einer Institution für die Gegenwart entspricht den Gepflogenheiten des Landes insgesamt schon eher. Der Clou ist sowieso das Museumsrestaurant. Es beginnt nach Schließung des Hauses, besetzt die Säle und das Foyer mit Tischen und Stühlen, und fertig ist das Lokal für den Abend. Und was für eines. Es ist das L'Imbuto, über das ich vor fünf Jahren, als es noch in Viareggio zuhause war, an dieser Stelle berichtet, besser gesagt, geschwärmt habe: artmagazine.cc/content44920.html. Es kam damals auch zur Sprache, dass es auf mysteriöse Weise als Anwärter für einen Michelin-Stern verschwunden war. Nun ist dieses L'Imbuto wieder aufgetaucht. Es steht unter bewährter Leitung des Küchenchefs Cristiano Tomei, es hat einen Umzug 25 Kilometer weiter ins Landesinnere bewerkstelligt und schwelgt seit diesem Jahr unter jenem besonderen Stern, den eine französische Reifenfirma ans Firmament geheftet hat. Das Essen ist super wie eh und je. Hier also die Liste an Köstlichkeiten, die uns vor einigen Wochen serviert wurden. Wir saßen in einem der Ausstellungsräume, umgeben von Bildern eines gewissen Pier Toffoletti, den sie gerade gezeigt hatten. Reden wir aber lieber vom Essen. 1. Shabu Shabu, nur dass statt mit Fleisch mit Fisch gearbeitet wurde; das dafür benötigte Fondue war auf der Basis von Gin, und alles wurde bereits fertig serviert. 2. Ein Hot Dog, die Semmel war ein knuspriger Fladen aus Kartoffelteig, darin lag statt Wurst eine kleine Meerbarbe, italienisch Triglia, begleitet von einem hauchzarten Stück Parmesan, alles zu essen mit den Fingern. 3. Eine Minestra aus Artischockenkraut, darauf rohe Shrimps, begleitet von einem selbst hergestellten Zwiebelpulver; diese Pulver sind insgesamt eine Spezialität des Hauses, sie variiieren von Gang zu Gang, bei Nummer 2. zum Beispiel gab es Kapern-, bei Nummer 1. Lakritzpulver. 4. Ravioli mit einer Füllung aus Olivenöl, darüber gestreut Würfelchen aus Tintenfisch vulgo Seppie. 5. Eine Suppe auf der Basis von Ricotta, begleitet von gegrillten Garnelen. 6. Eine Tagliata aus mariniertem Rindfleisch, ausgebreitet auf einem Stück warmer, rauchiger Kohle aus Pinienholz, dazu statt Pommes frittierte Kartoffelschalen; als Rezept unter „Manzo sulla Corteccia di Pino“ auf der Website nachzulesen. 7. Insalata di Prato, ein Salat mit allem, was sich auf einer Wiese so tummelt, Kräuter etwa und speziell auch Schnecken und Hase. 8. Eine Creme aus Ricotta mit Birnen und Meringen. 9. Minzeis, pur, mit einem Hauch wunderbarem Olivenöl, das insgesamt die Seele der Gerichte ausmacht. 10. Eine Panna Cotta, angereichert mit Bier. Ravioli ripieni di olio d’oliva, seppie scottate e polvere di cavolo nero – L’imbuto Zwei Antipasti, drei Pasta-Gerichte, zwei Haupt-, drei Nachspeisen: Das gab es im Vergleich zu vor fünf Jahren zum selben Preis von nicht billigen, aber sensationell günstigen 60 Euro. Dass es gemessen an damals ein Gang weniger war, fällt bei deren zehn nicht so sehr ins Gewicht. Und vor allem nicht angesichts der Qualität, die mindestens gleich geblieben ist. Eine Website hat L'Imbuto inzwischen auch. Wir waren übrigens dann gleich nochmal dort. www.limbuto.it

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