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Jahresrückblick 2014

Ausstellungsinstitut des Jahres Die Frankfurter Trias Städel-Liebieghaus-Schirn. Wie sich die drei Häuser unter der Direktorenschaft von Max Hollein die Bälle zuwerfen, Exponate lukrieren und zu Gesamtdarstellungen fügen, ist von schöner Raffinesse (und sicher auch von herzhafter Kulturpolitik). Nach der Verismus-Schau des Liebieghauses ist der Mechanismus jetzt im Städel bei „Fantastische Welten“ zu bewundern, einer fabelhaften Präsentation zu Kunst in Deutschland nach 1500. Mittelmaß des Jahres Lina Bo Bardi in der Münchner Pinakothek der Moderne. Sie war eine wunderbare Architektin, das Wenige, das sie baute, ist exquisit und von perfekter Zeitgeistigkeit. Dass die Ausstellung des Architekturmuseums der TU, die alles Revue passieren lässt, ihre Protagonistin aber in Watte packt und so tut, als wäre da zwischen italienischem Faschismus und brasilianischer Militärdidaktur überhaupt nichts gewesen als ein paar gelungene Häuser, ist nichts anderes als Heuchelei. Aufsteiger des Jahres Oskar Schlemmer in der Staatsgalerie Stuttgart. Man kann vom Bauhaus-Kombattanten und Art Deco-Mitstreiter halten, was man will. Siebzig Jahre nach Schlemmers Tod ist es jetzt endlich möglich, sich seine Haltung immerhin selbst zu erarbeiten. Die Erben haben nichts mehr zu melden. Künstler des Jahres Gregor Schneider. Im Sommer hat er die Synagoge in Stommeln auf das Normalmaß deutscher Hausbesitzer-Tristesse zurechtgestutzt. Dann sorgte er in Duisburg für Aufruhr, als sein Projekt „totlast“ von der Stadt storniert wurde. Jetzt hat Gregor Schneider an das Geburtshaus von Joseph Goebbels Hand angelegt, der wie er selbst aus Rheydt stammt: Die Banalität des Bösen, hier ist es Eigenheim geworden. Wie es aussieht, wird Schneider auch nächstes Jahr sehr präsent sein. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum Velázquez im Kunsthistorischen Museum in Wien. Wann kriegt unsereiner schon feuchte Augen, wenn er in einer Ausstellung steht? Hier, im Defilee von Dingen, denen man nicht zutraute, dass sie sich jemals gemeinsam zeigen. Allein der „Wasserverkäufer“ aus dem Apsley House ist eine Interkontinentalreise wert. Ausstellung des Jahres in einer Galerie Franz Ackermann bei White Cube in London. Eigentlich sind die „South Galleries“, die neue Liegenschaft von Jay Joplings Galerienkonsortium in Bermondsey, von unerträglichem Protz und Prahlerei. Doch inmitten der vielen Tausend Quadratmeter gibt es einen Kubus im White Cube, neun mal neun mal neun Meter, und den hat Franz Ackermann bespielt: mit Tafeln, in denen er seinem Parade-Thema Stadt und ihre Komplexität an einem Ort Präsenz verleiht, der das aufs Eindrücklichste verkörpert. Flop des Jahres Manifesta. Seit dem Frühjahr zieht sich das Thema hin. Seit Herbst ist die Manifesta 10 in Sankt Petersburg glücklich beendet. Und sicher noch viele Jahre steht das Problem im Raum, dass der Kunstbetrieb es nicht lassen kann, dissident und skrupulös und transgressiv zu tun, um sich doch mit jedem Autokraten ins Bett zu legen. Kurator des Jahres Thomas Trummer. Der war das schon mal, Kurator des Jahres, bei meinem ersten Jahresrückblick 2001. Jetzt hat Thomas Trummer die Kunsthalle Mainz in die Aufmerksamkeit der Gegenwartskunst gerückt, mit zuletzt Präsentationen zu den zerstörten Gesichtern des Krieges und der Kombination von Ed Atkins und Bruce Nauman. Ein wenig unvollendet ist sein Projekt, doch lockt jetzt Bregenz. Und es locken die Kolumnen auf artmagazine.cc.

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