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Georg Herold - son of mom: Stirn und Runzeln

Auch wenn es besser geworden ist in den letzten Jahrzehnten, so direkt etwas zum Lachen ist die Kunst nicht. Im Gegenteil, es geht nach wie vor bier-, oder besser bioernst zu, und wenn man sich Anschauungsunterricht diesbezüglich geben lassen wollte, konnte man gerade in einer Ausstellung wie "Lieber Maler, male mir" in der Kunsthalle Wien, die sich ja dem Witzigen verschrieben hatte, einiges nachholen. Wenn es immerhin besser geworden ist in den letzten Jahrzehnten, dann hatten daran ein Galerist, seine Chuzpe und seine Clique, gehörigen Anteil. Georg Herold war Bestandteil der Crew um Max Hetzler und so hat die Menschheit ihm eine Arbeit zu verdanken, die schlicht zum Besten des humorigen Schaffens aller Zeiten gehört. Zwei Latten lehnen an der Wand, eine etwa zwei Meter lang, die andere bestenfalls ein Fünftel davon. Beide sind beschriftet. Auf der langen Latte steht: "Goethe". Auf der kurzen steht: "Irgendein kleiner Scheisser". Manche Arbeiten sind so gut, dass ihre Qualität nicht einmal von einer Beschreibung zunichte gemacht wird. Nun lässt sich in der Galerie Senn verfolgen, was Herold in letzter Zeit eingefallen ist. Die Ausstellung ist streng in Schwarz-Weiß gehalten bzw. in Holzfarben, denn Lattenkonstruktionen gibt es nach wie vor. Lachen kann man auch, speziell bei der Folge von DVD-Tapes, die Herold in einer zentral postierten Vitrine vorführt; die Aufnahmen zeigen den Künstler, wie er sich, ganz DDR-Sprössling, im Stechschritt übt. Dazu präsentiert sich Herold auch auf Fotos, wie er mit seinen Lattengestellen abstruse Wurf- und Haltemethoden durchexerziert. Doch ist es eher seltsam als sensationell. Wenn es nach wie vor Lustiges gibt, so zeigt es sich weniger in einer Ansammlung von Spitzenstücken als in einer Art Grundton, einer Atmosphäre des Komischen, die auf die Arbeiten eher übergreift als von ihnen ausginge. Es ist ein Punkt fixiert, an dem das Ganze auch ins Melancholische umspringen könnte, und so gesehen ist der Zusammenklang der Exponate zu einer Gesamtschau nahezu perfekt. Die Qualität läuft horizontal, nicht vertikal. In diesem Sinn zeigen einige Fotos in Nahaufnahme die parallel gelegten, tief in die Epidermis eingefruchten, Denkanstrengung andeutenden Falten auf des Künstlers Haupt. Herold hat nach wie vor die Stirn, sie zu runzeln.
Georg Herold - son of mom
10.04 - 24.05.2003

Gabriele Senn Galerie
1040 Wien, Schleifmühlgasse 1 a
Tel: +43 1 585 25 80
Email: office@galeriesenn.at
http://www.galeriesenn.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17h, Sa 11-14h


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