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Siggi Hofer - WOOF 1970 - 1992 u. 2014: Die unbeirrbare Struktur beredten Schweigens

Der Titel von Siggi Hofers Ausstellung WOOF 1970 – 1992 u. 2014 ist verwirrend. Und das ist seine Absicht. Die Irritation ist eine von Siggi Hofers grundlegenden Strategien, die er lustvoll ausspielt; zum Beispiel im angesprochenen Titel, denn die Jahreszahlen sind eine Kombination aus Werkbezeichnung und Datierung. Die im langgestreckten Raum der Galerie zur linken Seite ausgestellten Werke sind mit 1970 bis 1992 benannt und stammen sämtlich aus dem Jahr 2013, während 2014 das Jahr der Entstehung der gegenüber präsentierten Werkgruppe ist. Die einzelnen Titel der pseudo–retrospektiven Reihe 1970 –1992 beziehen sich auf diese vergangenen Jahre, beginnend mit Siggi Hofers Geburtsjahr 1970 und endend mit 1992, wobei das im Ausstellungstitel angekündigte Exponat 1992 tückischer Weise nicht präsent ist. Die Serie ist Siggi Hofers Versuch einer Annäherung an die Gegenwart – in einem Tempo, mit dem er diese nicht nur einholen, sondern potentiell auch überholen könnte. Er exerziert dies jeweils in einer Endlosschleife, die sich sprichwörtlich innerhalb eines Rahmens bewegt. Die anfänglich ausgeglichene Balance der schlangenförmigen Bahn in den ersten Beispielen (bis 1974) verdichtet sich in Folge zu einem kompakten Knäuel (1975 bis 1978), droht dann vibrierend aus dem Gleichgewicht zu geraten (bis 1987) um sich schließlich in entspannter Geometrie aufzulösen (ab 1988). Der Einsatz von ästhetischen Zitaten ist in dieser Serie weniger deutlich als in der 2014 entstandenen Gruppe der Schriftbilder. Wie Siggi Hofer im Ausstellungstitel die Verwendung der Jahreszahlen von einer Bedeutung zur anderen kippt, lässt er im Bild Vieles zwischen Bedeutungskonstanten hin und her wippen. Die Buchstaben sind sowohl verbales Zeichen als auch bildgenerierendes Element. Formal geben sich Eindrücke von Zweidimensionalität und von Dreidimensionalität einen Abtausch. Zitate aus unterschiedlichen Quellen wie Literatur, Songs, Demo-Transparenten und umgangssprachlichen Ausdrücken sind miteinander in Bezug gesetzt. Siggi Hofer montiert die Textfragmente collagenhaft neben- und übereinander, sodass ein neuer Konnex und divergierende inhaltliche Aussagen entstehen, die sich je nach Leserichtung und persönlicher Perspektive erneut verschieben. Einige Bilder umkreisen das Thema Fetisch-Bar. Siggi Hofer invertiert die der Öffentlichkeit verborgene Präsenz dieser berüchtigten Lokale indem er in fröhlichen Farben und großen Lettern ihren Namen ausschreibt, z.B. von SECRET in Moskau, und untergräbt zugleich den buchstäblichen Auftritt von SECRET indem er in derselben formalen Gewichtung die genaue Adresse angibt, sodass dem Schriftzug SECRET die vorrangige Aufmerksamkeit wieder genommen wird. In das AKBAR aus Los Angeles drängt sich ROANER aus Südtirol. Die beiden Komponenten führen quasi einen formalen wie inhaltlichen Diskurs, Farbe gegen Farbe, Adresse gegen Adresse. Ähnlich stellen sich zwei Aussagen in Ohne Titel der Debatte und gegenseitig auf den Kopf: YOUR GRANDMA WAS A PROSTITUE und MY GRANDMA WAS A SAINT. Dialektisch stehen sich die beiden Positionen gegenüber: Auf der einen Seite plakative Behauptungen, auf der anderen mäandrisch–philosophisches Schweigen. Beide Werkgruppen folgen unbeirrt einer Gesetzmäßigkeit, die sich innerhalb der Bildgrenzen abspielt, was dem heterotopen Charakter der Inhalte, dem introvertierten Weiterspinnen des sich schlängelnden Bandes der Serie 1970 – 1992 genauso wie dem der Fetisch-Bar entspricht. Kleine Unexaktheiten durch die Ausführung in Pastellkreide mit simplen Konstruktionsmitteln wie einem kleinen Schild und einem Wasserglas, durch die stehen gebliebenen Hilfslinien in Bleistift und Fingertapser erzeugen eine lebendige Unmittelbarkeit der Bildwirkung. Zusätzlich schummert in der oben argumentierten Doppelbödigkeit eine permanente Bewegung. Sinngehalte leuchten auf, erregen und irritieren den Betrachter – und ziehen sich dann wieder in die stringente formale Struktur zurück, sind dann wieder ganz Bild.
Siggi Hofer - WOOF 1970 - 1992 u. 2014
11.06 - 19.07.2014

Galerie Meyer Kainer
1010 Wien, Eschenbachgasse 9
Tel: +43 1 585 72 77, Fax: + 43 1 585727788
Email: contact@meyerkainer.com
http://www.meyerkainer.com
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-15h


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