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Richard Nonas: Besonders nicht-besonders

Im Dezember 1966 richtete Mel Bochner in New York eine Ausstellung ein, die folgenden Titel trug: "Working Drawings and Other Visible Things on Paper Not Necessarily Meant to Be Viewed as Art". Vom Aufbruch in dieser Zeit ist viel geredet worden. Auch der damals 30-jährige Richard Nonas machte sich seinen Reim auf die Zeit: Er wechselte das Metier. Aus dem Anthropologen, der in Neu-Mexico die Indianer studierte, wurde jemand, der Objekte machte. Ob diese Figurationen als Kunst angesehen werden sollten, war ihm egal. Im Hauptraum der Galerie Winter sind Kanthölzer von eindringlichster Schlichtheit zu Dreier- und Vierergruppen neben- und aufeinandergelegt. Einzelne Scheite, eingekerbt und sparsam bemalt, hängen an der Wand, daneben grobe Zeichnungen von einer Art Vogelmensch. Das Arrangement wirkt je nachdem, was man der Zivilisation zutraut, primitivistisch oder minimalistisch. Die Versammlung ist von offenbarster Evidenz, einfach da, irgendwie selbstverständlich und in aller Archaik ohne fundamentalistische Anmutung. Es ist, was es ist. Es ist, was es ist, und es ist Kunst. Richard Nonas` Arbeit stellt unter Beweis, dass es der einen Notwendigkeit, die Bochners Ausstellung seinerzeit nonchalant in Abrede stellte, gerade bedarf. Es lässt sich also etwas lernen in dieser Präsentation,und die Botschaft lautet einmal mehr, dass die 68er sich getäuscht haben. Man muss mit aller Notwendigkeit als Kunst sehen, was hier ausgebreitet ist. Erst, wenn man es als Kunst sieht und damit Besonderheit in die Dinge gelegt hat, ist man bereit, die Nicht-Besonderheit dieser puren Balken und kruden Behandlungen zu würdigen. Es liegt ein Statement aus, in dem Richard Nonas über "Some Art" nachdenkt, die ihm wichtig ist, die ihn anrührt und aufregt. Nonas selbst nimmt das "Some" im Titel zentral. Doch es ist das andere Wort, das dem Gezeigten den Anker auswirft. Nur als "Art" wird das Ausgebreitete von besonderer Art.
Richard Nonas
14.03 - 03.05.2003

Galerie Hubert Winter
1070 Wien, Breite Gasse 17
Tel: +43 1 524 09 76, Fax: +43 1 524 09 76 9
Email: office@galeriewinter.at
http://www.galeriewinter.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa 11-14h


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