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Kunst/Architektur

Raum, Wahrnehmung, Evokation: Darum, so heißt es in der Broschüre, dreht sich die Präsentation, die gerade in der Royal Academy in Londons Piccadilly zu bewundern ist. Begeistert sind alle, die Besucher und die Kritiker, und es ist in der Tat ein wunderbares Stelldichein, das die sieben eingeladenen Büros hier zelebrieren. Es sind Büros, Architekturbüros, es wird begleitend darüber informiert, wo sie beheimatet sind, wer sie gegründet hat oder wieviele Mitarbeiter momentan tätig sind – all das, was man wissen will auf dem Tableau der Konkurrenz, denn Bauen heißt Wettbewerbe Gewinnen. Jeweils einen Raum des Erweiterungsbaus, wie er im 19. Jahrhundert an das Stammhaus der Academy, Lord Burlingtons Gründungsurkunde des Neo-Klassizismus, angehängt wurde, haben die sieben zur Verfügung. Sie bringen ihn auf ihre Art zur Kenntlichkeit. Pezo von Ellrichshausen aus Chile haben Treppenspindel und Rampe aufgetürmt, die zu einer Plattform führen, von der aus man das Glasdach in der Froschperspektive gewahrt. Li Xiadong aus China hat ein Labyrinth eingestellt, dessen Wände sich, wie man es aus seinem Signaturbau, der Liyaun Bibliothek kennt, aus Zweigen aufbauen. Kengo Kuma ist der japanischen Tradition treu geblieben und hat ein fragiles Gemenge aus Gräsern in die Dunkelheit hineingeflochten, zittrig beleuchtet, nur zu besuchen im schweigenden Wissen um den Störfaktor, den man darstellt. „Sensing Spaces“, so der Titel der Schau, ist in der Tat so etwas wie der gemeinsame Nenner. Unter www.royalacademy.org.uk ist alles aufgelistet, auch die restlichen vier, die nicht minder zeigen, was sie können. Installationsansicht Diebedo Francis Kere Foto (c) Royal Academy of Arts, London, 2014. Fotograf: James Harris. Stellt sich die Frage, was daran Architektur ist, Architektur jenseits der Etiekttierung oder der Ausbildung und Selbst-Deklaration ihrer Planer. Die Location ist einer der traditionellsten Orte für Kunst überhaupt, das Ambiente ist klassischer White Cube, und der Modus der Präsentation ist längst gut abgehangen als Installation. Raum, Wahrnehmung, Evokation gibt es seit Jahrhunderten als spezielle Sensibilitäten, die einem die bildende Kunst abverlangt, und die brachialste und immer noch triftigste aller Definitionen von Architektur, nämlich dass es nicht hereinregnet, wird souverän an den Veranstalter delegiert. Funktion, das alte Zauberwort, ist längst perdu, denn die Autonomie des Gezeigten als purem Träger von Imgination ist ja gerade verantwortlich für die allgemeine Akzeptanz der Ausstellung. Oder sollten wir den Modellbegriff heranziehen, die postmoderne Alternative zum modernen Funktionalismus? Dann ist das jetzt Präsentierte auch keine Architektur, denn die Realisierungsform bleibt auf dem Level des Schau- oder Spürstücks, weit entfernt davon, Realität zu werden als urbane oder landschaftsbezogene Intervention. Die Antwort ist, scheint mir, eine andere: Sie betrifft den Mechanismus des Diskursiven, der die Dinge zuverlässig überformt, wenn sie Kunst sein sollen. Das Reden und Räsonnieren bestimmt den Aggregatszustand, ganz so wie es seinerzeit bei Yves Klein der Fall war, als er „le vide“ in die Galerie von Iris Clert verfrachtete und 3.000 Besucher kamen. Klein ließ sich sein Grundgefühl nicht nehmen und schwadronierte unverdrossen vom existenziellen Erlebnis der Ausgesetztheit - nicht in der Masse, sondern in der Leere. Auch jetzt, in der Royal Academy, wäre Leere besser als Fülle, die Leute kommen trotzdem, und keiner redet irgendwas schön. Es ist, was es ist: Ein solches Programm der buchstäblichen Lapidarität gibt es nur in der Architektur.

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