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Jahresrückblick 2013

Ausstellungsinstitut des Jahres Die Biennale. Und zwar die Biennale, die in Venedig, und nicht eine der Das-Will-Ich-Auch-Haben-Sonderökonomien, wie sie immer noch und bis zum Überdruss weltweit aus dem Boden schießen. Nicht zuletzt Massimiliano Gionis „Palazzo enciclopedico“-Gesamtschau hat, mit einem Überblick, den es in dieser Dichte und diesem Reichtum in dreißig Jahren nicht gab, vorgeführt, was das Prinzip Biennale nach wie vor vermag. Mittelmaß des Jahres 1914. Jedes Jahr gibt es irgendwas zu feiern, warum auch nicht den Beginn des Ersten Weltkriegs. Neu ist, dass man sich keine Mühe macht, das irgendwie sprachlich in den Griff zu bekommen. Ob es wie in der Bundeskunsthalle Bonn um die Avantgarde geht, wie in Marbach um die Literatur oder wie in unzähligen Buchveröffentlichungen um was auch immer: Kein Panorama, kein Aspekt schaffen es auf den Titel, es steht einfach die Jahreszahl da. Zu verdanken ist das wohl der Loseblattsammlung zu 1913 von Florian Illies - das Mittelmaß schlechthin des Jahres. Aufsteiger des Jahres Yoko Ono. Die Doyenne des Fluxus, die Pionierin von Conceptual, mit Mut zur Selbstbehauptung in einem Männeruniversum, das Pop nicht minder ist als der Rest der Welt. Dieses Jahr war sie auf Ausstellungstournee, und was sich daraus ergab, war eine Rehabilitierung auf ganzer Linie. Künstler des Jahres Sarah Sze. Ihr wunderbarer, in Behutsamkeit, Sorgfalt, aber auch, damit es nicht zu betulich wird, in stetem Blick auf die Abgründe der Gegenwart in Szene gesetzter US-Pavillon war ein weiteres Argument dafür, wider alles obligatorische Gerede um die „schlechteste Biennale aller Zeiten“ vielmehr dieses Jahr eine der besten gesehen zu haben. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum Philip-Lorca di Corcia in der Frankfurter Schirn. Zur näheren Erläuterung sei auf meinen Blog-Beitrag „Streetwork“ verwiesen. Ausstellung des Jahres in einer Galerie „A drawing that illustrates my last show“ bei Meyer Riegger in Karlsruhe. Nichts anderes als das momentan unvermeidliche Reenactment, aber in kluger, also ironischer Hommage ans eigene Weiterkommen. Künstler der Galerie platzieren ein Werk genau an die Stelle im Raum oder an der Wand, die sie schon einmal einnahmen, bei irgendeiner Ausstellung der Galerie, irgendwann in den letzten 15 Jahren. Flop des Jahres Das Lenbachhaus in Umbau und Neuaufstellung. Viel Messing, das tut, als sei es Gold, der Blaue Reiter als Weltkollektion ganz hinten rechts wie im Supermarkt die Butter, weil man da sowieso hin muss, und ein Café, das so groß ist wie das Trainingsgelände des FC Bayern, erzählen, wie Münchens Kultur funktioniert. Kurator des Jahres Tobias Natter. Der künstlerische Leiter des Leopold-Museums in Wien hat das einzig Richtige getan, nachdem er mit seinen Ausstellungen reihenweise Richtiges für das Haus getan hat. Er hat gekündigt. Souveränität und Opportunismus haben noch nie zusammen gepasst.

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