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FEMINismTC : БAЙXTE: Manifest der Diskurse

FEMINismTC criticizes the ideology (“ism”), undermining the female (FEMIN), referring to the multiple meanings associated with the words: femin, feminine or woman, not real woman as such.(1) 2012 gründeten Anna Ceeh und Iv Toshain das Label FEMINismTC, ein Projekt, das die beiden Künstlerinnen in zielgerichteter Dynamik stetig weiter entwickeln und in nicht vorhersehbaren Formaten der Öffentlichkeit präsentieren. Somit ist die FEMINismTC : БAЙXTE bei Charim Projekte als eine temporäre Station eines langfristigen Unternehmens zu sehen. БAЙXTE, ins Deutsche übersetzt Beichte, ist vielleicht als Bekenntnis klarer definiert. Anna Ceeh und Iv Toshain forderten zwölf KünstlerInnen auf, zu ihrem Logo und zugehörigem Manifest, in welchem sie ihr Verständnis von FEMINismTC punktuell beleuchten, kurze Statements zu formulieren. Diese wurden dann an die Wand von Charim Projekte geschrieben, wo dies allerdings nicht aufs Erste ersichtlich ist: Die BesucherInnen betreten die Galerie, sehen zunächst an der Wand den schwarz schablonierten Text PLAKATIEREN VERBOTEN und einen leeren Raum. In unregelmäßiger Frequenz schaltet sich eine Schwarzlichtbeleuchtung ein und aus und es erscheinen und verschwinden dem entsprechend die Graffiti mit den Slogans. Anna Ceeh und Iv Toshain haben über die gesamte Länge in großen Lettern ihr FEMINismTC angebracht, mit einem Farbstoff, der unter Schwarzlicht blau leuchtet und sonst nicht zu sehen ist. Die Zitate der KünstlerInnen überlagern diesen äquivalent rot leuchtend. Es ist ein vielstimmiger Akkord zum Thema, individuelle Aussagen aus weiblicher, männlicher, hetero- oder homosexueller, queer Perspektive, die mehr oder weniger verschlüsselt oder sinnbildlich, in kurzen Phrasen Stellung bekennen, darunter Carolee Schneemann, Slava Mogutin, Siggi Hofer und VALIE EXPORT. ¬Aussprüche wie „The copulating rhythm of the universe“, „I practice what I preach“, „Is this good for vulva?“ oder „You can see mine from outerspace“ verspannen und modifizieren sich in einem argumentativen Netz. Die ausgestellte Kunst ist nur temporär sichtbar, nicht greifbar, nicht übertragbar, nicht verkäuflich, dennoch präsent, der Wand, d.h. der Ausstellungsarchitektur imprägniert. Ausgestellt werden nicht–materielle Inhalte, deren Wert keinem Marktwert entspricht, die beinahe wie beiläufig in der Galerie für die gezählten Ausstellungstage aufscheinen um dann möglicherweise in etwas veränderter Form an vielleicht ganz unerwarteter Stelle, irgendwo in der Stadt, wieder aufzutauchen. Die Flüchtigkeit der Erscheinung trägt das Potenzial des permanent Durchdringen–Könnens mit sich. Im Raumkompartiment hinter diesem kollektiven Szenario entwickelt sich eine intimere, dialogische Situation zwischen zwei einander gegenübergestellten Videos. Während Iv Toshain anhand von Paraden der nordkoreanischen Armee die Subordination der Individualität von hierarchischen Ordnungssystemen vor Augen hält, spielt Anna Ceeh mit den kognitiven Mustern von weiblich/männlich, wobei sie ihre stillende Brust als alleinigen Akteur einsetzt. Anna Ceeh und Iv Toshain betreiben eine neue Form von Feminismus, die Kritik an starren Ordnungsschemata in diversen Systemen, an Gesellschaft und kapitalistischer Wirtschaft übt. Sie proklamieren FEMINismTC und leben ihn, als eine entschieden weibliche Position, politische wie künstlerische Haltung, die Aktivismus, Mainstream Fashion, Subkultur und Referenzen an Kunst- und Kulturtheorie gleichermaßen beinhaltet. Es ist ein Beitrag zur Contemporary Art, der sich in unterschwelliger permanenter Präsenz dem Marktmechanismus entzieht. Werk und Attitüde sind authentisch, mit subversiver Affirmation wird die Gender–Problematik aufgeworfen. Die Strategie ist intellektuell bejahend, das Sinnliche begrüßend, somit konstruktiv zum Diskurs auffordernd. -- (1) Zitat aus dem Manifest FEMINismTC, Anna Ceeh und Iv Toshain, 2012/13
FEMINismTC : БAЙXTE
20.09 - 05.10.2013

Charim Schleifmühlgasse
1040 Wien, Schleifmühlgasse 1
Tel: + 43 1 512 09 15
Email: charim@charimgalerie.at
http://www.charimgalerie.at
Öffnungszeiten: Mittwoch - Freitag: 14 - 18 Uhr, Samstag: 12 - 14 Uhr


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