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Re-Produktion 2 - Kuratiert von Thomas Locher: Retro und Repro

Die Gebildeten unter ihren Verächtern sind der Moderne meistens dergestalt auf den Leib gerückt, dass sie sie in ein Gegensatzpaar zwängten. Abstraktion versus Figuration stand dann auf dem Programm, schön versus erhaben oder gleich dionysisch versus apollinisch. Seit einiger Zeit versucht man es mit einem einzigen Begriff, einer Art Leitmotiv, und das ist gut so: Man wird einem komplexen Phänomen nicht gerechter, wenn man ihm mit der Dualität kommt. Also Mut zum Monismus. Den hat in der Galerie Kargl gerade Thomas Locher aufgebracht und die Bildnerei eines Jahrhunderts auf das Prinzip "Re-Produktion" verpflichtet. Wie immer steht Duchamp am Anfang, wie des öfteren steht ein Bindestrich in der Mitte, und wie bisweilen einmal vermag der Gedankengang ans Licht zu führen. Re-Produktion bedeutet Nachmachen mit Hilfe der Mechanik. Mechanisch funktionieren die technischen Hilfsmittel, mechanisch läuft der Prozess der Musealisierung ab, mechanisch vollzieht sich vor allem auch das Memorieren dessen, was als Konstante in den diversen Prozessen des Re-Produzierens nötig ist: Dass alle diese Akte des Aneignens Kunst sind. Locher, selber Künstler und zwar von der orthodoxen Art, darf darauf bauen, dass seine These richtig ist, denn die Exponate, die er, zum Teil aus den Beständen der Galerie, aber auch von auswärts, zusammengetragen hat, machen bei der Ausstellungsgestaltung prächtig mit. Sherrie Levine und Elaine Sturtevant repräsentieren die strenge Fraktion der Appropriation, Ad Reinhardt und Marcel Broodthaers die noch strengere der Deklaration. Stephen Prina, Matt Mullican, Heimo Zobernig und Ecke Bonk und wie sie alle heißen stehen für den Primat des Konzeptuellen über die Fabrikation. Überlegen durch Überlegen: Re-Produktion bedeutet nachdenken, bevor man, wenn überhaupt, zu hantieren anfängt. So ist also eine sehr gelungene, wieder einmal museumsreife Präsentation zustande gekommen, an der es schier nichts auszusetzen gibt. "Findest du es arg retro?", fragte der Kurator am Eröffnungsabend. Ein wenig retrospektiv ist sie in der Tat geraten. Aber das gehört zur Re-Produktion.
Re-Produktion 2 - Kuratiert von Thomas Locher
30.01 - 29.03.2003

Galerie Georg Kargl
1040 Wien, Schleifmühlgasse 5
Tel: +43 1 585 41 99, Fax: +43 1 /585 41 99-9
Email: office@georgkargl.com
http://www.georgkargl.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19
Sa 11-16h sowie nach Vereinbarung


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