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Credits

In den patriotisch ausstaffierten Shops, die Englands Sehenswürdigkeiten auf das Allerliebste („what can I do for you, darling“) begleiten, wenn nicht ihre Essenz ausmachen, gibt es jetzt eine neue Attraktion. Eine Tasse ist es, darauf angebracht die Versalien H.R.H., die an das nunmehr für alle Ewigkeit garantierte Weiterleben der britischen Monarchie gemahnen. Die Hommage an His Royal Highness war bis dato bilderlos, denn ein offizielles Konterfei der königlichen Brut gibt es ja erst seit diesen Tagen. Die Tasse ist selbstverständlich dort postiert, wo sie ganz ökonomisch am meisten auffällt, neben der Kasse, und in diesem kalkulatorischen Sinn scheint es ganz folgerichtig, wer der Hersteller des Accessoires ist: Hudson & Middleton. Entsprechend lässt sich allerhand dabei denken. Es stimmt aber nicht. Hudson & Middleton gehört zu den alteingesessenen British Potteries und hat mit den Großeltern mütterlicherseits von Prince George nur dem Namen nach zu tun. Es stimmt aber doch. Denn eine Abweichung im Sinne bürgerlichen Geschäftsgebarens hat es doch gegeben. Blickt man nämlich neben das Foto, in dem Kate & William & das Baby & irgendwelche Hundstiere vor schrägem Horizont auf der urenglisch geschorenen Wiese lagern, dann liest man folgendes: „Credit: Michael Middleton“. Dass endlich ein nicht gestelzter, nicht professioneller, dilettantisch und um so liebevoller zustandegekommener Schnappschuss die offizielle Version des ersten Familienporträts darstellt, wurde wohlwollend bemerkt. Dass das ein Präzedenzfall ist, ebenso. Das Bürgertum hat sich der Verantwortung für das zukünftige Oberhaupt des Commonwealth bemächtigt. Da darf es auch für die Bilder sorgen. Und fürs Honorar. Catherine, Duchess of Cambridge, HRH Prince George Alexander Louis of Cambridge, Prince William, Duke of Cambridge, "royal dog", Cockerspaniel Lupo, Credit: Michael Middleton Seit es so etwas wie Karriere gibt, haben die Kaufleute, Anwälte, Ärzte und Warenerzeuger auf Leistung gesetzt. Sie war der Schlüssel zum Erfolg, der bei aller Bereitschaft, sich richtig reinzuhängen, aber nicht selbstverständlich war. Erfolg war immer auch unwägbar, er erzählt von Ungerechtigkeit und davon, dass er einem irgendwie in den Schoss fallen muss. Leistung war bürgerlich, Erfolg war aristokratisch, auch wenn einige Sonnenkinder ihn, from Rags to Riches, von ganz unten her bewerkstelligten. Kein Wunder also, dass alle hinter dem Erfolg her sind, am besten unter Umgehung jenes schweißtreibenden Mit-dem-Hirn-Anschiebens, das konventionellerweise mit Aufstieg verbunden ist. Erfolg hat man idealerweise so, wie man ist. So blond unwiderstehlich wie Heidi Klum, so rasend originell wie Dieter Bohlen, so geil moderatorenmäßig wie Markus Lanz. Oder so anstrengungslos prinzessinnenhaft wie Kate Middleton. Irgendwo sitzt die märchenhafte Instanz, die einen dafür in den Himmel hebt. Erfolg ist aristokratisch, und früher, bevor die Moderne kam, war es allein die adelige Sippschaft, die sich den Kuchen teilte, wie verkorkst oder inzüchtlerisch auch immer die einzelnen ihrer Exemplare waren. Erfolg ist immer noch aristokratisch, aber als Verwirklichung von Mädchen- oder Bubenträumen liebäugelt er auch mit dem niederen Volk. Die Eltern träumen mit. Und an die Großeltern gehen die Credits.

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