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Economics in Art: Lernen von der Ökonomie

Das Museum für zeitgenössische Kunst in Krakau (kurz Mocak genannt) hat im Mai gerade sein zweijähriges Bestehen gefeiert. In der Stadt, die als Polens bedeutendes Zentrum für Kunst und Kultur gilt, errichtet man solche Institutionen aber nicht in der City, sondern an der Peripherie. Damit ist der Einfluss der Ökonomie auf die Kunstwelt bereits erkennbar. Die Museumsdirektorin Maria Anna Potocka möchte die Schwerpunkte des Museumsprogramms enzyklopädisch ausarbeiten und stellt in den Ausstellungen Beziehungen der Kunst zu anderen „wichtigsten zivilisatorischen Begriffen“ in den Mittelpunkt. Ausstellungstitel wie „Geschichte (oder Sport) in der Kunst“ sowie der aktuelle, „Ökonomie in der Kunst“, klingen hochaktuell und scheinen den Vorlieben der oft kritisierten „Generation txt“ zu entsprechen, die, anstatt ihre Empfindungen und Triebfedern differenziert zu erörtern, lieber uniformierte Zeichen und Bilder online einsetzt. Polemiken werden dabei vermieden. Derzeit scheint überhaupt alles von der Macht der Ökonomie und ihren wirtschaftlichen und finanziellen Entgleisungen abhängig zu sein. Während die Ökonomen scheinbar rational und verifizierbar handeln, unterminieren die KünstlerInnen die ökonomische Logik auf unterschiedliche Weise – in Bezug auf die Politik des Geldes, die Konstruktion der Werte und deren Ethik, auf diverse soziale Diskurse oder auch den Kunstmarkt. Demzufolge muss die berühmte Beuys-Gleichung Kunst = Kapital, mit der der Krakauer Parcours beginnt, nicht unbedingt wahr sein, stattdessen deklariert sie den Prozess symbolischer Interaktion. Dass der Wert von Kunst jenseits ihres Marktwerts liegt, visualisiert unzweideutig eine Schultafel aus der Installation Everyday Nothing von Liena Bondare. Der mittels Schablonen übertragene Spruch von Beuys taucht hier unter diversen albernen Zeichnungen, Kommentaren und Kritzeleien auf, die das spontan Kunst praktizierende Publikum hinterlassen hat. Die berühmte beuyssche Gleichung aus dem Jahr 1980 bildet ebenso eine Referenz für die kritische und global anmutende Aussage der Neonarbeit von Alfredo Jaar. 2012 hat Jaar das handgeschriebene Wort Kunst durch das in Großdruckbuchstaben glorreich leuchtende Kultur ersetzt. Mithilfe mehrdeutiger Sprüche (z.B. Less Oil More Courage) kommuniziert auch Rirkrit Tiravanija seine Gedanken – mit Anspielungen auf die enorme Aufwertung der Gegenwartskunst innerhalb der letzten Dekaden und die emporschießenden Marktpreise, die oft jedwede rein ökonomische Spekulation übertreffen. Und wenn von Aufwertung des Ansehens eines Künstlers die Rede ist, so haben die Kuratorinnen hier offensichtlich einen Tabubruch begangen, indem sie die Bilder des umstrittenen und in der lokalen Kunstszene bis dahin heftig bekämpften anonymen Künstlerkollektivs The Krasnals in der Show platziert haben. Eine äußerst freche Aneignungskunst ausübend begannen The Krasnals vor einigen Jahren damit die Malerei der teuersten polnischen Künstler, darunter jene Wilhelm Sasnals, mehrfach zu kopieren und auf Auktionen als eigene zu veräußern. In den aktuell gezeigten Bildern verarbeiten sie, zwischen Depression der Produzenten und Euphorie der Käufer schwankend, die bekannten Kunstwerke der polnischen KünstlerInnen Sasnal und Kozyra mit dem Ziel, die Mechanismen des Kunstmarktes und der Konsumwelt entlarvend zu ironisieren. Eine herausragende performative Arbeit stammt von Rafal Bujnowski: Anstatt die Idee der Kunst als Investment zu brandmarken, legte der polnische Künstler eine Kunstsammlung als finanzielle Absicherung für seine 2004 geborene Tochter an. Bujnowski malte dafür 21 idente Bilder, die gegerbte Hasenfelle (diese fanden vor der Einführung von Geld als Zahlungsmittel Verwendung) darstellen, und tauschte sie gegen die Arbeiten berühmter, oft teuer gehandelter polnischer Künstlerkollegen ein, darunter Paulina Olowska oder Marcin Maciejowski. Aufgrund dieser unter den meist Jungkünstlern üblichen Weise des Tauschens besitzt seine Tochter Milenka heute eine wegweisende Kollektion, die sie selbst angeblich noch nicht zu schätzen weiß.
Economics in Art
17.05 - 29.09.2013

MOCAK - Museum of Contemporary Art
30-702 Kraków, ul. Lipowa 4
Tel: +48 12 263 40 01, Fax: +48 12 257 10 34
Email: office@mocak.pl
http://www.mocak.pl/
Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-16 h


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