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König

Bekanntlich ersetzt man mit zunehmendem Alter die Analyse durch die Anekdote. In diesem Sinn haben sich Walter Grasskamp, Jahrgang 1950, und Kasper König, geboren 1943, zum Gespräch versammelt, auf dass daraus ein Interviewband entstehe. Soeben ist er im Verlag von Walther König erschienen. Der ist Buchhändler, der wichtigste der Republik. Die Profession des Bruders ist schwerer zu bestimmen, und nach der Lektüre des Büchleins ist man auch nicht schlauer. Sagen wir es so: Er ist eine Figur, eine der bestimmenden Figuren des Kunstbetriebs. Mit jedem Statement und jedem Schwank aus seinem Leben wird es deutlicher. Was ist nun zu erfahren, außer dem Üblichen? Dass er eigentlich Rudolf Hans mit Vornamen heißt und Kasper wurde, als er Rudolf Nurejew kennenlernte, und zwar bei Robert Fraser, dem Londoner Galeristen der Swinging Sixties, der es zusammen mit Mick Jagger und Keith Richards zu einer aufsehenerregenden Verhaftung brachte. Dass er niemals Galerist werden wollte und zwar aus „Dünkel“, wie er sagt. Dieses schier einzige Manko in Königs Karrieregang durch die Art World haben seine Söhne Leo und Johann mittlerweile ja behoben. Dass sein berühmtes Adressbuch auf den Weg gebracht wurde, als er bei der dritten Documenta jobbte und die Leihscheine abschrieb. Als Harald Szeemann „When Attitudes Become Form“ organisierte, griff er auf Königs Adressbuch zurück. Bei „von hier aus“ hat König dann durchs Klo vor Szeemann Reissaus genommen, weil der ihm in Sachen Copyright für das Prinzip Kurator zu nahe kam. Dass er Clifford Still für den „Verstiegensten seiner Generation“ hält, Richard Serra für einen „Angeber“ und Markus Lüpertz für einen „Hau-Ruck-Pfingstochsen“. Zu Lüpertz findet er im Fortgang der Unterhaltung doch auch einige warme Worte. Dass die achte Documenta mangels geeigneter Leitungsperson um ein Jahr verschoben wurde, so dass sie parallel zu den zweiten, von Klaus Bussmann und eben König besorgten „Skulptur Projekten Münster“ stattfand, die damals auf der absoluten Höhe der Zeit standen und Kassel furios in den Schatten stellten. Dass ihm der „Spiegel“ einst seine Nebentätigkeiten vorrechnete, was König für eine seltsame Skrupelbehaftetheit des Kunstbetriebs hält, eine Meinung, die Grasskamp, ohne Details zu nennen, umgehend „unterschreiben“ kann. Dass er sich mit Irene Ludwig, anders als mit deren Mann, sehr gut verstand, weil man eine Vorliebe für Porzellan und Delfter Kacheln aneinander entdeckte. Königs Vertrag mit dem Museum, das den Namen der Ludwigs trägt und das er mehr als zehn Jahre leitete, enthielt eine Präambel, dessen zentrale Vokabel das Wort „wieder“ ist. Man wollte einen Neuanfang, besser: eine Renaissance, und Kasper König hat sie ohne Zweifel bewerkstelligt. Jetzt hat er seinen Nachfolger gefunden, und immerhin heißt der neue Direktor Kaiser, Philipp Kaiser. Kasper König ist von Köln weggegangen. Er lebt jetzt, man ahnt es, in Berlin. Kasper König – Walter Grasskamp, Energien/Synergien, hg. Kunststiftung NRW, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König 2013

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