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re:image: Eisenpulver, Lycopodium-Sporen oder Malachit

Re:image heißt die aktuelle Ausstellung in der Galerie Andreas Huber von vier Künstlern, die - Affinität zu abstrakten Bildern zeigend - sich bei den Herstellungsmethoden ihrer Artefakte ohne Zuhilfenahme moderner technischer Apparate vor allem chemischen und physikalischen Prozessen zuwenden. Dabei lassen sie bei der Verwandlung der Materialien ihre manipulative, künstlerische Handlungsmacht sowie externe Zufälle und Fehler bedacht mitspielen. Die Wiederkehr des Natürlichen in der Kunst begann bereits in der Spätmoderne. Die Protagonisten der Arte Povera oder Land Art sowie ihre Nachfolger kehrten das Elementare wie Feuer, Luft oder Wasser und seine Spuren in ihren unbearbeiteten, oft zauberhaften Darstellungen hervor. Angesichts der Tatsache, dass die Natur heute wieder ihr Haupt erhebt und die negativen Indizien ihres Wettstreits mit der Kultur sich vervielfältigen, muss deren Wort aber nicht das letzte bleiben. Deshalb ist es vielleicht kein Zufall, dass gerade hier reine abstrakt-geometrische Verdrängung sowie die Rolle des Künstlers als objektivierender Autor und seine Rekreativität erneut relativierend aufs Korn genommen werden. Einige der Arbeiten zeigen ein Gefühl für stofflich-taktile Wirkungen von Materialien, deren Dichte und Transformation, ohne dabei jedoch in a priori festgelegte magische oder mythische Tiefen zu fallen. Nur noch Daniel Lergon experimentiert direkt auf der Leinwand, die anderen Künstler exerzieren ihre parawissenschaftlichen Versuche vorwiegend mittels Fotografie oder der vertrauten Technik des Fotogramms durch. Lergons mit Eisenpulver behandelten Bilder, weisen halb amorphe Spurflächen auf als Effekt der Berührung mit Wasser. Setzen sie virtuell einen Neuanfang aus Trümmern voraus? Der Schweizer Raphael Hefti hingegen spielt gestalterisch-spektakulär mit dem explosionsartigen Verbrennen von Pflanzensporen (Lycopodium), die während des Verpuffens feuerwerksähnliche Abdrücke auf der lichtempfindlichen Oberfläche des Fotopapiers hinterlassen. Sie erwecken umgehend den Eindruck magisch-unwirklicher Topographien im All. Neben ihrem Bezug zum Action-Painting neuerer Art machen Heftis Fotogramme klar, dass Neubeginn nie preisgegeben werden darf. Ephemere und zeitbasierende Kunst schafft auch Michael Part, der sich mit obsolet-fotografischen Techniken als Bildinhalt beschäftigt und diese unauffällig mit den ästhetischen Kriterien der Malerei vereint. Von Interesse ist für ihn insbesondere die Mehrbelichtung. Seine die Show eröffnende Diaprojektion weist eine spezifische Art alchemistischer Kunstfertigkeit auf. Sie bildet einen Hybriden bestehend aus einem grün-monochromen, an der Wand befindlichen Bild und einem an die Praxis der Fotografie gebundenen Projektionsapparat. Die von Hand gemachten Dias fordern von den BesucherInnen jedoch Geduld, da sie ihr Farbspektrum erst nach einer 10 minütigen Projektionsphase entfalten. Die Silberanteile des industriell hergestellten Filmmaterials ersetzt Part dabei durch den Farbstoff Malachit und entfesselt dadurch das Immaterielle, nie Gesehene in den Abbildern. In seiner Arbeit Projectile Nr.3 verwendet der Franzose Mark Geffrriaud eine teilweise mit Silbernitrat überzogene Glasplatte, um Wechselbeziehung der BetrachterInnen mit der Konstellation ihrer Umgebung sichtbar zu machen. Unabsichtlich ähnelt die in Länge gezogene Form des Silberflecks dem gegenüberhängenden grünen Sockeln aus dem Archiv der persönlichen Gegenstände von Michael Part. Und gleichgültig, ob einem die in dieser Ausstellung gezeigte Kunst gefällt: In ihr kündigt sich eine Wende an, mit der das Drehbuch der Verknüpfung von Natur und Technik leise und nichtsdestotrotz eine spannende Fortsetzung findet.
re:image
18.01 - 09.03.2013

Galerie Andreas Huber
1040 Wien, Schleifmühlgasse 6-8
Tel: +43-1-586 02 37, Fax: +43-1-586 02 37
Email: art@galerieandreashuber.at
http://www.galerieandreashuber.at
Öffnungszeiten: geschlossen


Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
endlich wieder mal leute am boden der realität!
Suomi | 16.02.2013 06:29 | antworten
find ich voll gut dieses kombinieren von stoffen um daraus kunst zu machen, alles da: humor, wissen und können, bin auch am experimentieren mit eisenteilen und alten photoentwicklern - gibt echt die super ergebnisse! diese intellektuelle getue von vielen anderen "künstlern" geht mir schon lange auf die nerven, weiter so!!
mittelmaß
soferl | 19.02.2013 10:23 | antworten
das ist wirklich das unerträgliche in der kunst, hoffentlich bringts wenigstens kohle

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