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Hubert Lobnig: Die Welt wie bei sich zuhaus

Wahrscheinlich sieht Sivomirs Küche auch heute nicht recht anders aus. Von ihrem Zustand, "als Frau Olga noch lebte" haben wir jedenfalls eine gewisse Vorstellung, denn damals nahm Hubert Lobnig sie in Augenschein und hielt auf 65 mal 50 Zentimetern Leinwand in Tempera fest, was die seinerzeitige Inspektion ergab. Eine Küche eben, durchaus im Normalzustand, so wie "Diegos Livingroom", "Claudias bed" oder die "Linzer Wohnung" ebenfalls ein spezielles Niveau an Zivilisiertheit, Ausgestattetheit und Durchschnittlichkeit repräsentieren. Die Korrespondenz von Mentalität und Wohnkomfort, von Oberstübchen und Arbeitszimmer funktioniert christlich-abendländisch, und das macht eine gewisse Schlampigkeit von vornherein räsonabel. Hubert Lobnigs Bilder zeigen den Globus wie bei sich zuhause. Wenn McDonalds die obligatorische Architektur für eine von der Globalisierung zugekleisterte Außenwelt ist, dann steht der Tisch, auf dem ein Computer sitzt, für ein ebensolches Interieur. Unter der Observanz eines derart gleichgeschalteten Allüberall können wir davon ausgehen, dass Sivomir und seine Küche ebenso die Gleichen geblieben sind. Zumindest, wenn Hubert Lobnig sich aufmacht sie uns zu zeigen. Sehr geschickt nämlich vermengt sich auf den dreißig Tafeln, die das Klagenfurter Kunstforum Bauholding vorstellt, das Dokumentierte mit der Dokumentation. Zum Allüberall der standardisierten Bleiben gesellt sich das Allover einer Malerei, die schemenhaft, andeutend und unscharf verfährt. Der Überzug erst verhilft den vorgeführten Realitäten zu dieser Oberflächlichkeit. Was als gleichsam journalistische Arbeit anmutet, als Ergebnis einer bildnerischen Recherche, die die Welt ohne Zorn und Raserei einfach wiedergibt, gewinnt doch erst durch den homogenisierenden, nivellierenden Eingriff der Übersetzung in Malerei ihre Essenz. Was Hubert Lobnig hier treibt, ist eine Manipulation im Wortsinn. Das tut naiv, aber die Raffinesse folgt auf dem Tischfuß.
Hubert Lobnig
21.11 - 20.12.2002

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