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Gottfried Ecker - aus den Tagen zwischen den Monden: Anthropomorphe Symbolik

Im Zentrum von Gottfried Eckers Ausstellung bei Dagmar Chobot steht ein auf überdimensionalen Mikadostäben aufgespießter Totenschädel. Neben einer Reihe von Aquarellen neigt eine etwa 125 cm große, dunkle Blume ihren Kopf in den Raum, begleitet jenes grausige Spiel mit melancholischem Pathos. „o.T. (aus meinem wilden Garten)“ ist dabei von seltsamem Anthropomorphismus. Der gerippte Stengel impliziert Erinnerungen an industriell gefertigte Plastikschläuche einerseits, an Leiber von Reptilien oder Insekten andererseits. Er bäumt sich auf, er strebt hinauf und in den Raum. Ein rückwärtiger unregelmäßiger Grat scheint ihn wirbelsäulenartig zu halten und zurück zu halten. Der Blütenkelch gleicht einer aufgebrochenen Eierschale, verhalten transparent, unsegmentiert und inhaltlos. Diese nicht erwartete Leere der Blüte verleiht dem Objekt eine Traurigkeit. Noch dazu korrespondiert die Größe mit jener einer menschlichen Schädeldecke. Und die ganze Skulptur scheint in Caput Mortuum getaucht zu sein. Nicht nur der Farbton, auch der Name dieses Pigments beansprucht per se die Konnotation mit Vanitas, Zerfall, Tod und Vergänglichkeit. „o.T. (aus meinem wilden Garten)“, in welcher Wirklichkeitsebene befindet sich jener wilde Garten? Die dekorative Erscheinung streift knapp an romantizistischem Kitsch vorbei, weicht von solch oberflächlicher Befriedigung ab und öffnet einen kontemplativen Sinnesraum, von poetischer Symbolik, eine stille Affirmation an transzendenter Narration.
Gottfried Ecker - aus den Tagen zwischen den Monden
13.04 - 19.05.2012

Galerie Chobot
1010 Wien, Domgasse 6
Tel: +43 676 520 70 96
Email: dagmar.chobot@galerie-chobot.at
http://www.galerie-chobot.at
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung


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