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Die lange Weile der Nacht

Armin Assinger, der Hansi Hinterseer unter den Intellektuellen, stellt jetzt in \"News\" jede Woche seine Millionenfragen. Es gibt zwar nur eine Uhr zu gewinnen, aber wer geriete nicht angesichts des folgenden Problems ins Schwärmen: \"Warum stürmten die Wiener Samstagnacht die Museen?\", um sodann unter den vier möglichen Antworten die richtige herauszuarbeiten: \"A. Bildersturm, B. Gratis-Eintritt, C. Lange Nacht d. Museen d. ORF, D. Gemälde-Abverkauf\". Es ist dies die billigste, die 100-Euro-Frage, doch in einem Buntformat, bei der der Kulturteil unter \"Szene\" firmiert, hätte man sie, um im Niveau zu bleiben, womöglich auch im fünfstelligen Bereich unterbringen können. Interessanterweise wurde bei der richtigen Antwort ein Genitiv für nötig befunden, weshalb ihr Wortlaut recht ausführlich geriet, so lang, dass man gar abkürzen musste: \"Lange Nacht d. Museen d. ORF\". Wir wollen jetzt nicht darüber schwadronieren, weshalb einem Sender diese Ehre einer namentlichen Erwähnung widerfährt, der gerade mit den \"Kunst-Stücken? sein vorgerücktestes Exerzierfeld in Sachen Kultur verwüstet. Das Fernsehen ist sowieso nicht das Medium fürs Schöngeistige. Es ist zuständig fürs Grobgesichtige und Dampfplauderische. Das Fernsehen ist ein Schwarzweiss-Medium, Boulevard wie die Bild-Zeitung, die bekanntlich auf die Farbe Feuilleton völlig verzichtet. Schwadronieren wir lieber darüber, warum sich der ORF für die Konkurrenz engagiert und sich eine Veranstaltung gönnt, die ihm, zumindest für einen Abend, den Empfängerkreis einengt. Ist es Solidarität? Ist es, weil das Fernsehen selbst ein Ausstellungsort ist, ein Filmhistorisches Museum gleichsam, das souverän alle Rezeptionsvorteile - Chips, Sessel, Rauchen - für sich verbucht? Oder ist es das Gegenteil? Die Museen der Langen Nacht schlossen um jugendfreie ein Uhr. In der Stuttgarter Staatsgalerie oder im Münchner Haus der Kunst hat man gute Erfahrungen mit Rund-um-die-Uhr-Events gemacht. In Schwaben konnte man die Besucherzahlen dadurch fast verdreifachen. Und in Bayern hatte man einen im besten Sinn wahnsinnigen Direktor, der in der Hausmeisterwohnung logierte, in der er Tage vorher die Tonnen an Quiche Lorraine vorbereitete, um sie den Besuchern nächtens zu verabreichen. Derlei brachte den einzelnen Häusern schöne Reputation. Die lange Nacht letzte Woche galt dagegen sowieso den Museen im Plural. Es ging weniger um die Möglichkeit, die Wahrnehmungsdauer zu verlängern, als buchstäblich, per Shuttle, zu erfahren, was alles als Museum gilt. Was sich alles, breitgefächert, mit einem Kulturauftrag versehen glaubt. Was alles der Aufmerksamkeit wert befunden wird. Was alles als präsentabel gilt. Das alles jedenfalls zelebriert der öffentliche Sender täglich. Mit der Langen Nacht der Museen machte der ORF PR-Arbeit für das eigene Mittelmass.

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