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Yvonne Rainer - Raum, Körper, Sprache: Mit einer Flagge Tanzgeschichte schaffen

Die Ikone des postmodernen Tanzes, Yvonne Rainer, geboren 1934, liefert in Bregenz den Beweis, dass sie nach wie vor in höchster künstlerischer Qualität auf der Höhe der Zeit arbeitet. Filmmaterial des beeindruckenden Frühwerks verbindet sich mit zum Teil erstmals gezeigten Material des Vorlasses des Getty Research Institute in Los Angeles und Tanzaufzeichnungen, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen, zu einer Schau von Weltklasse. Der neueste Coup des Kunsthaus Bregenz ist eine Kooperation mit dem Museum Ludwig in Köln. Die erste retrospektiv angelegte Einzelausstellung in Europa für Yvonne Rainer ist bis 9. April 2012 in Bregenz zu sehen und wandert anschließend von 28. April bis 29. Juli 2012 nach Köln. Während für Bregenz Kuehn Malvezzi die Ausstellungsarchitektur entworfen hat, wird in Köln Heimo Zobernig in Zusamenspiel von Werken, Bewegung des Besuchers und Filmen einen „erhellenden Subtext entfalten“. In Köln wird Yvonne Rainer auch als Wegbereiterin der performativen Tendenzen der zeitgenössischen Bildenenden Kunst gewürdigt. Der Auftakt der Ausstellung „Raum, Körper, Sprache“ machte die Aufführung zweier Tanzarbeiten, „Spiraling Down“ von 2008 und „Assisted Living: Good Sports 2“ von 2011 im Vorarlberger Landestheater. Die ungeheuer dichten Choreographien – die eine meditativ-eindringlich um eine Joggerin geschaffen, die andere um Leidenschaft und Tugend kreisend – ließen nicht nur die anwesende Vorarlberger Tanzszene jubeln. Im Kunsthaus selbst sind die fünfzig Jahre Arbeit der in New Yorker wirkenden Tänzerin und Filmerin Yvonne Rainer über drei Etagen zu sehen. Den ersten Stock trennt ein Vorhang in zwei Kinosäle, wo auch jene Arbeit präsent ist, die auf der Dokumenta 2007 aufgeführt worden ist. Im zweiten Stockwerk wird das Archiv des Getty Research Institute in Los Angeles geöffnet. Hier finden sich viele historische Fotos, die noch nie der Öffentlichkeit gezeigt worden sind. Desgleichen Original-Notizbücher bis hin zu einer Partitur von John Cage. Ein Foto zeigt Yvonne Rainer 1966 gemeinsam mit Andy Warhol und Barbara Rose im Studio von Frank Stella. In der Mystik des tiefen Blickes stehen die jungen Helden der Pop Art da bei einem Drink zusammen. So wie Andy Warhol Massenprodukte wie etwa die berühmte Suppendose zum Kunstwerk erklärte oder Roy Lichtenstein den Comics Kunststatus zubilligte, genauso hat Yvonne Rainer alltägliche Bewegungen in den theatralischen Tanz überführt und damit Generationen von Tanzcompagnien maßgeblich und stilbildend beeinflusst. Außerdem sind zehn selten gezeigte Dokumentationsfilme von Performances der früheren Jahren zu sehen, da ist sogar der Film einer Tanzaufführung von Yvonne Rainer mit Robert Morris in der Aula der Staatlichen Kunstakademie vom 24. Oktober 1964 vertreten, von deren Existenz die Grande Dame des Modernen Tanzes selbst nichts gewusst hat. Absolut spektakulär ist die Aufführung „Trio A With flags“. Sie zeigt Yvonne Rainer und ihre Tanzcompany, nackt tanzend, nur mit der US-Flagge wie einer Schürze bekleidet, wie sie gegen Unterdrückung und Zensur im damaligen Amerika protestiert. Im Dritten Stock sind dann sieben Spielfilme zu begutachten, die Rainer von 1972 bis 1996 gedreht hat. Während sieben kleinere Flatscreens mit Hocker und Kopfhörer bereitstehen, ist in die Mitte des Museumsraums ein White Cube aufgestellt, in dem wie auf einer Kinoleinwand an jedem Tag ein anderer der sieben Filme großformatig gezeigt wird. Einer dieser sieben Filme heißt „Lives of Performers“ und beinhaltet den Kampf zweier Frauen um einen Mann. Dabei verquickt sich selbst Erfahrenes mit Fiktion und vorgegebene Tanzschritte verschmelzen mit der Inszenierung eines Spielfilms zu einem Kunstwerk, das gleichzeitig wahrhaftig echt und ästhetisch vollkommen ist.
Yvonne Rainer - Raum, Körper, Sprache
04.02 - 09.04.2012

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr


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