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METAmART.Kunst & Kapital – Marktmodelle als alternative Kunstmesse: Bazar für Zyniker

Wer will ein Tandem im Porschelook? Und das um 100.000 Euro? Das gibt’s zumindest auf der METAmART. Nur, wie lange die goldfarbene Folie hält, das ist nicht so klar. Aber es geht ja nicht um den Gebrauchswert, es geht auch nicht um den Kunstwert, der ja (vielleicht) doch eine ideelle Note haben sollte oder könnte – nein, es geht um den Marktwert, es geht um Kunst als Ware – ist nur die Frage, ob sie das (zumindest in dem aktuellen Fall) auch bringt, den Stellenwert als gewinnbringende Ware zu Recht zu beanspruchen. Sonst scheint Kunst ja keine Rolle zu spielen – so zumindest übermittelt es METAmART – traurig, aber wahr. Und ob’s zutrifft oder nicht, das liegt letztendlich beim Empfänger, der die Botschaft aufnimmt oder nicht. Denn – wie der teilnehmende Künstler Karl Kilian in seinem Kebabkunstmanifest proklamiert: „es ist niemals zu vergessen: Der Kunde hat die Suppe auszulöffeln!“ Und die Kunden löffelten am Eröffnungstag gleich ganz ordentlich, zumindest in der Abteilung „100 Euro Einheitspreis“. Denn der Kurator Lorenz Seidler hat die Kunstmesse (schon wieder) neu erfunden: er forderte KünstlerInnen auf, sich für zwei von insgesamt 14 verschiedenen Marktmodellen zu bewerben. Eine fachkundige Jury wählte darauf über 230 KünstlerInnen aus, die ihre Chance wahrnahmen, sich im arrivierten Rahmen des Künstlerhauses zu präsentieren – oder, wie mancher der KünstlerInnen selbst meinte, zu prostituieren. Wie dem auch sei. Statt sich auf vielleicht tiefgründige und letztendlich deprimierende Grübeleien einzulassen, sollte man die METAmART vielmehr vom spielerischen Standpunkt aus betrachten und zum Beispiel von Patrick Baumüllers Handlauf, der den Kurvenlauf des Börsencrash 2007 – 2011 wiedergibt, zur Bar leiten lassen, wo man sich mit einem Bier, das selbst multiples Kunstwerk ist, in die passende Stimmung bringen kann – für den Rundgang durch ein eher ungeordnetes bazarmäßiges Getriebe. Außer den erwähnten Modellen mit den Fixpreisen von 100 und von 100.000 Euro werden Werke etwa in einer „Silent Auction“, unter dem Titel „AusTauschkunst“, „Artists Multiples“, „Anonyme Zeichnungen“ oder in der Fixgröße von 1 Quadratdezimeter angeboten. Die „Amateur Kunst“ unterscheidet sich qualitativ keinesfalls vom übrigen Angebot (die positive oder negative Wertung bleibe jedem selbst überlassen), hier gibt es unter anderem auch genau das, was „den“ Sammler zufriedenstellt: Ein Triptychon bestehend aus „flowers, horses and naked women“. Neu ist dabei keine der Ideen, außer vielleicht die Abteilung, die (ach wie lustig) nur unter „Krawattenpflicht und Perlenkettenpflicht“ betreten werden darf, was aber inkonsequenterweise vom Aufsichtspersonal nicht exekutiert wird. Es fragt sich, wozu dann diese Überschrift, wozu denn überhaupt dieser „Praxistest experimenteller Kunstmarktforschung“, wie es im Pressetext der METAmART heißt. Der wissenschaftliche Aspekt der Forschung ist in der jahrmarktartigen Atmosphäre schwer zu finden. Und getestet werden am ehesten die jungen KünstlerInnen. METAmART stellt auch keine Revolution im gängigen Kunstmessebetrieb dar. Die Thematisierung von Kunst und Kapital ist nicht neu, genauso wenig wie die Rolle der KünstlerInnen als Unterhalter, als Clown der Gesellschaft. Das reine Aufzeigen von zu kritisierenden Kunstmarktkonventionen, das Beim-Namen-Nennen stellt nicht unbedingt eine Unterwanderung und ein In-Frage-Stellen dar. Es kann hinterlistiger Weise auch ins Gegenteil invertieren und sich als eine Bestärkung dessen entpuppen, was es doch abzulehnen und umzustürzen galt. Wo liegt bei METAmART die alternative Strategie? Darin, dass ein Künstler sich zum Kebabkunstverkäufer degradiert? Was bringt das seiner Kunst? (Die gibt es nämlich, nur erfährt man das auf der METAmART nicht.) METAmART, die alternative Kunstmesse. Sie erfüllt wohl ihren Anspruch auf „Reflexion über Kunst und Geld“, aber mehr als Satire - und mit genügend multiplem Kunst-Bier kann man sich vielleicht über den Zynismus der Situation retten.
METAmART.Kunst & Kapital – Marktmodelle als alternative Kunstmesse
17 - 20.11.2011

Künstlerhaus Wien
1010 Wien, Karlsplatz 5
Tel: +43 1 587 96 63
Email: office@k-haus.at
http://www.k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich 10-18 h, Mi + Fr 10-22 h


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