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Pierre Huyghe - L`expédition scintillante. A musical: Benebelt im Eis

\"Ein Werk\", so heißt es in Donald Judds epochalem Text über die \"Specific Objects\" von 1965, \"braucht nichts als interessant zu sein\". Interessant ist es allemal, Pierre Huyghes Soloschau im Kunsthaus Bregenz zu besuchen. Huyghe, dessen Name übrigens schlicht als \"Üg\" ausgesprochen wird, gefiel es zum Beispiel, im obersten Stockwerk des kubischen Plattenbaus eine Eisfläche zu installieren. Zur Vernissage drehten zwei Kunstlauf-Elevinnen darauf ihre Pirouetten. Nun ist Huyghes Eisfläche von besonderer Farbe. Sie ist durch und durch schwarz. Die Einfassung ist schwarz. Das gefrorene Wasser ist ebenso schwarz, und wenn man es mittels Handberührung leicht zum Tauen bringt, wird es noch schwärzer. Huyghes Arrangement begegnet dem architektonischen Modernismus des Kunsthauses mit einem malerischen: Ein Stück Malewitsch ist von der Wand auf den Boden gewandert. Die Geste ist berückend. \"L\expédition scintillante\" hat Huyghe seine arktischen Einbauten genannt. Tatsächlich schillert es, wenn die Eisprinzessinnen ihre Kratzspuren hinterlassen. Doch, so fragt man nach ihrer zweiten Runde, wofür ist es gut? Wofür auch ist das kitschige Repoussoir eines psychedelisch eingefärbten Eisnebels gut, das es im zweiten Stock zu sehen gibt? Und ist es nicht des Guten vollends zuviel, es in der ersten Etage künstlich regnen und schneien und noch einmal einnebeln zu lassen, wenn doch zentral und aufsehenerregend genug ein lebensgrosses Boot aus Eis langsam vor sich hin schmilzt? Huyghe nennt seine Installation \"Musical\", und er hat alle Register einer Bühnenshow gezogen. Das Kunsthaus zeigt zudem, was es technisch alles drauf hat. Dieses alles ist insgesamt ein bisschen viel und beweist einmal mehr, dass das Interessante sich schnell im Spektakel verlieren kann. Peter Gabriel, der mit Genesis einer der Erfinder solchen Ausstattungszaubers war, hat jüngst folgende Geschichte erzählt: Er, der Sänger, war gerade im Begriff, sich in ein Kostüm zu zwängen, das ihn zum Glibbermann machte; Phil Collins, der Schlagzeuger, meinte zu ihm: \"Du siehst bescheuert aus\". Darauf Gabriel: \"Du musst es ja nicht anziehen\". Wiederum Collins: \"Du auch nicht\".
Pierre Huyghe - L`expédition scintillante. A musical
28.09 - 24.11.2002

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr


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