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Kokoschka als Zeichner - Die Sammlung Willy Hahn: Itinerar: ein Leben

Vergleichbar nur mit Marc Chagall wurde Oskar Kokoschka durch das 20. Jahrhundert getrieben, um alle Genüsse, alle Erfolge und alle Schikanen zu erleben. Das Oeuvre, das daraus entstand, entfaltet zwischen Aufbegehren und Opportunismus, Selbstverliebtheit und großer Geste die Menschheitsfragen. Anders als Chagall, der sein Vokabular aus dem Schtetl des Ostjudentums stets aufrecht erhielt, ist Kokoschkas Bildwelt imprägniert von den weltumspannenden Phänomenen: von den Metropolen wie Wien, Berlin, Prag und London; von den ästhetischen Kriegen der Ismen und den politischen Fanalen der Weltkriege; von Vertreibung, Todesangst, Exil und genauso Rehabilitierung und Monumentalisierung. Angesichts seiner Biografie hat Kokoschka künstlerisch etwas anderes zu tun als länger im eigenen Ego befangen zu bleiben, zu dem er sich am Anfang seiner Karriere vehement bekannte. Der Ungestüm seiner Jugend war einem Wissen gewichen, das von der Anhaltendheit dessen, dass es ihn gab, genährt wurde. Kokoschka ist der perfekte Wegbegleiter durch die Moderne, seine Biografie ein Itinerar. Gerade anhand des grafischen Werks, dem unmittelbareren, authentischeren, lebensnäheren Medium, kann man die Ingredienzien dieser Existenz besser verstehen. Im Salzburger Rupertinum ist es nun ausgelegt, mit wunderbaren Beispielen aus der Sammlung des Musikers Willy Hahn, der den Meister in den 20ern schätzen und nach dem Krieg dann kennengelernt hat. Ausgebreitet sind die 90 Blätter ganz konsequent in chronologisch-thematisch umzirkelten Stationen, die den Mann, den Menschen und Menschenbildner Revue passieren lassen. „Divinatorisch“ hat man Kokoschkas Fähigkeit genannt, den Porträtierten heute anzusehen, was morgen mit ihnen passieren wird. Natürlich ist eine solche Seherschaft Humbug, doch es reicht schon als Leistung, das Publikum dazu zu bringen, einem derlei zu attestieren. Denn worüber er verfügt wie kaum ein anderer ist die Breite der Palette zwischen Karikatur und Charakteristik, Denunziation und gespielter Unverfänglichkeit. Das Rupertinum ergänzt aus eigenen Beständen mit Druckgrafik, vor allem den Zyklen, die Zeit des langen Schaffens einer Facette das Wort reden, die dem „Oberwildling“, den Ludwig Hevesi gleich zu Anfang erkannte, entgegenarbeitet: als Pictor Doctus und soigniert respektabler Mensch von Gebildetheit. In den derzeit noch aktuellen „Texten zur Kunst“ gibt es ein Special zum Thema „The Collectors“. Niklas Maak, der es bei der F.A.Z. zum Ressortleiter für bildende Kunst gebracht hat, liefert darin einen Beitrag, wo er der Spezies gehörig ans Bein pinkelt (auch meine Person bekommt, als Beitragender für einen Katalog der Sammlung Olbricht, ihr Fett ab). Maak mag sie nicht, die Sammler, und so nimmt es nicht weiter Wunder, dass der Herr Redakteur einen speziellen Beitrag ins Blatt fließen (und von anderer Hand schreiben) ließ, der sich mit der Sammlung Hahn beschäftigte, als sie in Dresden zu sehen war, der ersten Station der Ausstellung. Ein Dutzend Mal firmiert sie im Text der F.A.Z. als „Sammlung Haas“. Namen sind Schall und Rauch, wenn das Prinzip brodelt. Demgegenüber sei hier festgehalten: Die Sammlung Hahn ist wunderbar aufgestellt – und ausgestellt.
Kokoschka als Zeichner - Die Sammlung Willy Hahn
23.10.2011 - 29.01.2012

Museum der Moderne Salzburg Rupertinum
5010 Salzburg, Wiener Philharmonikergasse 9
Tel: +43 662 84 22 20.451, Fax: +43 662 84 22 20.750
Email: info@museumdermoderne.at
http://www.museumdermoderne.at/
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Mi 10-20h


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