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Lisa Holzer - Ich bin in der Mitte deines Bildes: Unentschiedene Dekonstruktion

Ich bin in der Mitte deines Bildes ist ein Zitat aus dem Song All I need von Radiohead. In Lisa Holzers Ausstellung bei Emanuel Layr wird es zum Titel eines merkwürdigen Liebesliedes zu Bildern von Ketchup. Zwei Bilder zeigen Lisa Holzers rätselhaften Text, einmal auf englisch, einmal auf deutsch. Um diese gruppiert sie drei Pigment Prints mit der Darstellung eines großen Ketchup-Patzen. Daneben präsentiert die Künstlerin zwei Bäckerlieder. Im englischsprachigen lässt sie die „bakers“ „happy“ sein weil sie ein „a“ in ihrer Berufsbezeichnung haben, während die deutschsprachigen Bäcker über ihr „ä“ traurig sind. Es sind Liedertexte mit mancherlei Referenzen: etwa auf den Song von Radiohead, auf zeitgenössische Künstler wie Paul McCarthy und Mayo Thompson oder auf die Philosophie Jacques Lacans. Lisa Holzer spielt mit der Sprache, Phrasen und Namen wie mit Modulen, die sie demontiert und neu in Zusammenhang setzt. Es entstehen unterschiedliche Assoziationen, die kurz darauf wieder gebrochen und zu einem anderen Sinn konnotiert werden. Außerdem wird das Sprechen an sich mit den Motiven von Verschwinden, Tod und Abwesenheit konfrontiert und mit diesen im grammatikalischen wie inhaltlichen Kontext durchsetzt. Die Verweise und Anspielungen sind bewusst verwirrend und nicht leicht direkt am Exponat erkennbar. Daher hilft Lisa Holzer mit einem Brief an die BesucherInnen, der selbst wieder ein poetisches Kunstprodukt darstellt und gerne auf Anfrage ausgehändigt wird. Die Künstlerin erläutert darin u.a. die Bedeutung des „a“, das sich auf das „objet petit a“ bezieht, „nach Lacan die Objektursache des Begehrens“. Genau genommen ist jedoch Jacques Lacans „Objekt klein a“ unerreichbar und imaginär, die „happy bakers“ würden demnach eigentlich einem Trugschluss unterliegen. Trotzdem hat ihnen Lisa Holzer illustrativ die Darstellung von fertig gebackenen Brezeln beigegeben, das Lied der Bäcker hingegen nur mit rohen Teigringen versehen. So vielschichtig die verschiedenen phonetisch-verbalen und kulturhistorischen Bedeutungsebenen innerhalb der Libretti auch verknüpft sind, so dominant ist die sprachliche Komposition im Verhältnis zum zugehörigen Bild. Die Gegenüberstellung des Textes in englischer und deutscher Version mag die verschiedenen lingual bedingten sprachlichen Möglichkeiten aufzeigen, wirkt aber doch unentschieden. Die Ketchup-Patzen-Bilder sind demgegenüber zwar eindeutig, aber in ihrer Offensichtlichkeit von geringer Aussage und scheinen wie die gebackenen oder ungebackenen Brezeln als relativ simples Abbild additiv beigefügt. Überzeugender wird das Thema Schrift - Bild in den beiden monochromen Serien a objet petit a zum Ausdruck gebracht: Das Dargestellte ist auf die innere Fläche eines „a“ reduziert, die sich durch den minimalen Helligkeitsunterschied kaum wahrnehmen lässt. Durch die stark spiegelnde Verglasung der Bilder wird die Lesbarkeit allerdings weiter erschwert, aber vielleicht passt das ja genau zu Lacans „objet petit a“.

Lisa Holzer - Ich bin in der Mitte deines Bildes
01.07 - 06.08.2011

LAYR Vienna
1010 Wien, Seilerstätte 2/26
Tel: +43 1 945 1791, Fax: +431 1 5238422
Email: gallery@emanuellayr.com
http://www.emanuellayr.com
Öffnungszeiten: Mi-Sa 12-18 h


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