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Marcel Breuer – Design und Architektur: Kragen bis es kracht

Wien war keine Episode wert, es war, wie er es beschrieb, „die unglücklichste Zeit in seinem Leben“. Nach wenigen Wochen an der Akademie der Bildenden Künste zog es den eben einmal 18-jährigen Marcels Breuer, der 1902 im ungarischen Pécs geboren worden war, ans Weimarer Bauhaus, wo die nächste Avantgarde alsbald die fröhlichsten Urständ feierte. Wenngleich Johannes Itten dem Schüler nach dem Vorkurs eine Begabung als Maler attestierte, Kunst war Breuer schlicht zu langweilig, Möbel sollten vorerst sein, später -und das entsprach wohl am meisten seinem Selbstverständnis- Architektur. Walter Gropius wurde sein Lehrer, Mentor und zeitlebens (väterlicher) Freund. Design und Architektur sind auch jene beiden Pole, für die Marcel Breuer (1902-1981) heute noch steht, für das eine in Europa, für das andere in den USA, wohin er 1937 emigriert war. In der für das Wiener Hofmobiliendepot vom Vitra Design Museum, Weil an Rhein, konzipierten Ausstellung wird beides mit zahlreichen Originalen, Dokumenten und Modellen vor Augen geführt und darüber hinaus die Frage gestellt, wohin es führt, das Streben nach den Streben. Eine gewisse Waghalsigkeit war dem Meister im einen wie im anderen nicht in Abrede zu stellen. Waghalsigkeit, die Lust an neuen Materialien und eine ungemeine Freude an Oberflächentextur. Nach den ersten, noch stark von der De Stijl-Bewegung beeinflussten Möbeln aus Holz, war es ein Fahrradlenker, der Breuer für die Verwendung von Stahlrohr als neues Material inspirierte. Der erste Lieferant mochte bei der Bestellung der, bereits in Dessau befindlichen Möbelwerkstätte, kopfschüttelnd abwinken. Der zweite brachte das Gewünschte, das Ergebnis mit dem Stahlrohrmöbel „Wassily“ wurde ein Klassiker und auch das abenteuerlich wippende Folgende unter der Sammelbezeichnung „Freischwinger“ schreibt heute Designgeschichte. Mit Sitzgelegenheiten aus Aluminium und Schichtholz konnte Marcel Breuer an jene Möbel-Erfolge nicht mehr anschließen, musste er aber auch nicht, denn in den USA ging es um das große Ganze drumherum, die Immobilie. Und wieder eine Waghalsigkeit. „Das ist es, was man Experiment nennt“, war der lakonische Kommentar, als der stark hervorkragende, lediglich von Stahlkabeln stabilisierte Balkon seines ersten Eigenheimes zu Boden ging. Experiment, so Breuer, wäre „eine der Verantwortlichkeiten des Architekten“, darüber hinaus strebte er nach Typologien, eindeutige Formen, die immer wieder angewandt werden konnten. Einzigartig, nach gerade spektakulär sind Marcel Breuers monumentale Sakralbauten, wie St.John's Abbey in Collegeville, Minnesota. Hier sind es weniger Waghalsigkeiten oder Experimente, die beeindrucken, als die skulpturalen Qualitäten der äußeren Hülle und der überwältigende Innenraum, ein grandioses Zusammenspiel der Oberflächen und der Lichtführung. Unglücklich hin oder her, als Anekdote zur fehlenden Episode wird in Wien mit der Ausstellung Marcel Breuers dreißigster Todestag begangen.
Marcel Breuer – Design und Architektur
16.03 - 03.07.2011

Hofmobiliendepot - Möbel Museum Wien
1070 Wien, Mariahilfer Strasse 88, Eingang Andreasgasse 7
Tel: +43-1-524 33 57-0, Fax: +43-1-524 33 57-666
Email: info@hofmobiliendepot.at
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