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Art Salzburg: Salzburger Sachwerte

Die Stimmung an der Weltwirtschaftsfront ist alles andere als idyllisch. Dem wochenlangen Ringen um Rettungspakete für Europas Bankrottkandidaten folgen jetzt Turbulenzen an den internationalen Börsen, die nicht nur das mediale Sommerloch füllen, sondern die Wachstumsaussichten bereits dramatisch drücken. Andere stufen die Situation noch pessimistischer ein, darunter der Chefökonom der US-Bank Morgan Stanley, der die große Nervosität an den Märkten mit der Angst vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung erklärt. Das Risiko, dass die Eurozone innerhalb der kommenden zwölf Monate in eine Rezession rutscht, läge laut Joachim Fels bereits bei 50 Prozent. Der Kunstmarkt bekäme das Übergreifen der Baisse auf die Realwirtschaft damit genauso zu spüren, wie jede andere Branche. Nur, dass er in einem ersten Schritt davon profitieren könnte, konkret über die Flucht in Sachwerte, die für vermögenden Klienten mittelfristig massiv an Attraktivität gewonnen hat. Erste Anzeichen dafür will der eine oder andere der insgesamt 36 Teilnehmer der soeben zu Ende gegangenen „Art Salzburg“ (14.-21. August 2011) bemerkt haben. Konkret etwa Sylvia Kovacek (Galerie Kovacek Spiegelgasse, Wien), die in den ersten Öffnungstagen bereits Wertgesichertes auf Leinwand („Prachensky, Zoff oder Walde“) oder Glas („Lötz“) an Neukunden weiterreichte. Vor allem die Moderne sei gefragt, ja auch die klassische mit den üblichen Protagonisten Eisenschitz, Egger-Lienz und Walde, aber deutlich stärker als zuletzt die Nachkriegsgeneration und Zeitgenössisches. Fingermalerei & Ärmchenbeil Zur Freude etwa von Teilnehmern wie den Galerien Ruberl („Fingermalerei von Arnulf Rainer“) oder Thoman („Brandl-Großformat, Prachensky, Weiler“). Letztere überzeugte mit einer überaus gelungenen Inszenierung, die neben genannten Künstlern und einem zu Kreativität verführenden Installations-Bausatz von Franz West (Tisch, zwei Stühle, Lampe, bunte Klebebänder, Stanleymesser & Schraubenzieher für 28.000 Euro) auch Newcomern wie Maria Brunner („Liquid Palisander“ (2007), 16.500 Euro) einen Auftritt vor internationalem Publikum. Einige Messekojen weiter hielt Cajetan Grill mit seiner Entourage Hof, darunter Gabriele Rothemanns „Fatsche I (Hase)“ (20.000 Euro), nicht aber das ursprünglich angekündigte Ärmchenbeil („…ich konnte es nicht finden…“), die keltische Mini-Axt schaffte es tatsächlich nur als Foto in die ehemals fürsterzbischöfliche Residenz. In ihrem fünften Veranstaltungsjahr lockte die parallel zu den Salzburger Festspielen abgehaltene Sommer-Kunstmesse mit einer Bandbreite, die Kunstkäufe quasi in allen Sparten ermöglichte. Sowohl alpenländische (Kunsthandel Runge, Kunst & Antiquitäten Wimberger) als auch Volkskunst aus exotischen Gefilden (Galerie Bienenstein) wechselte den Besitzer, dazu Interieurelemente historischer Wiener Wohnkultur vom Biedermeier über den Historismus bis zur Moderne (Patrick Kovacs). Zufriedenheit auch in der Sektion Vintagefotografie, vor allem bei Johannes Faber (Kühn, Hopper, Kertesz & Co), ebenso bei Thomas Schneider, einem von elf aus Deutschland angereisten Kunsthändlern. Schneider reichte an einen amerikanischen Ranchbesitzer einen bronzenen Pferdekopf von Andreas Krämmer weiter, der zusammen mit einem Dutzend weiterer Skulpturen, darunter Gironcoli, Wotruba oder Avramidis aus den Beständen der Galerien bei der Albertina (Wien) oder Maier (Innsbruck), im Innenhof der Residenz auf durchaus gefällige Weise ihr temporäres Freiluftquartier bezogen hatten.
Art Salzburg
14 - 21.08.2011

Art Salzburg - Residenz
5010 Salzburg, Residenzplatz 1
http://www.artsalzburg.info


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