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Miriam Prantl, Peter Matzalik, Erich Smodics: Es lohnt sich...

Wenn jemand in Vorarlberg so etwas wie ein personifiziertes Aushängeschild für die heutige Kunstproduktion ist, dann ist es Wilhelm Meusburger, der Präsident der hiesigen Künstlervereinigung. Während nicht wenige ihre Originalität, im Land vor dem Arlberg, im Blitzgewitter der Bussi-Bussi-Kunst-Schickeria verlieren, ist er in seinem freundlichen Understatement gegenüber allen, die sich einem subversiv verstandenen Kunstbetrieb verbunden wissen, der anerkannte Promoter des Bregenzer Künstlerhauses Thurn und Taxis, ein Bollwerk der Authentizität in der oft verlogenen Bilderwelt der Medien-Gegenwart. Die Qualität der zehn neuen Mitglieder plus drei etablierten Künstlerpersönlichkeiten spricht jedenfalls für sich. Miriam Prantl hat im zentralen Raum im Erdgeschoss ein wunderbares Lichtmirakel hingezaubert, die Flüchtigkeit jeder existentiellen Erfahrung lässt so etwas wie eine säkularisierte meditative Stimmung aufkommen, und der Vergleich mit der großen Tradition metaphysischer Lichtkunst von den gotischen Kathedralen mit ihren Göttlichkeit sprühenden Fensterrosen bis hin zu einem James Turrell mag hochgegriffen, aber nicht falsch sein. Während Erich Smodics hier in Bregenz mit seinem Namen für eine künstlerisch gut gemachte, akademische Malerei steht, die sich allerdings in Sachen künstlerischer Innovation nicht wirklich vom klassischen Fach der Aktmalerei emanzipiert hat, bespielt Peter Matzalik den Dachraum mit Grafitstift-Arbeiten, die an der energischen zumalenden Pinselführung eines Arnulf Rainer geschult zu sein scheinen. Es sind jedenfalls die zehn neuen Mitglieder, die einem schon mal in Staunen versetzen können. Inhaltliche Spange gibt es zwar keine, es sind eben jene KünstlerInnen, die von der Jury der Künstlervereinigung aufgenommen worden sind, sei es, weil sie einen akademischen Abschluss quasi als Meisterbrief vorweisen können, sei es, dass die Spezialisten der Jury - selbst sechs Künstler bzw. zwei Architekten - einen Autodidakten für künstlerhaus-kompatibel anerkannt haben. Es ist wirklich „ein Haus von Künstlern für Künstler“, wie Wilhelm Meusburger nicht ohne stolz im Gespräch betont. Basisdemokratie und Qualität sind hier tatsächlich keine Gegensätze. Ob klassisch expressive Malerei (Rita Moosbrugger), ob Siebdruck (Anne Zwiener), textile Skulpturen (Maria Baumschlager), raffinierte Bleistiftporträts von Kühen (Helmut Osterloher), filmische Selbstporträts (Martina Feichtinger), eine filigrane Leidensgeschichte in einem Materialmix (Simon Vith), eine Parodie auf alemannische Wäscheleinen (Rouven Duerr), witzige, karikatureske Tuschezeichnungen (Sophia Lipurger) oder ganz am Tafelbild orientierte Ölbilder (Lorenz Helfer und Katharina Olschbaur), jede Position würde eine eigene Rezension verdienen. Bleibt nur der Tipp: hingehen und anschauen, es lohnt sich!
Miriam Prantl, Peter Matzalik, Erich Smodics
15.01 - 27.02.2011

Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis
6900 Bregenz, Gallusstraße 10
Tel: +43 (0) 55 74 / 427 51, Fax: +43 (0) 55 74 / 440 29
Email: bvkv@kuenstlerhaus-bregenz.at
http://www.kuenstlerhaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-Sa 14-18, So 10-12, 14-18 h


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