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Werner Feiersinger: Andächtig!

Den Skulpturen von Werner Feiersinger fehlen, wie den Arbeiten des anderen österreichischen “Minimalisten” Heimo Zobernig, die assoziativen Titel. Überhaupt sind Feiersingers Werke vom Abwesenden der Körperlichkeit, des Volumens oder der Transparenz gekennzeichnet und es herrscht eigentlich ein Mangel an allem, was im herkömmlichen Sinn mit dem Begriff Skulptur verknüpft wird. Seine Arbeiten greifen seit mehreren Jahren erstaunlich Mode-resistent Monumente der klassischen Moderne auf. Dazu zählen vor allem die Heroen des internationalen Stils – Architektur, Design und Lifestyle eines Le Corbusier, Mies van der Rohe oder eines Mendelsohn. In der Sicht zahlreicher Kritiker sind Feiersingers Arbeiten „eine polymorphe Verwirrung zwischen Gebrauchsobjekt, Architektur und Skulptur“, die „wegen unterschiedlich konnotierter Referenzbereiche“ und zugleich mit investigativem Impuls „hybride Energien“ offen legen. In unserer Zeit, in der es neue Allianzen der „Superarchitekten“ mit kommerzialisierten Räumen gibt und ein Triumph der Oberfläche gefeiert wird (zuletzt auch in Wien: Hotel Sofitel von Jean Nouvel), scheinen die farb- und formenreduzierten, „möbelhaften“ Stahlobjekte des Künstlers fern der realen Baukultur mit ihrem Hochtechnologie-Dekor zu stehen. Feiersinger demonstriert parallel im Medium Fotografie die Methode der visuellen Verführung und beraubt sie ihrer hypnotischen Wirkung. In der aktuellen Ausstellung in der Galerie Martin Janda rekonstruiert und reaktualisiert der Bildhauer einige Alltagsobjekte, Werkzeuge, Symbole und architektonische Motive raumgreifend und versucht das Übersehene sinnbildlich sichtbar zu machen. Ein im Eingangsbereich diagonal eingespanntes bodenloses Riesengeländer in Rotbraun, das auf die Handläufe im Wiener Stadionbad (gebaut 1931) rekurriert und ein in seiner Tiefe platziertes, riskant in Schwarz glänzendes Brett mit zwei unbrauchbaren Halterungen wirken prekär. Alle Insignien der Funktionalität sind hier mehr als ungewiss. Schattenhaft und flach präsentiert sich auch die strenge schwarze Bodenskulptur davor – eine Reminiszenz an eine Guillotine oder einen Geistlichen. Gespenstisch und abwesend stellt sich dagegen im Nebenraum der weiße Sockel vor, dessen achteckige Formgebung auf das ehemalige New Yorker Pan Am Hochhaus Bezug nimmt. Wie in einem Käfig gefangen sieht ein helles von den grün bemalten Rastergittern eingesperrtes Holzbrett aus. Es scheint wie einst der Hl. Laurentius auf sein Martyrium zu warten. Ein Symbol der globalen spirituellen Souveränität? Die traumatisch verdichteten skulpturalen Bilder sind zum Gradmesser einer verinnerlichten Metaphorik geworden, die eine Auseinandersetzung mit modernistischen Konzeptionen weiter- und komplexer fortbildet, diesmal unter der Prämisse gesellschaftlich vorfabrizierter Identitätskonstrukte. Die wahre Kunst handelt vom Leben und Tod, sagt man andächtig.
Mehr Texte von Goschka Gawlik

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Werner Feiersinger
17.11.2010 - 15.01.2011

Galerie Martin Janda
1010 Wien, Eschenbachgasse 11
Tel: +43 1 585 73 71, Fax: +43 1 585 73 72
Email: galerie@martinjanda.at
http://www.martinjanda.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa: 11-16h


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