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Designs für die wirkliche Welt: Der Ort der Zeit

Wie alles, was irgendwie mit Styling zu tun hat, erlebt das Design alle paar Jahre eine Renaissance. Design ist, so sollte man meinen, ja eigentlich eine Reflexionsform, die Meta-Variante des Ästhetischen, aber das schützt es nicht davor, seinerseits den Moden zu unterliegen. Seit einiger Zeit hat Design wieder Konjunktur und wenn man sich fragt, was den momentanen Begriff von den früheren unterscheidet, so gibt der Titel der Schau in der Generali Foundation eine triftige Antwort: \"Designs für die wirkliche Welt\". Es geht um Realität. Vier Positionen stehen für sie, eine historische in Gestalt von Krzysztof Wodiczko, der einen Wagen für das Hab und Gut von Obdachlosen kreierte, der eine fahrbare Rednerbühne schuf, die mittels der Lautstärke dessen, der ins Mikrofon plärrt, angetrieben wird, und jetzt eine Videokameramaske entwickelte, dank der die Frauen von Tijuana Zeugnis geben können von ihren Lebensumständen. Dazu kommen drei aktuelle. Azra Aksamija dokumentiert die sogenannte \"Arizona Road\" in der Nähe des bosnischen Brcko, einen Straßendorf gewordenen Schwarzmarkt, installiert unter der offiziellen Ägide der SFOR-Truppen. Marjetica Portc schafft hybride Mensch-Umwelt-Biotope, schräge Szenarien des Unvereinbaren, in denen Landbewohner in den Moloch und Slumbehausungen in die Wüste geschickt werden. Florian Pumhösl schließlich rekonstruiert eine Ausstellung, die er 1996 in Graz hatte und die sich den weltverändernden Geist der frühen Siebziger vornahm, indem sie die damals entwickelten Modelle nachbaute. Pumhösls Position markiert die Schnittstelle zwischen den Interessen, die man vor zehn Jahren hatte, und dem Heute. Damals, beispielhaft vorgeführt von Helmut Draxlers 1994er Münchner \"Utopie des Designs\" war es um die Chancen und Avancen der Pop-Attitüden gegangen, die sich weltverändernd gaben, aber in der Unerfüllbarkeit versandeten. Heute geht es um eine Realität, bei deren Exuberanz im Unklaren bleibt, wer für ihre Interessantheit so etwas wie die Verantwortung trägt: Die Welt selbst, facettiert in Situationen, oder die Künstler, die sie zeigen. Die Unentschiedenheit, wo \"die wirkliche Welt\" ihre Realität hat, gibt der Ausstellung ihren Ort.
Designs für die wirkliche Welt
13.09 - 22.12.2002

Generali Foundation
1040 Wien, Wiedner Hauptstrasse 15
Tel: +43 1 504 98 80, Fax: +43 1 504 98 83
Email:
http://foundation.generali.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So 11-16h


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