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Heißer Sommer für Alte Meister

Hhm. Was mag die Konkurrenz aus der King Street wohl darüber denken, dass die Kollegenschaft in der Bond Street gewillt ist in dieser Saison offenbar alle Rekorde zu brechen, die es so zu toppen gibt? Genaueres weiß man nicht, dafür hat die Welt eine Sensationsmeldung und der Kunstmarkt das eigentlich teuerste jemals versteigerte Bild - defakto aber nicht, weil für "Dr. Gachet" von Vincent van Gogh 1990 umgerechnet knapp 60 Millionen Euro bei einem besseren Pfund-Wechselkurs bewilligt wurden. Jedenfalls waren 1600 Menschen zu Sothebys gepilgert, um Kronzeuge beim Aufruf Peter Paul Rubens "Massaker der Unschuldigen" zu werden. Acht Bieter entfesselten per Telefon und im Saal ein furioses Gefecht. 20 - 30 - 40 - 45 Millionen Pfund. Der Hammer fiel, als Auftragsbieter wurde Sam Fogg entlarvt, der das Werk - so die jüngste Kunde des "Standards" - für einen Spross des kanadischen Medienmoguls Thomson erwarb. Vom Schüler zum Meister Der Zuschlag von umgerechnet 77 Millionen Euro liegt damit deutlich über dem letzten vergleichbaren Rubens-Werk, für das die Londoner National Gallery 1980 2,53 Millionen Pfund bezahlte. "Samson und Delilah" ist das Gegenstück zur jetzt versteigerten Arbeit. Und die Sensationsmeldung für Österreich: Der Kindesmord von Bethlehem stammt aus der Sammlung Liechtenstein, aus der es Ende des 19. Jahrhunderts als ein Werk des Rubens-Schülers Jan van den Hoecke verkauft wurde. Die jetzige Einbringerin, eine 89jährige Österreicherin, erbte das Werk 1923, stellte es dem Stift Reichersberg als Leihgabe zur Verfügung und ließ es jetzt versteigern. Das Denkmalamt bewilligte - zum nachträglichen Unmut von Karl Schütz, Direktor der Österreichischen Gemäldegalerie, - die Ausfuhr, vermutlich, weil man den Liechtenstein-Stempel (auf der Vorder- und der Rückseite) nicht gesehen hatte. Auch Sothebys musste dafür einen Londoner Siegelexperten heranziehen. Brigitte Faszbinder-Brückler, Leiterin der Ausfuhrabteilung, winkt betreffs einer Revision der Ausfuhrbewilligung ab. Letztlich wäre sie wahrscheinlich ohnedies erteilt worden, da "die Museen und Sammlungen in Österreich hervorragend mit Rubens-Gemälden ausgestattet sind." Welche Ironie, dass an jenem geschichtsträchtigen Mittwochabend in London mit "Porträt eines Mannes als Mars" genau jener Rubens folgte, der erst 2000 mit 4,6 Millionen Pfund den bisherigen Auktionsrekord stellte. Der Londoner Händler Jonny van Haeften bekam das Porträt zum Limit von vier Millionen Pfund. Insgesamt durfte sich Sothebys am 10. Juli über die bisher einträglichste Altmeister-Auktion überhaupt freuen. In Zahlen: 67,58 Millionen Pfund bei einer Verkaufsquote von knapp 67 Prozent. Bemalter Holzteller als Highlight Christies gab es am selben Tag eindeutig billiger. Das Highlight war hier ein bemalter Holzteller von Pieter Bruegel d. Ä., anno 1557 signiert und datiert. Erst vor zwei Jahren war die Szenerie eines Betrunkenen, der in einen Schweinestall geschoben wird, entdeckt worden. Ein Gastspiel in der National Gallery (London) verhalf zu Museumswürden, die wiederum Hoffnungen auf einen hochdotierten Zuschlag weckte. Für drei Millionen wurde der Teller einem Saalbieter zugeschlagen. Fazit: Bei einem Gesamtergebnis von 14,2 Millionen Pfund wurde die Auktion in der King Street zu 38 Prozent nach Losen aussortiert.

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