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Potter

Beatrix Potter. Spätestens seit der 2006er Verfilmung ihres Lebens ist sie so bekannt wie Harry. „Miss Potter“ war nie in den deutschsprachigen Kinos, für die DVD-Edition ist er aber synchronisiert worden. Renée Zellweger spielt die Titelrolle, und als Amerikanerin entledigt sie sich der Aufgabe, eine britische Institution vor Augen und vor allem Ohren zu stellen, mit Bravour (was sie auch bei „Bridget Jones“ schon meisterte, anders als Anne Hathaway, die Jane Austen gibt und amerikanisch knödelt, als hätte sie zehn Chewing Gums im Rachen). Beatrix Potter. Bekannt wurde sie und in alle zumindest englische Kinderzimmer kam sie mit ihren kleinformatigen Bändchen, in denen sie Tiergeschichten erzählt und sie selber illustriert. „Peter Rabbit“ ist ihr wichtigster Protagonist, mit ihm im Portefeuille und im Herzen gelang ihr 1902 der Durchbruch. Da war sie Mitte dreißig, lebte gut viktorianisch noch bei den Eltern, wusste nicht sehr viel vom Leben, aber hatte in alter Tradition des Sublimierens eine lebhafte Phantasie. Peter Rabbit zum Beispiel hat drei Geschwister, die sich brav an die Regeln halten, nur Peter geht hinüber in den Garten des alten McGregor, der schon seinen Vater zu Pie verarbeitet hatte, und Peter kann er sich mit Müh und Not nach Hause retten. Gut viktorianisch ist die Strafe der Verlust seiner Kleider. Jacke und Schuhe dienen McGregor jetzt als Vogelscheuche, Peter dagegen sieht, dass er nackt ist. Das reicht seiner Epoche und seinem Milieu als Sanktion. Beatrix Potter, ‘Original illustration for The Tale of Peter Rabbit’, © Frederick Warne & Co. 2006 Im Victoria & Albert Museum, das die Zeit und ihren Geist schon im Namen trägt, sind jetzt die Zeichnungen, Briefe, Editionen rund um Peter Hase, so sein deutscher Name, ausgestellt. Im Sinn der Präraffaeliten spricht aus den Skizzen und Entwürfen ein gediegenes Vermögen zur optischen Einfühlung in die Natur und zum leidenschaftlichen Porträtieren noch der kleinsten Züge. Und im Sinn der Präraffaeliten wird die Natur dabei domestiziert, wird sie idyllisiert und verharmlost und bekommt gleichsam instinktiv ein Kindchenschema verpasst. Die Einfügung ins Infantile, man kennt das etwa auch von Lewis Carrolls „Alice“ und vor allem von John Tenniels Illustrationen dazu, passiert von vornherein. Doch man sollte Miss Potter nicht unterschätzen. Ihr Status als alte Jungfer verdankte sich ihrer strikten Weigerung, die vor allem von der Mutter nach Maßgabe ihrer Upper Class – Konformität ausgesuchten Bräutigame zu goutieren. Bücher zu publizieren war seit Jane Austen ein Mittel zur Emanzipation, und um nicht weniger ging es ihr (dass sie sich in ihren Verleger verliebte, mag an der sexuellen Ökonomie liegen; allerdings starb Norman Warne in der Phase ihrer Verlobung, ein Schicksal, das natürlich der Film gehörig hervorhebt). Damit nicht genug. Mit ihren Tantiemen erwarb sie Stück um Stück Ländereien im Norden Englands, im Lake District, verhinderte dadurch nachhaltig diverse Immobilienspekulationen und hinterließ unverdorbenes Land dem National Trust. Schließlich war sie auch noch sehr erfolgreich als Schafzüchterin. Ein exemplarisches Leben. Mehr war für eine Frau um 1900 nicht zu holen. Und geheiratet hat sie in späten Jahren ihren Vermögensverwalter.

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