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Das Projekt Schuh

Schilling verhält sich zu Euro, rein arithmetisch ausgedrückt, wie 100 : 7,27. Wenn man also beispielsweise 75 Euro hat, dann verfügt man über etwas mehr als 1.000 Schilling. Hat man nun beispielsweise 75.000 Euro, dann schießt man nach altösterreichischen Maßstäben gleich über die Millionengrenze hinaus. Auf der siebenstelligen Seite der Welt kommt dann schon eine gewisse Prächtigkeit zusammen. 75.000 Euro: So viel hat Florian Pumhösl soeben per Juryentscheid zugesprochen bekommen. Er ist ? nach Rirkrit Tiravanija, Douglas Gordon und Ernesto Neto - der vierte Träger des Central Kunstpreises, den eine Kölner Krankenversicherung biennal vergibt, und weil mit der Auszeichnung ein halbjähriger Aufenthalt vor Ort verbunden ist sowie eine Ausstellung im ansässigen Kunstverein, wird, wie es in derAussendung heißt, eine \"Dynamik von Beziehungen zwischen dem Künstler, dem Projekt, den Kölner Künstlern und lokalen Öffentlichkeiten\" entstehen. Wir wissen nicht, ob Aufenthalt und Ausstellung zwingend vorgeschrieben sind. Schließlich befindet sich die Kunststadt Köln ersichtlich im Niedergang. Aber man kennt das ja von städtischen Bühnen, von Kunstvereinen und vom Privatfernsehen: Wenn es nicht mehr recht klappt mit dem deutschen Aufschwung, holt man sich die Österreicher. Was hat Toni Polster nicht für den 1. FC Köln gelitten! Florian Pumhösl war gerade zweiundzwanzig, als Peter Weibel ihn, zusammen mit Dorit Margreiter und Matthias Poledna, bei seiner \"Kontext Kunst\"-Schau, die den Neuzigern eine Richtung weisen wollte, dabei hatte. Vor kurzem las man von Vitus Weh im Kunstforum International folgendes über Pumhösl, geäußert anläßlich von dessen Präsentation bei KrobathWimmer: \"Im Kommen sind wieder raffiniertes Understatement und gute Schuhe. Natürlich ist hierfür das Klima im bourgeoisen Basel oder im transmonarchistischen Wien... besser vorbereitet als beispielweise im Immer-noch-Nachkriegs-Köln oder im spekulativen Wiedervereinigungs-Berlin. Aber glauben Sie mir: Es ist der neue Zeitgeist der Kunst, und er kommt auch zu Ihnen.\" Wir konnten es noch nicht recht glauben, als der weise Weh das sagte. Aber wie es aussieht, verkörpert Pumhösl tatsächlich den neuen Zeitgeist. Und jetzt wird er nach Köln gelockt. Wir werden jedenfalls beim nächsten Besuch in der Buchhandlung Walther König den Kunden kräftig auf die Schuhe schauen. Vielleicht hat der Kunstpreis dann schon etwas bewirkt.

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