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WM-Postings

An dieser Stelle ist bereits angemerkt worden, dass ein nicht geringes Vergnügen bei internationalen Sportveranstaltungen darin besteht, der narzisstischen Kränkung zu folgen, die österreichische Internet-Teilnehmer, die sich vermutlich für Fans halten, in diversen Foren, vor allem auch des „Standard“, zum Ausdruck bringen. Auch diesmal, anläßlich der Fußball-Weltmeisterschaft, ist das nicht anders. Und doch ist es anders, denn der blinde Hass, der jetzt die Deutschen nach ihrem Achtelfinal-Sieg trifft, nachdem es im Fall Frankreichs und Italiens eine, sagen wir, Österreich-üblich etwas exaltierte Schadenfreude gewesen war, ist nicht mehr lustig. Natürlich legen viele Deutsche auf derstandard.at mit Freude ein, wie man es ortsüblich nennt, Scheitel nach. Die Deutschen verrohen womöglich die Sitten, doch die Beflissenheit, die letzte Sau raus zu lassen, wird dann unübertrefflich vom südlichen Nachbarn exekutiert. Man kennt das ja aus eben der Geschichte, auf die hinzuweisen die Postings natürlich nicht müde werden. Formulierungen wie „du Hirnkrankes Arschlochartiges Amstettener fick dich selber Kellerkind!!!“ auf einen Satz wie „Armseelig, dass es Pief.. gibt, die so einen Sieg feiern“ sollen die Schlacht offenbar so richtig in Schwung bringen. Dass die Anspielung auf Amstetten im Rahmen der Bewertung mit grünen und roten sogenannten „Stricherln“, die die Poster speziell bei Laune hält, ebenso oft positiv als negativ taxiert worden ist, versteht sich dann quasi von selbst. Die Fußballspiele werden bei derstandard.at als „Live-bericht“ verfolgt und kommentiert. Da gibt es eine eigene Redaktion, die die Ereignisse unmittelbar in knallige Slogans umsetzt, die dann wiederum die Reaktion der User auf Trab bringen sollen. Wie es aussieht, ist bei Deutschland-England der zuständige Redakteur, er nennt sich Tom Schaffer, übers Ziel hinausgeschossen. „Saubeschiss“ war sein Kommentar auf das fälschlich nicht gegebene zweite Tor der Engländer, er legte nach mit „das geht mir so was von am Zeiger“, um mit einem „Das Problem ist ja, dass mir die deutsche Mannschaft gar nicht unsympathisch ist“ weiterzumachen. Speziell die letzte Bemerkung hat es in sich. Es ist schon eklatant genug, dass eine Figur, die als Moderator eingesetzt ist, die Stimmung anheizt; dass Schaffer es praktisch contre coeur betreibt, aus einer Automatik des Deutschen-Bashing heraus, ohne die sein Betrieb offenbar in der Bedeutungslosigkeit versanden würde, ist pures Kalkül mit dem Ressentiment. Screenshot aus der Website derstandard.at Der Standard ist vor zwanzig Jahren angetreten, dem Voluntarismus in Österreichs Pressewesen eine Alternative entgegenzusetzen. Gegen die journalistische Maul-und-Klauenseuche der diversen Kleinformate sollte so etwas wie Argument und Räsonnieren helfen. Man sollte nicht mehr aus dem Bauch heraus schreiben, sondern aus dem Hirn, und die dumpfen Triebe eines Landes, das sich nur allzu gern selbst dispensiert, sollten kein Medium haben, um sich vom Raunzerisch-Unflätigen ins Faschistische zu vervielfältigen. Was jetzt bei den Postings passiert, ist genau dieser Umschlag von einer allfälligen Psychopathologie ins Inhumane. Und das in aller Institutionalität eines Organs, das sich als Qualitätszeitung versteht. Herr Bronner, stoppen Sie die Entwicklung. Das macht langsam Angst.

Ihre Meinung

6 Postings in diesem Forum
ähem
Tom Schaffer | 28.06.2010 06:09 | antworten
Sehr geehrter Herr Metzger, ich will ihnen nicht übel nehmen, dass sie den Stil mancher Bemerkungen meines Liveberichts nicht mögen. Was ich Ihnen allerdings übel nehme ist die Frechheit, drei Zitate die im Laufe von etwa 60 Minuten an unterschiedlichen Zeitpunkten getätigt wurden aus ihrem Zusammenhang zu reissen und neu zusammenzudichten. Ich habe nämlich nach dem "geht mir am Zeiger" nicht wie sie fälschlicherweise suggerieren mit "das Problem ist" weitergemacht. Diese Aussage kam eine knappe Stunde später und einem ganz neuen Kontext. Bei meinem Ärger über ihren "Bericht" geht es gar nicht darum, dass ich die Bezeichnung als "Figur" oder eines "Maul- und Klauenseuchen-Journalismus" schon als beleidigend auffasse, was von jemandem der besseren Stil und mehr Hirn beim Schrieben fordert ziemlich ironisch ist. Da geht es schon eher darum, dass mir wegen der Aufregung über eine offensichtliche Fehlentscheidung als "Deutschenbashing" ausgelegt wird. Die Deutschen kommen lustigerweise in meinen Äußerungen zur Situation gar nicht vor. Ungeachtet dessen, dass ich und mein Kollege von Fans des deutschen Teams in diesem Ticker und darüber hinaus wüst, übel und auf sehr persönliche Weise beschimpft wurden, habe ich kein negatives Wort über das deutsche Team gesagt. Im Übrigen sollten Sie vielleicht keine Live-Kommentare lesen, wenn sie keine spontanten Äußerungen lesen wollen. Live-Kommentare verlieren nämlich ihr wesentliches Element, wenn man vor jeder Bemerkung erstmal zwei Wochen Bedenkurlaub in einem Kurort nimmt. Meine Kontaktdaten sind außerdem leicht herausfindbar. Bevor Sie das nächste Mal verzerrende Berichte über mich im Zusammenhang mit "narzistischen Kränkungen" schreiben, die mich in einem Atemzug mit wildesten, tiefsten Beschimpfungen nennen (die Art von Beschimpfungen gegen Deutsche (und Österreicher), die ich gestern fast 4 Stunden aus den Foren löschte), sollten sie mich für ein klärendes Gespräch kontaktieren. Mit solchen Umtrieben habe ich nämlich nichts - ja wirklich gar nicht zu tun. Ich bin einfach ein England-Fan, der sich über eine offensichtlich falsche und äußerst bedeutsame Schiedsrichter-Entscheidung beschwert hat. Über den Stil kann man wie gesagt geteilter Meinung sein, aber so niedrige Motive hineinzudichten ist journalistisch fernab von jedem Qualitätsmaßstab, den Sie einzufordern glauben. Kein böses Wort über Deutschland oder die deutsche Mannschaft, sondern sogar eine Sympathiebekundung ist mir über die Lippen gekommen. Bashing ist das, was Sie hier betreiben. Mit freundlichen Grüßen Tom Schaffer
Was im Standard nicht gesagt werden darf....
Anke Blessing | 29.06.2010 01:14 | antworten
Schon seit gestern versuche ich, kritische Beiträge zu dem „Livebericht“ im Leserforum des Standard zu platzieren - ohne Erfolg. Nachdem nun heute wieder ein Beitrag „hängen“ bleibt, gestatte ich mir, ihn hier zu veröffentlichen. Die mit *gekennzeichnete Passage habe ich nachträglich zusätzlich aufgenommen: Der „Journalist“ Schaffer hat seine unterirdische Darbietung im Livebericht noch mit einem Leserbrief an das artmagazin übertroffen. Dem artmagazin unterstellt er, es habe drei Bemerkungen von ihm „zusammengedichtet“. Jeder Leser kann sich selbst überzeugen, dass Schaffer diesbezüglich einer Wahrnehmungsstörung unterliegt. Immerhin gibt er nun zu, England-Fan zu sein. Was hat ein parteiischer Moderator bei so einem Spiel zu suchen und warum ergreift ein Moderator überhaupt Partei? *Schaffer behauptet, er habe eine Sympathiebekundung für die deutsche Mannschaft abgegeben. Diese lautete: „Mein Problem ist ja, dass mir die deutsche Mannschaft gar nicht unsympathisch ist“. Warum ist das ein Problem für ihn? Das Ganze wirft bei mir auch die Frage auf, woher eigentlich die Poster kommen, die immer dann auftreten, wenn die Zugriffszahlen abflachen und mit primitivsten antideutschen Ressentiments die Diskussion wieder aufleben lassen. http://www.artmagazine.cc/content48849.html
Wenn wir gerade bei Wahrnehmungsstörungen sind...
Georg Pichler | 29.06.2010 01:44 | antworten
...sollten Sie eventuell beachten, dass "aus dem Zusammenhang reissen und neu zusammendichten" nicht das Gleiche ist wie "zusammendichten". Zu keinem Zeitpunkt wurde behauptet, dass die von Ihnen kritisieretn Zitate nicht getätigt wurden - jedoch sprach der Kollege an, dass zwischen ihnen größere, zeitliche Abstände sind und Sie sie willkürlich interpretieren und sinnentstellen. Und diese Entgegnung kann ich nach dem Lesen ihres wirren Beitrags voll und ganz nachvollziehen. mfG Georg Pichler
Hat Herr Schaffer gerade Mittagspause oder traut er sich nicht?
Anke Blessing | 29.06.2010 02:27 | antworten
Die Zitate wurden vom artmagazine eben nicht aus dem Zusammenhang gerissen und neu zusammengedichtet. Artmagazine schreibt „er legte nach mit…“. Wer das als Journalist so auffasst, dass die Zitate unmittelbar zeitlich hintereinander erfolgt seien, hat ein Wahrnehmungsproblem. Wenn das aber der einzige Punkt ist, den Sie kritisieren bzw. für die anderen nur das Argument haben, sie seien „wirr“, dann kann ich damit leben. Ich bin auch nicht allein mit meiner Ansicht. Georg Danzer hat es dem Standard ja schon 2006 ins Stammbuch geschrieben, was er vom „Deutschen-Bashing“ dieses Blatts hält, und viele andere Forumsteilnehmer sehen es offenbar auch so wie ich und kritisieren Herrn Schaffer scharf. Dort freilich äußert er sich nicht.
nochmal
Tom Schaffer | 29.06.2010 03:45 | antworten
herr schaffer hat heute frei, nachdem er die letzten 5 tage gearbeitet hat und lernt lustigerweise für seine medienrechtsprüfung morgen. jedenfalls find ichs lieb, dass du behauptest, dass ich jetzt "zugebe" england-fan zu sein. das weiß jeder der regelmäßigen user bei uns sowieso (hatte auch noch in den 3 vergangenen jahren nie jemand ein problem damit) und ich hab es ungefragt auch am anfang des livetickers bekannt gegeben. und was ich dort als fan einer mannschaft tue? kommentieren. als kommentator. es ist das erste mal, dass irgendjemand damit ein problem hat, vielleicht sollte man sich da auch mal selbst hinterfragen: immerhin sprechen wir hier von einem unterhaltsamen ticker über fußball. du sagst, man könne sich von einigen dingen selbst überzeugen. ich bitte darum - auch dich. denn wenn du sogar das bekenntnis am anfang des tickers nicht mitgekriegt hast, dann bezweifle ich, dass du den rest besonders genau und reflektiert gelesen hast. denn ja, die zitate wurde komplett entfremdet, auf eine weise die in wahrheit eine gegendarstellung rechtfertigen würden. 1. dass die nicht gegebene entscheidung in der emotion als saubeschiss bezeichnet wurde, das stimmt (das wiederhol ich gerne - vielleicht würde ich ohne emotion das "sau" weglassen). 2. dass mir diese ungerechtigkeit auf den zeiger geht, stimmt auch (was glaube ich nicht so unverständlich ist). 3. dass ich das dritte zitat (das lustigerweise meine SYMPATHIE für das deutsche team ausdrücken soll) stimmt auch. ABER - und das ist das problem - ich habe sie im zusammenhang MIT EINEM WEITEREN SATZ getätigt. UND DAS EINE STUNDE SPÄTER. kann jeder nachlesen - der livebericht ist öffentlich zugänglich. und das wird hier schlichtweg FALSCH dargestellt. hier steht, dass ich nach der empörung über die schiedsrichterentscheidung mit dem dritten zitat weitergemacht hätte. das ist falsch. das ist eine komplett unerhenhafte unterstellung. ich wiederhole: es ist falsch. unvolständig. aus dem zusammenhang gerissen und FALSCH. FALSCH. ich finde es außerdem HÖCHST befremdlich, dass mir da ein deutschenfeindliches "kalkül mit dem ressentiment" unterstellt wird. das ist unseriös und schlichtweg nicht mit der realität zu vereinen. ich versichere, dass ich kein ressentiment gegenüber deutschen empfinde. das gegenteil kann ich zum teil sogar gut dokumentiert belegen. nicht damit, dass ich mit 4 deutschen zusammenlebe oder seit jahren mit deutschen zusammenarbeite ohne überhaupt darüber nachgedacht zu haben, dass das was besonderes wäre. auch nicht damit, dass ich in vielerlei hinsicht eher neidvoll auf die politische kultur oder fußballprofessionalität oder klasse der liga deutschlands blicke. wohl aber mit zum beispiel mit solchen beiträgen http://zurpolitik.com/2009/11/03/das-ende-einer-debatte-die-deutschen-uberschwemmen-uns-nicht/ mit solchen und anderen beiträgen versuche ich seit jeher jegliche ressentiments in der gesellschaft zu bekämpfen. und ich bin gerade auf diese seltsame deutschenfeindlichkeit - in österreich ganz besonders im zusammenhang mit fußball oder studierenden - nicht erpicht. ich bin ja noch nichtmal einer der österreicher, die sich was auf cordoba einbilden. ich distanziere mich von solchen haltlosen und miesen unterstellungen und muss darauf hinweisen, dass meine emotion FÜR das englische team (dessen anhänger ich seit vielenm jahren bin) nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass in einem online-forum widerliche sachen über deutschland (und andersrum) gesagt werden. wer beim fußball nicht akzeptieren kann, dass jemand auch für die andere mannschaft sein kann, der soll bitte irgendwas anderes verfolgen, aber keinen fußball-livekommentar in einem online-forum. ich bin in meinem leben schon so oft als übertoleranter gutmensch beschimpft worden, dass mir schon wirklich das speiben kommt, dass gerade mir jetzt so eine gemeinheit unterstellt wird. ich bitte zur kenntnis zu nehmen, dass ich absolut keine deutschenfeindlichen intentionen hatte. und meiner ansicht nach auch nicht zur schau gestellt oder provoziert habe. können "wir" (dass ich mich da mit einbeziehe ist pure höflichkeit, denn ich werde zwar fortwährend arg beleidigt, habe das aber noch nicht einmal im ansatz erwidert) mal die gehässigkeit aus dem ton nehmen und ganz normal über das thema diskutieren? ich habe doch niemanden beleidigt - schon gar nicht das deutsche team. von daher seh ich wirklich den grund für die aggressionen nicht. vielleicht lest ihr den ticker ganz einfach nochmal mit dem hintergedanken, dass man bei einer äußerung nicht unbedingt die schlimmstmöglichen motive vermuten muss. ich verstehe schon, dass man als jemand der von den vielen grässlchen postings anderer leute angewiedert war, mal die übersicht verlieren konnte, wer einfach nur anderer meinung ist, und wer sich tatsächlich scheisse benimmt. aber mittlerweile ist das zwei tage vorbei, und es wäre gut, wenn man langsam wieder zu sinnen kommen würde. ihr könnt mir weiter deutschenfeindlichkeit unterstellen, aber außer, dass mich das kränkt, wird die welt dadurch keinen deut besser, weil ihr den falschen angreift. und jetzt - es tut mir leid - werde ich noch ein wenig lernen.
Noch etwas
Tom Schaffer | 29.06.2010 04:13 | antworten
"„Saubeschiss“ war sein Kommentar auf das fälschlich nicht gegebene zweite Tor der Engländer, er legte nach mit „das geht mir so was von am Zeiger“, um mit einem „Das Problem ist ja, dass mir die deutsche Mannschaft gar nicht unsympathisch ist“ weiterzumachen." Hier wird sehr wohl eine Chronologie und ein enger zeitlicher Zusammenhang suggeriert - und wie gesagt außerdem ein klärender Satz und der Kontext ausgelassen.

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